Fischbach-Göslikon

Der Abend der Sparsamen: Das Team Schule verliert an der Gemeindeversammlung

In Fischbach-Göslikon ist man sich uneinig, ob der jetzige Schulraum ausreicht. Bild: Fabio Vonarburg

In Fischbach-Göslikon ist man sich uneinig, ob der jetzige Schulraum ausreicht. Bild: Fabio Vonarburg

Fischbach-Göslikon genügt sich mit dem jetzigen vorhandenen Schulraum und übernimmt Transportkosten für Kinder nicht.

Gegner von Steuersenkungen findet man nur selten. In Fischbach-Göslikon sassen gleich 29 dieser Spezies in der Gemeindeversammlung. Ihr Nein zum Budget 2020 und somit zur Senkung des Steuerfusses um 7 Prozent auf 99 Prozent war als Protest zu verstehen. Protest gegen die momentan vorherrschende Bildungspolitik in Fischbach-Göslikon. Nun, der Protest blieb reine Symbolpolitik. 103 Personen hiessen das Budget und den Steuerfuss gut. Die Freunde der Schule hatten das Nachsehen, so wie meist an diesem Donnerstag. Es war der Abend der Sparsamen.

Die Niederlage des Teams Schule hatte sich im Vorfeld abgezeichnet. Eine Kommission war zum Schluss gekommen, dass die Schule nicht mehr Platz als bislang braucht. Dass es mit ein paar kreativen Kniffen gelingt, die vorhandenen Räume effektiver zu nutzen, sprich mehrere neue Gruppenräume zu schaffen. In ihrem Bericht schlägt die Kommission etwa vor, aus Computerkojen einen Gruppenraum zu bilden und auch die beiden Bibliotheken liessen sich zusammenführen. Die Schulpflege hielt dem entgegen, dass man schon jetzt die Korridore als Gruppenräume nutzen muss und dass Schüler, die mehr Ruhe brauchen, auf der Strecke bleiben. «Die Zitrone ist ausgepresst», sagte die Präsidentin der örtlichen Schulpflege, Nicole Seiler, in einem Interview zur AZ.

Gemeinderat ist auf Seite der Sparer

Der Gemeinderat Fischbach-Göslikons schrieb in einer Mitteilung, die Vorstellungen zur mittelfristigen Schulraumplanung würden zwischen der Schulpflege und der Kommission weit auseinanderliegen. Der Gemeinderat hielt auch fest, auf welche Seite er sich schlägt: auf jene der Kommission und damit auf die Seite der Sparer.

Wie in der Broschüre zur Gemeindeversammlung geschrieben ist, hat dieser Entscheid erst die Senkung des Steuerfusses ermöglicht: «Die geplanten Kosten für den Schulraum, welche noch im letzten Finanzplan eine Steuersenkung verunmöglichten, werden nun nicht anfallen, da für die kommenden Jahre mit dem bestehenden Schulraum gearbeitet werden kann.»

Während der Gemeindeversammlung unternahm Schulpflegepräsidentin Nicole Seiler den Versuch, ihrem Wunsch nach mehr Schulraum doch wieder Leben einzuhauchen. Sie stellte den Überweisungsantrag, ein Gesamtraumprojekt für die Turnhalle, den Schulraum und Raum für die Bevölkerung unter Beibezug einer Fachperson auszuarbeiten. Die Sparer waren dagegen und somit die Mehrheit. Mit 51 Ja gegen 64 Nein Stimmen wurde der Antrag abgelehnt, die Diskussion rund um die Schule ist somit vorerst vom Tisch.

Transportkosten werden nicht übernommen

Es war nicht die einzige Niederlage für das Team Schule. Die Sparer schmetterten auch die Initiative ab, die forderte, dass die Gemeinde zukünftig 80 Prozent der Transportkosten für die jungen Fischbach-Gösliker übernimmt, die die Bezirksschule in Bremgarten besuchen. 69 Einwohnern waren die jährlichen Kosten von 7236 Franken zu hoch. «Meine drei Kinder fuhren auch alle mit dem Fahrrad nach Bremgarten», äusserte etwa eine Frau, «ich weiss nicht, warum dies jetzt nicht mehr gehen sollte.»

Letztlich waren die Gegner knapp in der Überzahl. 66 Einwohner und damit drei Personen weniger, hatten sich für die Annahme der Initiative ausgesprochen. Auch der darauffolgende Überweisungsantrag, dass die Gemeinde bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung einen Fachbericht für den Schulweg nach Bremgarten in Auftrag geben soll, scheiterte.

Doch einmal war das Team Schule dann zumindest siegreich. Der Kredit für die Anschaffung von IT-Infrastruktur für die Schule, vor allem Tablets, wurde gutgeheissen. Wenn auch nicht diskussionslos. Die 85'000 Franken verteilt auf eine Zeitspanne von sechs Jahren waren einzelnen Einwohnern zu hoch. So forderte ein Votant in einem Änderungsantrag, dass die zehn Tablets für den Kindergarten und die Unterstufe ersatzlos gestrichen werden sollen. Eine grosse Mehrheit lehnten diesen Änderungsantrag jedoch ab und hiess die Investition in Tablets gut.

Fischbach-Göslikon spart nicht bei der Pfarrkirche

«Das ist eine Scheiss-Gemeinde. Will immer nur sparen. Schreiben Sie das», hielt eine wütende Besucherin der Gemeindeversammlung beim Verlassen der Turnhalle fest. Ihr Ausruf ist aber nicht ganz korrekt: Als der Präsident der Kirchpflege von Fischbach-Göslikon den Antrag stellte, den Beitrag der Gemeinde für die Sanierung der Pfarrkirche von 15'000 Franken auf 50'000 Franken zu erhöhen, gab es keine Diskussion. 72 Einwohner waren dafür und 39 dagegen.

Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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