Auf dem Weg zum Bahnhof Muri kann man sich im wahrsten Sinne des Wortes einen Zusammenschiss einfangen. Vor allem, wenn man vom Nordklosterrain her über den Fussgängerstreifen und dann um das obere Ende des Parks herumgeht, der zur vormaligen Villa Wild gehört. In den Bäumen, die den Weg da überdachen, nisten Saatkrähen. Während der Brutzeit, ab Mitte Februar bis Ende Juli herrscht Hochbetrieb in den Kolonien, die diese Vögel bilden. Die Hinterlassenschaften, die dabei auf die Strasse und die Passanten und Fahrzeuge niedergehen, sorgen seit Jahren für Verärgerung. Der Entscheid des Gemeinderates, Bäume aus dem Parkbestand zu fällen, die über den Zaun hinausragen, ist naheliegend. Der gleiche Entscheid hat auf dem Gelände des Kantonsspitals Aarau zu offenen Protesten geführt, sodass der Nistbaum der Saatkrähen dort nicht gefällt wurde. In Muri scheint sich über das Vorhaben der Regierung niemand aufzuregen. «Spätestens, wenn der Busbahnhof oder die Überbauung des Areals Villa Wild kommt, sind die Bäume ohnehin weg», sagt Barbara Ehrensperger, Aktuarin des Naturschutzvereins Muri und Umgebung (Namu), «da machen wir uns keine Hoffnungen. Wir kämpfen nicht dagegen.»

Etappensieg für «Krähenbaum»-Schützer: Fällaktion wird auf unbestimmte Zeit verschoben

Etappensieg für «Krähenbaum»-Schützer: Fällaktion auf unbestimmte Zeit verschoben

Der Verwaltungsrat des Kantonsspitals Aarau hatte entschieden: Die 100-jährige Buche vor dem Haupteingang wird gefällt. Die Demonstranten liessen aber nicht locker und bildeten eine Menschenkette vor dem Baum. (Tele-M1-Reportage vom Februar 2018)

Vögel schützen, Bäume nicht

Das Problem mit dem Vogeldreck auf der Strasse sehen die Namu-Mitglieder auch. Sie fänden ein Auslichten der Baumkronen zwar besser als den totalen Baumschlag, überlassen den Entscheid aber der Gemeinde. «Wir erwarten von da nichts mehr. Welche Vorstellungen der Gemeinderat von Grünflächen und Begegnungszonen hat, haben wir bei der Umsetzung des Projekts ‹Gleis 61› gesehen. Das ist lachhaft.»

Auch Johannes Jenny, der Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, muss lachen, denn er denkt weiter: «Vogelmist ist eigentlich ein wertvoller, intensiver Stickstoffdünger. Man würde den besser einsammeln und wiederverwenden, statt die Bäume zu fällen.» Allerdings, räumt er weiter ein, handle es sich bei den Bäumen in der Villa Wild nicht um uralte, seltene und deshalb schützenswerte Bestände.

Den Krähen selber geschieht durch die Baumfällaktion im Herbst kein Leid. Der Artenschutz ist also gewährleistet. «Die Vögel werden auf andere Nistplätze ausweichen», sagt Jenny, «man kann nur hoffen, dass sie dort weniger stören, sonst gehe es wieder von vorne los.» Der FDP-Politiker, der im Wahlkampf vor zwei Jahren noch Krähensuppe gekocht hat, sieht hier keine kulinarische Lösung: «Saatkrähen geben nicht viel her. Nur das Brustfleisch ist gut, der Rest ist eher zäh.»

Krähensuppe für Badener Passanten: Jennys Aktion am vergangenen Samstag.

Krähensuppe für Badener Passanten: Jennys Aktion im Oktober 2016.