Wohlen
Dem Gemeindeammann droht eine Lohnkürzung von mehreren Tausend Franken

217'175 Franken verdient Wohlens Gemeindeammann Walter Dubler jährlich – ab 2014 könnten es ein paar Tausend Franken weniger sein. So jedenfalls möchte es die Geschäftsprüfungskommission.

Fabian Hägler
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Not amused: Walter Dubler findet die mögliche Lohnkürzung unfair.

Not amused: Walter Dubler findet die mögliche Lohnkürzung unfair.

dno

Seit zwölf Jahren ist der Lohn des Wohler Gemeindeammanns nach Amtszeit abgestuft. Grundlage ist das höchste Gehaltsband der Gemeindeangestellten – in der ersten Amtsperiode liegt der Lohn des Ammanns 5,5 Prozent darüber, in der zweiten 13,1 Prozent, ab der dritten beträgt der Zuschlag 20,8 Prozent. Der aktuelle Gemeindeammann Walter Dubler, seit 1998 im Amt, verdient derzeit 217'715 Franken pro Jahr.

Geht es nach der Geschäftsprüfungskommission (GPK) und einer überparteilichen Arbeitsgruppe, die sich mit den Entschädigungen für Gemeinderäte, Gemeindeammann und Behördenmitglieder befasst hat, wäre Dublers Lohn ab 2014 tiefer.

Lohn unabhängig von Amtszeit?

Künftig soll das Gehalt des Wohler Gemeindeammanns – unabhängig von der Amtszeit – 15 Prozent über dem höchsten Gehaltsband liegen. An ihrer letzten Sitzung hat die GPK mit 3 zu 2 Stimmen beschlossen, einen entsprechenden Vorschlag der Arbeitsgruppe zu unterstützen. Dies würde heissen, dass Dubler bei einer Wiederwahl noch 206'748 Franken pro Jahr verdienen würde, also 10'427 Franken weniger als bisher.

«Unabhängig von der Person»

Thomas Geissmann (FDP) wird am 25. Februar im Einwohnerrat für die GPK den Antrag stellen, die Lohnabstufung nach Amtszeit abzuschaffen. «Es geht nicht darum, Walter Dubler den Lohn zu kürzen», hält Geissmann fest. Der Entscheid der GPK sei völlig unabhängig von der Person des Gemeindeammanns gefallen. «Die Mehrheit der GPK ist der Ansicht, dass der Lohn aufgrund der Anforderungen und der Leistung in einem Amt festgelegt werden sollte.» Alter und Amtszeit eines Kandidaten dürften dabei keine Rolle spielen.

Geissmann ist sich bewusst, dass Dubler – wenn er im Herbst erneut als Gemeindeammann antritt und die Wiederwahl schafft – ab 2014 markant weniger verdienen würde. «Der Gemeindeammann ist in Wohlen auf vier Jahre gewählt und kann sich frei entscheiden, ob er danach wieder antreten möchte. Wenn der Einwohnerrat beschliesst, dass sich die Lohnsituation ab 2014 ändert, ist dies für alle Kandidaten im Voraus klar», hält der FDP-Einwohnerrat fest.

Gemeinderat plant Gegenantrag

Anders sieht dies der Gemeinderat: An seiner Sitzung vom vergangenen Montag hat er beschlossen, sich für die Besitzstandwahrung von Walter Dubler einzusetzen. Dies geht aus einem Protokollauszug des Gemeinderats hervor, welcher der Aargauer Zeitung vorliegt. Sollte der Einwohnerrat die Lohnabstufung nach Amtsdauer abschaffen, will der Gemeinderat einen Zusatzantrag stellen.

Gemeindeammann Walter Dubler erklärt: «Das heisst, dass im Falle einer Kandidatur und einer Wiederwahl von mir, die Besoldung bleiben würde, wie sie ist.» Konkret würde Dubler so auch ab 2014 weiterhin 217'715 Franken pro Jahr verdienen. Ein allfälliger neu gewählter Gemeindeammann würde hingegen 206 748 Franken erhalten.

«Vorgehen wäre nicht gerecht»

Zu einer möglichen Lohnreduktion sagt Dubler: «Dieses Vorgehen wäre nicht gerecht.» Er erinnert daran, dass der Einwohnerrat im Jahr 2001 gegen den Willen des damaligen Gemeinderates eine Abstufung der Besoldung des Gemeindeammanns nach Amtsperioden beschlossen habe. «Dies wurde in den höchsten Tönen gelobt, und jetzt soll alles wieder um 180 Grad geändert werden?», fragt er. Zu bedenken gelte es auch, dass der Gemeindeammann mit der von der Arbeitsgruppen vorgeschlagenen Regelung in den ersten acht Jahren mehr kosten würde als jetzt. Dubler hält fest: «Der Gemeinderat sieht keinen Grund, um nach zwölf Jahren wieder zum ursprünglichen System zurückzukehren.»

Der Gemeindeammann zieht einen Vergleich: «Als die Industriellen Betriebe Wohlen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurden, war die Besitzstandwahrung für alle Mitarbeitenden gewährleistet.»

Eine Selbstverständlichkeit sei dies auch gewesen, als das neue Personalreglement der Gemeinde Wohlen im 2004 vom Einwohnerrat erlassen wurde. Dubler fragt: «Warum soll jetzt der Gemeindeammann nicht gleich fair behandelt werden?»

Verschlechterung nur für Dubler

Dubler findet es erstaunlich, dass ihn die meisten Veränderungen, die von der Arbeitsgruppe vorgeschlagen werden, materiell gar nicht mehr betreffen würden. «Die Besoldung soll in den ersten acht Jahren höher sein und die einmalige Abgangsentschädigung bei Nichtwiederwahl erfolgt bereits nach fünf Jahren zu 100 Prozent», gibt er zwei Beispiele. Diese würden Dubler, der mittlerweile 15 Jahre im Amt ist, nicht betreffen. Die mögliche Lohnreduktion würde hingegen nur Dubler treffen. «Von der Verschlechterung wäre also einzig ich betroffen», kritisiert er deshalb.

Abschreckung für Kandidaten?

Dubler ist sich bewusst, «dass es vereinzelt Einwohnerräte gibt, die mit mir abrechnen wollen, wenn sich die Gelegenheit bietet». Es gelte aber zu bedenken, «dass ich nicht ewig im Amt bleibe». Er fragt: «Welche qualifizierte Person stellt sich künftig für dieses Amt noch zur Verfügung, wenn sie sieht, wie mit dem Wohler Gemeindeammann umgesprungen wird?» Für ihn ist deshalb klar: «In der Diskussion müssten die optimalen Anstellungsbedingungen des Gemeindeammanns im Vordergrund stehen und nicht meine Person.»

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