Lieni Strebel

Der älteste Wohler Motocrössler war schon 1956 am ersten Anlass dabei

Lieni Strebel auf «seinem» Jubiläumsblock: Der Stein wurde zum 25-Jahr-Jubiläum gesetzt und auf sein Betreiben hin auch beschriftet.

Lieni Strebel auf «seinem» Jubiläumsblock: Der Stein wurde zum 25-Jahr-Jubiläum gesetzt und auf sein Betreiben hin auch beschriftet.

Lieni Strebel ist 85 Jahre alt und noch immer so begeistert wie vor 59 Jahren. «Wir sind nach wie vor ein gutes Team, eine richtige Familie. Es macht mir immer noch Spass, mitzuhelfen.»

Seine 500er-Royal Enfield, die er seit der bestandenen Töffprüfung 1950 gefahren ist, hat Lieni Strebel vor 10 Jahren verkauft: «Zu Hause steht zwar noch meine 125er-Suzuki, aber ich bin heute kaum mehr mit dem Motorrad unterwegs, nur noch mit dem Moped», sagt der 85-Jährige.

Von seinem orangefarbenen Arbeitsgewand, in welchem er über Jahrzehnte als Chef des Bauamts in Wohlen unterwegs war, hat sich Lieni nicht getrennt. Er zieht es nach wie vor noch fast täglich an.

Zurzeit ist er damit auf dem Moto-Cross-Gelände in Hilfikon unterwegs. Lieni Strebel hat als 25-jähriger junger Mann beim Auf- und Abbau der ersten Veranstaltung geholfen und ist bis heute dabei geblieben.

60 Jahre lang: «Seit ich angefangen habe, hat es zwei Generationenwechsel gegeben. Leute sind gegangen und neue gekommen. Aber nach wie vor sind wir ein gutes Team, eine richtige Familie. Es macht mir immer noch Spass, mitzuhelfen.»

Ungewöhnliche Perspektive – Motocross Wohlen mit der Helmkamera:

Quelle: Youtube/Backyard Racing

Motocross Wohlen Helmkamera

Von null auf Moto-Cross

Lieni Strebel trat 1950 dem Motor-Sport-Club Wohlen bei – ein Jahr nach dessen Gründung. Nach dem üblichen Probejahr wurde er 1951 definitiv aufgenommen. Den FMS-Ausweis aus jener Zeit kann er noch heute vorzeigen.

«Der Moto-Cross-Sport kam damals erst so richtig auf und wir befassten uns damit, selber eine Veranstaltung zu organisieren. Präsident Albert Meyer schaute sich in der Gegend nach einem geeigneten Gelände um und konnte uns 1955 mitteilen, er habe oberhalb des Schlosses Hilfikon ein geeignetes Gelände gefunden. Schlossherrin und Landbesitzer seien einverstanden, wir könnten loslassen.»

Also, erklärt Lieni Strebel weiter, hätten sie im Jahr darauf losgelassen. Von null auf Moto-Cross: «Wir hatten nichts. Pfosten und Seile für die Pistenbegrenzung haben wir von der Armee gemietet und dann eine Woche lang Abend für Abend von Hand Pfähle eingeschlagen. Die Staketenzäune haben wir in Luzern ausgeliehen. Später haben wir Holz gekauft und die Zäune selber zusammengenagelt.»

An der ersten Veranstaltung sei das Gelände noch nicht abgesperrt gewesen und der Zugang frei: «Wir haben an der Strecke Kontrollen gemacht und geschaut, ob die Leute ein Eintrittsbillett gelöst hatten», erklärt Strebel.

Später wurden zur Abgrenzung des Geländes Sackstoffbahnen gekauft: «Diese haben wir in einer kleinen Baracke auf dem Gelände gelagert. Nach ein paar Jahren wurden sie im Winter von den Mäusen gefressen. Da haben wir zuerst Drahtgitter für die Abgrenzung gemietet und später Betonnetze verwendet.»

Eindrücke vom Motocross Wohlen 2014:

Quelle: Youtube

Motocross Wohlen 2014

Abräumen mit Hindernissen

Lieni Strebel sind auch ein paar besondere Erlebnisse beim Abräumen in bester Erinnerung geblieben: «Einmal war es auf dem Gelände so schlammig, dass wir dort oben kaum mehr etwas reinigen konnten. Wir haben die verschmutzten Seile zusammengehängt, mit einem Lastwagen nach Villmergen geschleift und dort auf dem Areal der Firma Benkler gewaschen. Getrocknet haben wir sie in der Bleichi in Wohlen, die damals noch in Betrieb war.»

Der Grand Prix von Wohlen hatte bald einen hervorragenden Ruf. Schon nach sieben Jahren wurden erstmals über 20 000 Eintritte verzeichnet: «Für die Zuschauer haben wir Blechhäuschen als Toiletten bereitgestellt. Diese standen auf Balken über grossen Löchern, die wir zuvor in den Boden gegraben hatten. Nach der Veranstaltung wurden diese Löcher einfach zugeschüttet. So etwas könnte man heute nicht mehr machen», schmunzelt der älteste Wohler Motocrössler.

Verschiedene Chargen bekleidet

Am ersten Moto-Cross war Lieni Strebel Parkwächter: «Ich habe den ganzen Tag keinen Töff gesehen.» Später war er Streckenwart und wechselte schliesslich in die Festwirtschaft. Dort hat er – unter anderem – Tausende von Güggel gebraten: «Erst haben wir Marktstände und Mineralwasserzelte für die Verpflegung aufgestellt, später gab es auch ein Festzelt und zwischenzeitlich konnten wir die Reithalle nützen, die beim Gelände steht. Dort haben wir auch das 25-Jahr-Jubiläum gefeiert. Dazu wurden eine komplette Küche eingerichtet und ein Koch angestellt. Weil ich auf die Küche aufpassen musste, habe ich die Nacht von Samstag auf Sonntag auf dem Moto-Cross-Areal verbracht.»

Es seien strenge Zeiten gewesen damals, aber sehr schöne: «Wenn die Zuschauer in Scharen gekommen sind, war das unser Lohn für die strenge Arbeit beim Auf- und Abbau sowie am Anlass selber», sagt Lieni Strebel. Und er freut sich, dass es nach einem Tief seit einigen Jahren mit der Veranstaltung wieder aufwärtsgeht: «Die Strecke auf- und abzubauen ist immer gleich aufwendig. Da hat es mir schon wehgetan, als nur noch 2000 bis 3000 Leute gekommen sind. Aber jetzt geht es zum Glück wieder aufwärts. Und ich bin gerne dabei, denn ohne Moto-Cross würde mir sicher etwas fehlen.»

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