Sie sehen sich in der Tradition des alten Freiämter Strohhandwerks, verschliessen sich aber neuen Entwicklungen nicht. Im Atelier für Strohsterne in Muri gestalten Claudia Strebel, Edith Lang und Vreni König neuerdings den Murianer Posaunenengel aus Stroh in verschiedenen Grössen. Sie haben jetzt, in der Vorweihnachtszeit, alle Hände voll zu tun. «Strohsterne sind ein beliebter Weihnachtsschmuck, wir können auch Kirchgemeinden für das Schmücken der grossen Christbäume in den Kirchen beliefern», freuen sich die drei Frauen.

Es ist eine filigrane Arbeit, welche sie in ihrem Atelier an der Vorderwey-strasse 10 in Muri verrichten. Strohsterne in allen möglichen Grössen und Ausschmückungen, Broschen aus Stroh für die Freiämter Trachten, Strohsterne in Weihnachtskugeln und vieles mehr nehmen hier Formen an. Auch individuelle Wünsche werden gerne umgesetzt. Oder eben der Posaunenengel, der von Claudia Strebel kreiert wurde.

Der Engel aus Stroh, den es schon gab, ist nicht die Herausforderung, sondern die Posaune. «Jetzt benötige ich für das Flechten der Posaune noch etwa eine halbe Stunde», erklärt Strebel. Übung macht auch hier die Meisterin. Für 75 Franken in einer mittleren Grösse ist das schöne Stück aus Stroh und gehäkelter Verzierung auch nicht teuer.

Ursprünglich in der Pflegi

Das Strohatelier geht auf das Jahr 2005 zurück, als sich die Verantwortlichen der Pflegi, der Aktivierungsgruppe der Pflegi sowie Ursi Hagmann und Claudia Strebel von der Handarbeitsgruppe des Alterswohnheims St. Martin, Muri bei Anna Hoppler, der «Mutter» der Strohsterne, in Rottenschwil trafen.

Darauf keimte die Idee, in der Pflegi Muri ein Strohatelier auf die Beine zu stellen. Die Geltwiler Bäuerinnen und Landfrauen hatten etwa vor zehn Jahren schon Strohsterne und Strohgeflecht-Kurse durchgeführt. Kursleiterin war Brigitte Koch-Berger, Stansstad (früher Bremgarten).

Deshalb wurde von Claudia Strebel auch Vreni König angefragt, ob sie sich vorstellen könnte, in einem Strohatelier mitzuarbeiten. In Edith Lang fand man eine weitere Kollegin. Die Pflegi Muri stellte den Raum zur Verfügung. Zum Konzept gehörte, dass man interessierte Bewohner der Pflegi in die Strohverarbeitung mit einbezog. Am Anfang wurde dies auch gemacht. Als Aktivierungs- und Beschäftigungstherapie war dies aber ein schwieriges Unterfangen.

Die Fertigung von Stroharbeiten erfordert ein gutes, feinmotorisches handwerkliches Geschick. Es müsste für jede Bewohnerin und jeden Bewohner eine Begleitperson zur Verfügung stehen. Auch zeigte sich, dass die sehr einfachen Strohsterne bald keinen Absatz mehr fanden. Bei den verschiedenen Verkaufsaktivitäten, unter anderem am Pflegi-Basar, waren vor allem die künstlerisch höher stehenden Produkte gefragt. So konnte diese Art von Beschäftigungstherapie nicht weiter geführt werden.

Nur Freiämter Stroh

Für die Erhaltung dieses alten Handwerkes war dies aber dennoch ein wichtiger Schritt. Vreni König, Claudia Strebel und Edith Lang führen dieses Atelier an der Vorderweystrasse 10 weiter und arbeiten wöchentlich ein bis zwei Halbtage im Atelier.

Auch präsentieren sie ihre Arbeiten auf der Homepage www.strohsterne.ch. Aber auch zu Hause wird in jeder freien Minute Stroh verarbeitet. «Und zwar Freiämter Stroh», wie die drei Frauen festhalten. Zum Teil kaufen sie es von einer Bäuerin ein, zum Teil säen sie es im eigenen Garten an und schneiden es in der Milchreife. Auch das Trocknen und Bleichen an der Sonne führen sie nach alter Väter Sitte selber durch. Konkurrenz müssen sie keine befürchten.

«Es sind nicht viele, die heute noch kunstvolle Strohsterne herstellen», weiss Strebel. Im Gespräch und durch Ausprobieren entwickeln die Frauen immer wieder neue Ideen und Muster. «Wir führen ein altes, traditionelles Handwerk weiter», betonen sie, «aber wir versuchen gerne auch immer wieder etwas Neues.»