Sins

Der 80-Jährige, den sein Brockenhaus jung hält

Der 80-jährige Kurt Huber führt in Sins ein Brockenhaus und hat in Aettenschwil, Alikon und Auw weitere Lagerräume mit Waren aller Art gefüllt.

Der 80-jährige Kurt Huber führt in Sins ein Brockenhaus und hat in Aettenschwil, Alikon und Auw weitere Lagerräume mit Waren aller Art gefüllt.

Auch mit seinen 80 Jahren behält der ehemalige Garagist stets die Übersicht, was er alles zu verkaufen hat. Ein Geschäft ist sein Brockenhaus trotzdem nicht – dafür ist der Umsatz zu gering.

Erstaunlich, was sich hinter den unscheinbaren Mauern an der Bremgartenstrasse 9 in Sins verbirgt. Und noch erstaunlicher, dass der Inhaber dieses Brockenhauses 80 Jahre zählt. Würde er sagen, er wäre 70, man würde es Kurt Huber ohne weiteres glauben. Kürzlich hat er seinen hohen Geburtstag gefeiert. Sein Brockenhaus, im vierten Jahr in Sins angesiedelt, hält ihn jung, wie er selber sagt.

Ein schönes Kruzifix für 8 Franken? Oder einen originalverpackten Brotschneider für 10 Franken? Vielleicht eine nigelnagelneue Turmix-Kaffeemaschine für 45 Franken? Bei Kurt Huber findet man fast alles, was es zum Leben braucht, alle möglichen Möbelstücke inklusive. Er lagert die Waren nicht nur in seinem Brockenhaus in Sins, sondern auch in Aettenschwil, Alikon und Auw. Der ehemalige Automechaniker und frühere Garagist kann selten Nein sagen, wenn ihm Leute Waren vorbeibringen oder er zu Hausräumungen gerufen wird. Wegwerfen fällt ihm schwer. «Die Leute bringen in der Regel gute Waren, manchmal sogar neue», sagt Huber – ein Zeichen der Wohlstandsgesellschaft.

Ein Geschäft ist sein Brockenhaus trotzdem nicht, dafür ist der Umsatz zu gering. Und die ohnehin niedrigen Preise werden meistens noch runtergemarktet. «Das alles ist ein Hobby», sagt Huber und zeigt auf seine vielfältigen Schätze. Ein Hobby, das dem rüstigen Rentner allerdings viel Freude macht. «Man muss doch etwas tun, man kann nicht einfach herumsitzen und warten, bis der Tag vorbei ist.»

Immer die Übersicht

Angefangen hat Huber mit seinem Brockenhaus nach der Pensionierung in Auw. Als sein Lager einem Neubau weichen musste, zügelte er einen Teil der Waren ins heutige Domizil in Sins und in weitere Lagermöglichkeiten. In seinem Brockenhaus versucht er den schwierigen Spagat, einerseits der Kundschaft zu zeigen, was er alles hat, andererseits den vorhandenen, immer zu knappen Platz optimal zu nutzen. Sogar in der Werkstatt seines Brockenhauses, wo er Reparaturen ausführt, stapeln sich alle möglichen Gegenstände. Er behält trotzdem die Übersicht. «Von 70 bis 80 Prozent weiss ich, was ich habe.» In einem Ordner hat er zudem vermerkt, wo er was lagert. Auch der Besucher hat nie das Gefühl von Unordnung. Huber hat in all den Jahren zudem ein Fachwissen und ein Gespür dafür entwickelt, was sich verkaufen lässt. «50er-Jahre-Möbel beispielsweise, obwohl solide gemacht, kann man gleich entsorgen. Die kauft niemand.» Umgekehrt weiss er, was gesucht ist, und zahlt entsprechende Ankaufspreise.

Preise vergleichen

Neben einer gewissen Stammkundschaft kommen manchmal auch junge Leute zu ihm, die Freude an älteren Sachen haben oder sich für ihren Haushalt sehr günstig eindecken wollen – etwa mit Geschirr oder Küchenutensilien. Hin und wieder schauen Händler vorbei. «Mit ihnen ist der Handel schwierig, sie drücken die Preise stark. Aber verschenken kann ich die Waren auch nicht.» Selber schaut Huber auch in Brockenhäusern rein, allerdings weniger als Käufer. «Ich vergleiche die Preise, um mich für die eigene Preisgestaltung zu orientieren.»

Kurt Huber hat sein Brockenhaus jeweils Freitag und Samstag von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr offen. Oder auf Anfrage. Wenn er nicht gerade anderweitig beschäftigt ist, schliesst er die Türen für angemeldete Kundschaft gerne auf. Er gibt auch über Tel. 079 426 60 47 Auskunft, ob er allenfalls gesuchte Artikel eingelagert hat. «Ich habe die Übersicht», sagt der 80-Jährige und lächelt verschmitzt.

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