Bremgarten

Der Ammann und die Asylbewerber

Raymond Tellenbach.

Raymond Tellenbach.

Der Bremgarter Stadtammann Raymond Tellenbach ist inzwischen eine nationale Figur – dank der Berichterstattung über das Badi-Verbot für die Asylbewerber. Schadet oder nützt es ihm?

Noch bis vor wenigen Tagen schien in Bremgarten alles klar. Überraschungen wurden für die am 22. September noch anstehenden Stadtammann- und Vizeammann-Wahlen keine erwartet. Die hatte es schliesslich im Frühling schon gegeben. Im Rahmen der ordentlichen Stadtratswahlen, die wegen der Fusion mit Hermetschwil vorgezogen wurden, haben die Stimmberechtigten den amtierenden Vizeammann Rolf Meier unerwartet nicht mehr wiedergewählt.

An seine Stelle dürfte die amtierende Frau Vizeammann aus Hermetschwil- Staffeln treten. Doris Stöckli ist am 3. März bereits zur neuen Bremgarter Stadträtin gewählt worden und kandidiert allein für den Sitz des Stadtammann-Vize. Es gibt offenbar auch Leute im Städtchen, die in diesem Job lieber Bernadette Sutter sähen. Wie stark diese Gruppe wirklich ist, wird sich am Wahltag weisen. Zumal Bernadette Sutter im Vorfeld auf eine Kandidatur verzichtet hat.

Bleibt Raymond Tellenbach, Stadtammann und mittlerweile wohl bekanntester Bremgarter, überhaupt? Wurden seine verunglückten Verse zum Thema Asylbewerber und Hallenbad an der Fasnacht 2013 noch als närrischer Unfall abgetan und rasch vergessen, ist er heute für viele (Medien-)Leute in Europa und Übersee der Rassist schlechthin.

Wieweit wird Tellenbach die dramatisierte Badi-Affäre in den Bremgarter Wahlen schaden? Linke Kreise werden sich bestätigt sehen. Doch jene, die ihn schon bisher nicht geliebt haben, hätten ihn auch vor zwei Wochen nicht wiedergewählt. Es gibt auch Kreise, denen es behagt, dass Bremgarten im Asylbereich nicht die sanfteste Tour fährt. Durch die Haltung des Stadtrates fühlen sie sich mit ihren Bedenken zur Unterkunft auf dem Waffenplatzgelände nicht allein gelassen und sehen deshalb keinen Grund, Tellenbach abzuwählen. Am 22. September wird auch über die Abschaffung der Wehrpflicht abgestimmt. Die Vergangenheit zeigt, dass bei solchen Gelegenheiten vor allem Traditionalisten in Scharen an die Urne gehen. Ganz sicher kein Nachteil für Tellenbach.

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