Bremgarten
Der alte Portemonnaie-Trick eines Senioren zog nicht

Ein älterer Mann verschwand ohne zu bezahlen aus dem Restaurant. Weil er den Wirten absichtlich falsche Angaben über seine Person gemacht hatte, wurde er nun als Betrüger verurteilt.

Jörg Baumann
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Symbolbild: Keine Zechprellerei, sondern Betrug, fand das Gericht. key

Symbolbild: Keine Zechprellerei, sondern Betrug, fand das Gericht. key

KEYSTONE

Immer wieder werden Restaurantbetreiber Opfer von Zechprellern. Zwei Wirte aus dem Bezirk Bremgarten liessen sich das nicht bieten. Sie klagten einen 58-jährigen Gast ein, der bei ihnen diniert hatte, aber die Rechnung nicht bezahlte.

Er verschwand mit dem Vorwand, er habe das Portemonnaie vergessen. Mit der gleichen Masche legte er auch einen Tankstelleninhaber aufs Kreuz.

Der Deliktsbetrag – 250 Franken – ist kaum der Rede wert. Trotzdem statuierte der Bremgarter Gerichtspräsident Lukas Trost ein Exempel: Er verurteilte den Mann, der sich grossspurig als international bekannter Fotograf ausgab, wegen Betrugs zu einer Busse von 1200 Franken.

Das sei keine Zechprellerei oder geringfügiger Diebstahl, wie der Staatsanwalt wohlwollend angenommen habe, erklärte Trost, sondern ein ausgewachsener Betrug.

Denn der angeblich sehr bekannte Fotograf vernebelte seine Personalien so geschickt, dass die geprellten Geschäftsleute ihm erst mit der Hilfe der Polizei auf die Schliche kamen. «Das ist eine arglistige Täuschung, also ein klassischer Betrug.»

«Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet ein älterer Mann mich betrügen würde. Er hat vertrauenswürdig ausgesehen», sagte eine der beiden geprellten Wirtinnen vor Gericht.

«Aber alle Angaben, die er im Restaurant hinterlassen hat, waren falsch. Die Adresse auf der Visitenkarte, Handynummer und Autonummer, es stimmte alles nicht.»

Zudem habe an diesem Sonntagabend, als der Gast sich verköstigen liess, ohne zu bezahlen, im Restaurant Hochbetrieb geherrscht. «Die Serviertochter war im Stress», meinte die Wirtin.

Der Angeschuldigte suchte wilde Ausflüchte. Er habe seine Autonummer im Autoindex unterdrücken lassen, weil er als Fotograf auch «für Blaulichtorganisationen» tätig und aus beruflichen Gründen auf die geheime Nummer angewiesen sei.

Noch ein weiterer Trick

In der Befragung beim Staatsanwalt erklärte er, er habe die Schulden begleichen wollen. Die Zahlung sei aber «in der Buchhaltung untergegangen.»

Die Post liess sich der Fotograf jeweils über ein Postfach zustellen – ein weiterer Trick, der die Suchaktion nach ihm erschwert haben könnte.

Der Fotograf drückte vor Gericht auf die Tränendrüse. Wichtige Vertragspartner seien ihm noch Geld schuldig. Deshalb sei er knapp bei Kasse.

«Wenn sie schon stier sind, hätten sie nicht so teuer essen dürfen und sich mit einem günstigen Menü begnügen müssen. Statt zum Essen Wein und Bier zu trinken, hätten sie auch ein Mineralwasser bestellen können», konterte Trost.

Zudem sei er vorbestraft, hielt der Gerichtspräsident dem Fotograf entgegen.

Schliesslich fiel die Busse mit 1200 Franken viermal so hoch aus wie der Deliktsbetrag. Wenn der Verurteilte die Busse nicht bezahlt, wird diese in eine Freiheitsstrafe von zwölf Tagen umgewandelt.

Der Fall wird für den Betrüger ohnehin teuer: Er muss auch die Verfahrenskosten von 1570 Franken bezahlen und die ausstehenden Rechnungen begleichen.

«Das machen sie am besten so schnell als möglich. Ein älterer Mann wie sie sollte eigentlich wissen, was sich gehört», stellte Trost fest.

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