Dottikon

Der Altmeister der Rosenzucht lebt nicht mehr

Richard HuberAZ/Archiv

Richard HuberAZ/Archiv

In Dottikon ist Richard Huber im Alter von 86 Jahren gestorben. Er war mit seiner Rosenzucht weltweit bekannt geworden. Seine erste erfolgreiche Kreation von 1975 nannte er Lady Di. Das angelehnt an seine Tochter Diana.

Unter dem Namen «Rosen-Huber» war er praktisch in der ganzen Welt ein Begriff: Der Rosenzüchter Richard Huber aus Dottikon. Nach einem arbeitsreichen Leben ist er vergangene Woche im Alter von 86 Jahren gestorben. Vom Ruhestand wollte Richard Huber nie etwas wissen. Als Patron seines Familienunternehmens war er ständig in seinem Rosen- und Gartencenter präsent. Man brauchte ihn, den Altmeister mit seinem grossen Erfahrungsschatz.

Als Rosenzüchter holte Richard Huber seine erste Goldmedaille 1975 am Rosenconcours in Genf mit seiner Rose «Lady Di», die er nicht etwa der später tragisch verstorbenen englischen Prinzessin Diana widmete, sondern seiner Tochter, die gleich heisst wie die Prinzessin der Herzen.

Rosen waren Luxusgüter

Der Erfolg fiel Huber nicht in den Schoss. Viele Niederlagen gingen ihm voraus. Huber war Baumschulist wie schon sein Vater. Es gab und gibt noch heute keinen Lehrgang im Rosenzüchten. Als der Junior die Idee äusserte, er wolle Rosen züchten, riet ihm sein Vater dringend davon ab. Denn Rosen zählten kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich Richard Huber ernsthaft damit zu befassen begann, zu den Luxusgütern.

Der Obstbau hingegen schien dem Vater erfolgsversprechender als so neumodisches Zeug wie Rosen, mit denen man kein Geld verdienen konnte. «Du wirst deine Erfahrungen mit den Rosen noch machen», warnte der Vater seinen Sohn vor Enttäuschungen, die er unweigerlich erwartete.

Aber Richard Huber setzte seinen Kopf durch. Als blutjunger Mann pflanzte er 1948 im Gebiet Rothenbühl, das der Vater einem Bauern abgekauft hatte, die ersten Rosen. Prompt erfroren sie im Winter 1949. Die Prophezeiung des Vaters schien in Erfüllung zu gehen. Richard Huber dachte trotzdem nie daran, deswegen aufzugeben. Er pflanzte erneut Rosen, bis 1960 280 000 Stück, und kreuzte die edelsten Sorten, die nach seinem Geschmack aus der Masse hinausragten, bis sie verkaufsreif waren.

Ein Geschäft sei das Rosenzüchten allerdings nie gewesen, erzählte Richard Huber kurz vor seinem 80. Geburtstag. Der Vater behielt recht: Mit dem Rosenzüchten konnte man in der Tat kein Geld verdienen. Aber davon liess sich Richard Huber nie bremsen. Das Rosenzüchten blieb für ihn ein anspruchsvolles Hobby. Wie er dabei vorging und worauf er achtete, blieb sein Geheimnis. Er arbeite bei den Kreuzungen nur mit Vätern und Müttern mit allerbesten Erbanlagen. Aus Tausenden von Kreuzungen sei nur eine einzige ein Erfolg. So viel verriet Huber, mehr aber nicht.

Ehrenbürgerrecht verliehen

Dass er als Züchter unendlich viel Geduld brauchen würde, war ihm bewusst. Zahlreiche Ehrenurkunden und gewonnene Medaillen entschädigten ihn dafür vollauf. In Dottikon schätzte man sich glücklich, einen so prominenten Mann in den eigenen Reihen zu haben. Vor fünf Jahren verlieh die Gemeinde Richard Huber und seiner Ehefrau Fiona, seiner unverbrüchlichen Stütze, das Ehrenbürgerrecht. Richard Huber fühlte sich auch dazu verpflichtet, einen Teil seiner Zeit für öffentliche Ämter zur Verfügung zu stellen. Er war als Mitglied des Grossen Rates tätig. Als Schulpflegepräsident von Dottikon verhalf er dem Bau des Oberstufenschul- und Gemeindezentrums Risi zum Durchbruch.

Huber verfocht die Idee, die gesamte Oberstufe an einem Ort zusammenzufassen, weil er die Überzeugung vertrat, dass so die Bildungschancen für alle Schüler am besten gewahrt werden konnten. Richard Huber war ein weitsichtiger Mann, überall, wo er wirken durfte.

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