Waltenschwil
Den Fröschen war es zu kalt, um über die Strasse zu hüpfen

Rolf Liechti, Naturama Aarau, und Patrik Schöpfer, Jugendnaturschutz Freiamt, erklärten interessierten Kindern alles über den Frosch. Die Spezialisten wollten mit den Kindern Frösche über die Strasse tragen. Doch die Amphibien tauchten nicht auf.

Hanna Widmer
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Rolf Liechti vom Naturama Aarau zeigt den Kindern einen Frosch, der beim Überqueren der Strasse gefährdet ist.hanna widmer

Rolf Liechti vom Naturama Aarau zeigt den Kindern einen Frosch, der beim Überqueren der Strasse gefährdet ist.hanna widmer

Mit 80 Stundenkilometern fuhren die Autos auf der Bremgarterstrasse durch den Buechwald oberhalb von Waltenschwil – sozusagen mitten durch das Zuhause vieler Tiere. Besonders Igel, Marder und Frösche leben derzeit gefährlich. Gefährdet sind vor allem Letztere, wenn sie in der Frühlingskälte auf die andere Strassenseite gelangen wollen.

Die Eimer blieben leer

Am Samstagmorgen versammelte sich Rolf Liechti vom Naturama Aarau mit rund zehn Kindern, um gemeinsam mit Patrik Schöpfer vom Jugendnaturschutz Freiamt Frösche über die Strasse zu tragen. «Die Amphibien gehören zu den Kaltblütlern», erklärte Liechti, «das heisst, sie passen ihre Körpertemperatur im Gegensatz zu den Menschen an ihre Umwelt an.»

Herrschen draussen also Temperaturen von nur knapp über null Grad, so können sich die Tiere nur ganz langsam bewegen. Im Gehölz wäre das ja kein Problem. Doch wenn der Frosch über die Strasse kriechen will und nach jedem anstrengenden Hüpfer eine Pause machen muss, um sich wieder zu erholen, ist die Chance gross, vom Feind Auto überfahren zu werden.

Um dies zu verhindern, wurde entlang der Strasse ein Amphibienzaun errichtet. Etwa alle 30 Meter ist ein grosser weisser Eimer in der Erde eingegraben, in dem die Frösche transportiert werden sollen.

An diesem Samstagmorgen allerdings blieben die Eimer leer: Zwar sei das Wetter wunderschön, doch den Fröschen sei es trotz Sonne schlichtweg zu kalt, erklärte Liechti. «Am liebsten haben sie es, wenn es regnet.»

Letztes Wochenende habe er mit seinen Söhnen die Frösche über die Strassen getragen. An den anderen Wochentagen würden sieben Freiwillige jeden Morgen diese Arbeit erledigen.

Mölche schlüpfen unter Zaun durch

Nicht nur Kälte, auch Trockenheit mögen die Frösche nicht besonders. Damit die Kinder aber trotzdem noch einen Frosch zu sehen bekamen, brachte Liechti aus der Naturama-Sammlung einige handbemalte Modellfrösche und -kröten mit.

Auch zwei Bergmölche hatte Liechti dabei. Denen geht es nicht immer so gut wie den Fröschen: Da sie viel kleiner und wendiger sind, gelingt es dem einen oder anderen Molch, unter dem Zaun durchzuschlüpfen und den Weg über die viel befahrene Strasse fortzusetzen – nicht selten hört der Weg aber genau dort für die Tiere auf.

Im Sommer brauchen die Frösche keine Unterstützung von den Menschen: Dann nämlich überqueren sie die Strasse mit zwei Hüpfern.

Sanierung mit Tunnel

Bald soll die Bremgarterstrasse saniert und mit dem Umbau auch eine Art Unterführung für die Tiere eingebaut werden. Grund: Wird im Kanton eine Strasse repariert, die durch den Lebensraum verschiedener Tierarten führt und diese somit gefährdet, muss in irgendeiner Art und Weise ein Tunnel untendurch eingebaut werden.

Ob es nächstes Jahr klappt, wird sich herausstellen: Schon vor knapp sieben Jahren fanden erste Gespräche über eine Unterführung statt, passiert ist bis anhin nicht allzu viel. Liechti zeigt sich optimistisch – und bis es so weit ist, tragen er und seine Mithelfer die Frösche eigenhändig über die Strasse.

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