Überwältigend war der Aufmarsch in die «Denkwerkstatt» des Gemeinderates Muri zum neuen Leitbild nicht: Rund 40 Personen nahmen teil. Zählt man diejenigen ab, die sozusagen «Kraft ihres Amtes oder ihrer Funktion» dabei sein mussten, blieb von einer «Begegnung mit der Bevölkerung», wie sie sich der Gemeinderat in der Rösslimatt-Turnhalle erhofft hatte, nicht wirklich viel übrig. Trotzdem: Es kamen zahlreiche Ideen, Wünsche, Vorstellungen, Impulse und Visionen zusammen, die nun in die Arbeit des Gemeinderates für ein neues Leitbild einfliessen werden, wie Gemeindepräsident Hampi Budmiger ausführte.

Mit dem Begegnungstag sollte nichts weniger als «der Boden für den politischen Wegweiser der Gemeinde» geschaffen werden, wie sich Moderator Jean-Claude Kleiner ausdrückte. Er begleitet den Gemeinderat auf dem Weg zu einem neuen Leitbild, das nicht ein Papiertiger werden, sondern auch die Grundlage für die Legislaturziele des Gemeinderates bilden soll. Zu insgesamt 14 Punkten - von der Sicherheit über Familienfreundlichkeit, Schulwesen, Sport und Kultur bis hin zu Behörden und Verwaltung oder Wohnen im Alter - konnten die Teilnehmenden ihre Wünsche und Vorstellungen auf Stellwänden deponieren.

Mehr Velowege

Die Wunschliste ist lang und vielseitig: Sie reicht vom Neubau eines Schulhauses Dorf über die Nutzung des Bahnhofareals für das Wohnen im Alter bis hin zu Velowegen oder flächendeckendem Tempo 30. Das Nachtangebot des öffentlichen Verkehrs könnte für junge Leute verbessert, Busfrequenzen auf den Lindenberg auch am Wochenende zur Verfügung gestellt oder ein digitaler Marktplatz «in Muri für Muri» realisiert werden.

Momentan würden kulturelle Angebot für Junge eher fehlen, und Sportanlagen sollten verstärkt durch die Region erstellt und betrieben werden. Es war auch viel Positives an den Stellwänden zu lesen: Zum Thema Sicherheit hat sich jemand «noch nie bedroht gefühlt in Muri.» Die Verbindung zu den grossen Städten in den Nachbarkantonen wird als sehr gut beurteilt. Das Sport- und Freizeitangebot erhält ebenso gute Noten wie das kulturelle Angebot, das «mit Murikultur gut aufgehoben» ist.

Grosse Herausforderungen

Ob demografische Entwicklung oder gesellschaftlicher Wandel, knappe Finanzen, verdichtetes Bauen oder neue Ansprüche: Kleiner zeigte auf, dass die Gemeinden vor grossen Herausforderungen stehen. Zum Beispiel Familie: In Muri sind in den letzten zehn Jahren die kinderlosen Haushalte markant angestiegen, die Zahl der klassischen Familienhaushalte hingegen stagniert seit Jahren. Alternative Familienformen nehmen zu, zum Teil auch bedingt durch die Zuwanderung von Ausländern.

Das bedeutet, dass sich die Gemeinde Gedanken machen muss über familienfreundliche Strukturen und die Integrationen von Zugezogenen. Oder der wirtschaftliche Wandel: Hier stehen die Förderung eines attraktiven Umfeldes für ansässige Betriebe und potenziell neue Unternehmen sowie die Förderung der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energie weit oben auf der Skala. Die sogenannte «Industrie 4.0» wird markante Auswirkungen auf die Gemeinden haben. Sich abzeichnende Veränderungen gehen bis tief in das Gemeinwesen. Durch den herrschenden Spardruck kommt es zu einer Verschiebung von Aufgaben vom Kanton zu den Gemeinden. Im Sozialbereich ist mit wachsenden Kosten zu rechnen. «Die Digitalisierung wird die Arbeit in der Verwaltung massiv verändern.»

Jetzt geht der Gemeinderat mit den erhaltenen Vorschlägen und Impulsen wieder an die weitere Arbeit für ein Nachfolgemodell des jetzigen, 15-jährigen Leitbilds. Dazu gehört eine zweitägige Klausur. Im November sollen schliesslich die Resultate präsentiert werden.