Kallern

Deponie Höll soll realisiert werden – zum Unmut von Linken und Umweltverbänden

Die Zufahrt zu einer künftigen Deponie Höll würde ab der Kantonsstrasse Wohlen–Muri erfolgen. Archiv/Eddy Schambron

Die Zufahrt zu einer künftigen Deponie Höll würde ab der Kantonsstrasse Wohlen–Muri erfolgen. Archiv/Eddy Schambron

Das Projekt in Kallern soll im Richtplan festgesetzt werden, die linken Parteien und Umweltverbände sind nicht begeistert.

Auf einer Fläche von 20 Hektaren Gebiet Höll, auf dem Gemeindegebiet von Kallern, sollen über einen Zeitraum von 15 Jahren rund zwei Millionen Kubikmeter sauberes Aushubmaterial deponiert werden können. Mit der Festsetzung im kantonalen Richtplan will der Regierungsrat dieses Vorhaben jetzt definitiv aufgleisen.

Der Widerstand im noch bevorstehenden Umzonungs- und Baubewilligungsverfahren ist programmiert: Im Rahmen von Anhörung und Vernehmlassung, die vom 8. Januar bis 29. März 2018 durchgeführt worden sind, haben zwar der Regionalplanungsverband Oberes Freiamt sowie die Parteien BDP, CVP, EDU, FDP und SVP dem Vorhaben vorbehaltlos zugestimmt. Der Gemeinderat Waltenschwil, die Umweltverbände WWF Aargau und Birdlife Aargau, der Bauernverband Aargau sowie ein Privater haben mehr oder weniger grosse Vorbehalte angemeldet, GLP, Grüne und SP lehnen das Projekt sogar grundsätzlich ab. Unter anderem wegen eines fehlenden Bedarfsnachweises.

Regierung sieht Notwendigkeit

Der Regierungsrat sieht das anders und hält in seiner Botschaft an den Grossen Rat fest, es gebe im ganzen Kanton zu wenig Aushubdeponien. Im Freiamt sei die Situation so, dass der Bedarf an Auffüllvolumen laut Prognosen bis 2019 gedeckt sei, ab 2020 jedoch trotz der neu in Betrieb gehenden Deponie Babilon in Dietwil zu wenig Platz vorhanden sei, um sauberes Aushub- und Ausbruchmaterial ablagern zu können. Das jährlich Fehlvolumen beziffert der Regierungsrat dabei auf rund 350 000 m3. Konkret hält er fest: «Es zeigt sich, dass, wie bei der kantonalen Betrachtung, in der Region Freiamt weniger Auffüllvolumen zur Verfügung steht, als dort selber anfällt.»

Im Freiamt, schreibt der Regierungsrat weiter, seien aufgrund der geologischen Verhältnisse zudem nur wenige Abbaustellen vorhanden, die als Auffüllstandorte zur Verwertung von sauberen Aushub- und Ausbruchmaterial zur Verfügung stünden. Die nächst gelegenen, noch längerfristig offenen und betriebenen Gruben befänden sich in Bremgarten und Künten. Dort stünden noch grössere Restvolumen zur Verfügung. Kurzfristig gäbe es zwar in ein paar kleineren Gruben weitere Volumen, diese seien jedoch bereits in wenigen Jahren aufgefüllt. Als Alternative ausserhalb der Region Freiamt listet die Regierung in ihrer Botschaft das Birrfeld und den Raum Lenzburg-Staufen-Schafisheim auf.

Vorbehalte zum Landschaftsschutz

Die Umweltverbände und linken Parteien zweifeln einerseits den Bedarfsnachweis an und haben gewichtige Vorbehalte zum Landschaftsschutz. Der Bedarfsnachweis, halten sie im Vernehmlassungsverfahren fest, müsse auf einer aktuellen kantonalen Gesamtplanung basieren, und zudem sei die Deponie, wenn überhaupt, ausserhalb des LkB-Perimeters (Landschaft von kantonaler Bedeutung) und ohne Beanspruchung von Waldflächen zu planen.

Grüne, GLP und SP weisen ebenfalls auf die LkB hin und darauf, dass der Weg vom Gebiet Höll zur Deponie im Steinbruch Auenstein/Wildegg keine 20 Kilometer betrage. Das sei als Transportdistanz zumutbar. Der Gemeinderat Waltenschwil wiederum stellt in seiner Vernehmlassung fest, dass es sich beim Knoten an der Nord-Süd-Achse, über den die Erschliessung der geplanten Deponie erfolgen soll, um einen Unfallschwerpunkt handle, und fordert eine Kreisellösung. Und der Bauernverband stellt Anträge, welche das nachgelagerte Verfahren betreffen. Wenn die geplante Deponie wie angedacht realisiert würde, solle zugunsten von Fruchtfolgeflächen auf eine Wiederaufforstung und auf ökologische Ausgleichsflächen verzichtet werden.

Realisiert ist die Deponie Höll mit der Festsetzung im Richtplan noch lange nicht. Bis sie dereinst eröffnet werden kann, sind noch mehrere Schritte nötig. Vorab muss die Gemeinde Kallern die Schaffung einer Deponiezone bewilligen, danach folgt das übliche Baubewilligungs- und Genehmigungsverfahren.

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