Nicht nur Männerchörler, auch viele Besucherinnen und Besucher brauchten nach dem tosenden Schlussapplaus ein Taschentuch. Niemand brauchte sich für den Gefühlsausbruch zu genieren. Es war ein emotionaler Moment am Samstagabend in Büttikon. Mit dem letzten Ton nach einem eindrücklichen Konzert hatte der 1908 gegründete Männerchor sein Leben ausgehaucht.

Zwar legte Präsident Marcel Glaus Wert darauf, dass der Chor nicht aufgelöst, sondern nur «vorderhand stillgelegt» werde. An ein Auferstehen glaubt angesichts der Situation im Männergesang aber kaum jemand. Noch ungewiss ist die Zukunft des ebenfalls stark überalterten Männerchors Wohlen. Er kann 2016 sein 175-Jahr-Jubiläum feiern und wird versuchen, bis dahin durchzuhalten.

Schlussstrich zur richtigen Zeit

In Büttikon hat man den Schlussstrich gezogen: «Wir hören auf, wenn man uns noch hören kann», hatte Präsident Glaus im Vorfeld des Abschlusskonzerts erklärt. Und Richard Saxer, seit 38 Jahren Mitglied und seit 36 Jahren Dirigent, hielt nach dem letzten Auftritt fest: «So habe ich es erhofft. Kein Abschied, nach dem das Publikum froh ist, dass es uns nicht mehr hören muss, sondern ein Konzert, nach dem alle sagen: ‹Schade, dass Ihr jetzt aufhört.›»

Und so war es. Verstärkt durch Sänger der ehemaligen «Herberts», präsentierte die Chorgemeinschaft vor voll besetztem Saal einen abwechslungsreichen Melodienreigen mit gut arrangierten Kompositionen. Ohrwürmer wie der Gefangenenchor aus «Nabucco», «Frühling in Sorrent», «La Montanara», «He’s the Lilly» oder «Go tell it on the Mountain» kamen beim Publikum an und versetzten es in kürzester Zeit in Begeisterung.

Gesanglich präsentierte sich der Chor in bester Verfassung. Mit weitgehend perfekter Tonalität, herrlicher Dynamik und sehr viel Musikalität eroberte er die Herzen der Zuhörerinnen und Zuhörer im Sturm. Vom hohen Durchschnittsalter der Akteure war kaum etwas zu spüren. Lediglich in den Forte-Passagen wurde deutlich, dass die Mehrzahl der Stimmen über die Jahrzehnte an Kraft verloren haben.

Ein gelungenes Experiment

Viel zur musikalischen Perfektion beigetragen haben Pianist Bernhard Hörler und (im zweiten Teil) Akkordeonist Beat Michel. Gelungen ist auch der Einbezug der «Crazy Hoppers». Immer wieder erstaunlich, was der engagierte Dirigent Hansruedi Probst aus seinen talentierten Jungmusikantinnen und -musikanten herauszuholen vermag.

Die «Crazy Hoppers» liessen es vorerst gekonnt und zünftig swingen. Danach erwiesen sie sich als anpassungsfähige Begleitformation. Das Experiment mit dem gemeinsamen Auftritt von altem Chor und junger Band hat voll überzeugt. Es war das letzte in der 105 Jahre alten Geschichte des Männerchors Büttikon.