Vor 500 Jahren versuchte der italienische Franziskanermönch Sanson, die Gläubigen in Bremgarten zu spalten. Sanson wollte in der Stadtkirche predigen und seine Ablassbriefe verkaufen, womit sich die Stadtbewohner mit einem Geldbetrag ihrer Sünden hätten entledigen können.

Stadtpfarrer und Dekan Heinrich Bullinger verweigerte Sanson den Auftritt in seiner Kirche und wies ihm die Tür. Prompt zitierte Sanson den Dekan in die Wirtsstube im renommierten Gasthof Hirschen – aus der Sicht von Sanson vergeblich. Denn Sanson musste, obwohl er sich als päpstlicher Gesandter aufspielte, die Stadt unverrichteter Dinge verlassen.

Szenen werden nachgespielt

500 Jahre später, am Donnerstag, 16. Mai, spielen Mitglieder der Stadtführergruppe Bremgarten die Geschichte um Sanson in der Oberstadt nach. Die Stadtführergruppe präsentiert unterhaltsame Szenen aus der Geschichte Bremgartens. Beim Spittelturm wird Sanson selber auf den aufrechten Dekan Bullinger treffen. 

Damit man versteht, worum es bei Sansons Auftritt in Bremgarten ging, muss man wissen, was der Ablasshandel zu Sansons Zeiten bedeutete. In der damaligen – katholischen – Kirche herrschte die Vorstellung, dass sich der Mensch nach dem Tod vor Gericht rechtfertigen müsse. Nach dem Motto: Die guten Menschen kommen in den Himmel, die schlechten in die Hölle. Mit einem Ablass sollten die normalen Sünder, die nicht direkt in den Himmel kamen, weil sie keine Heiligen waren, ihre Leidenszeit im Fegefeuer verkürzen können.

Konfrontation mit dem Dekan

Der Ablassprediger Sanson bereiste im Februar 1519 das Gebiet des heutigen Kantons Aargau. In Lenzburg verweigerte ihm Dekan Johann Frey den Eintritt in die Kirche. Er berief sich auf die ablehnende Haltung des Bischofs von Konstanz. Sanson zog darauf weiter nach Baden, begleitet vom Bremgarter Prediger Niklaus Christen. In Baden konnte Sanson ungehindert wirken.

In Bremgarten jedoch, eingeladen von Schultheiss Hans Honegger und Kaplan Niklaus Christen, biss Sanson auf Granit, obschon er eine Schar von Altgläubigen hinter sich wusste. Stadtpfarrer und Dekan Heinrich Bullinger wies Sanson mutig darauf hin, dass auf den päpstlichen Vollmachten, die der Ablassprediger vorwies, die Unterschrift des Bischofs von Konstanz fehle. Er sei demnach nicht legimitiert, die Ablässe zu verkaufen.

Keine kirchenpolitische Spaltung

Sanson wollte noch nicht klein beigeben. Er meinte zu Bullinger, er brauche keine bischöfliche Erlaubnis. Trotzig belegte Sanson den Dekan mit dem Kirchenbann. Mit 300 Gulden, schätzungsweise vier Jahresgehältern von Bullinger, könne er sich freikaufen. So wollte sich Sanson ins Geschäft bringen. Zudem drohte er damit, den Streit vor die eidgenössische Tagsatzung zu ziehen. Bullinger sicherte sich seinerseits die Unterstützung bei Tagsatzungsgesandten, die in Zürich weilten. Der Trumpf stach: Sanson verliess Bremgarten zornentbrannt und zog weiter nach Zürich. Damit konnte eine kirchenpolitische Spaltung in Bremgarten verhütet werden.

Szenische Führung 16. Mai, 19.30 Uhr, Marktgasse. Der Anlass ist kostenlos, keine Anmeldung erforderlich. Im Anschluss offeriert Bremgarten Tourismus einen Apéro.