Fasnachtsoberhaupt

Dem Ehrenschränzer zuliebe wird Niederwil zu «Albisserwil»

Der frischgebackene Ehrenschränzer Peter Albisser an der Inthronisation.

Der frischgebackene Ehrenschränzer Peter Albisser an der Inthronisation.

Der Niederwiler Ehrenschränzer Peter Albisser ist kein vernarrter Fasnächtler. Die Pflichten seines Amtes sind aber nichts Neues für ihn.

«Man kennt mich», lautet Peter Albissers Antwort auf die Frage, wieso gerade er zum Ehrenschränzer gekürt wurde. Der 57-jährige Inhaber der Spenglerei Albisser in Nesselnbach wohnt seit rund 25 Jahren im Dorf und ist fest ins Geschehen der Gemeinde integriert. «Ich war Präsident des Gewerbevereins, habe mich für die Feuerwehr engagiert und spiele seit einigen Jahren Theater.»

Die Anfrage von der ehemaligen Ehrenschränzerin Marlis Töngi anfangs November kam für ihn deshalb kaum überraschend. «Jährlich wetten die Fasnächtler darauf, wer der nächste Ehrenschränzer wird. Seit einigen Jahren fiel der Verdacht unter anderem immer wieder auf mich.» Diese Tatsache machte es Albisser umso schwerer, die grosse Neuigkeit bis zur Inthronisation für sich zu behalten. «Für mich war der Druck dadurch noch grösser und die Lage prekärer.»

Niederwil ist nun «Albisserwil»

Die Entscheidung, das neue Amt anzutreten, fiel ihm jedoch umso leichter: «Ich kenne den Ablauf bereits, da ich schon einige Male ehemalige Ehrenschränzer begleitet habe.» Ausserdem hätte ihn auch seine Familie massgeblich dazu motiviert, einzuwilligen.

Als seine Amtsübernahme schliesslich bekannt gegeben wurde, fühlte sich Albisser erlöst und stolz zugleich. «Am Dorfeingang wurde sogar ein Plakat mit der Beschriftung ‹Albisserwil› aufgehängt. Das ist schon eine grosse Ehre für mich.» Die Reaktionen zu Albissers Amtsantritt seien sehr positiv ausgefallen: «Die Leute haben sich wirklich gefreut, was wiederum mich sehr freute.»

20 Puppen in Niederwil verteilt

Aber was gehört eigentlich zum Aufgabenbereich eines Ehrenschränzers? «Im Grunde genommen repräsentiere ich die Fasnacht.» Um dem gerecht zu werden, muss sich Peter Albisser oft zeigen. Dafür sind besonders sechs Anlässe von Bedeutung: die Inthronisation, der «Näbelriiterball», das Monsterkonzert, die Dorfplatzfasnacht, das «Gade-Gaudi» und die «Uslumpete».

Zudem stellten der Ehrenschränzer und seine Gefolgschaft traditionsgemäss dem Gemeinderat eine spezielle Aufgabe. Wegen der eigenen Mitgliedschaft hat Albisser heuer zusätzlich den Gewerbeverein in diesen Brauch miteinbezogen. Als Auftrag sollten dieses Jahr in Niederwil insgesamt 20 Puppen aufgestellt werden.

Im Vorfeld fand anlässlich der Tradition eine Gemeinderatsitzung in Albissers Spenglerei statt. Dabei fertigten die Anwesenden eine Collage an, die an der Seniorenfasnacht versteigert werden soll. Der dafür erhaltene Gewinn werde laut Albisser dem Seniorenteam gespendet. «Die älteren Leute freuen sich stets sehr über die Fasnacht im Dorf.» Demnach gebühre den dafür verantwortlichen Organisatoren, die dabei sogar ehrenamtliche Arbeit leisten würden, auch mal ein Dankeschön.

Ein Gelegenheitsfasnächtler

Im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger hat Peter Albisser keinen Spitznamen. Dafür aber ein umso lustigeres Markenzeichen: «Weil ich früher dazu neigte, zu später Stunde in der Beiz einzunicken, hat mir Vizeammann Peter Gauch ein Kissen genäht», erzählt er schmunzelnd. An der diesjährigen Fasnacht soll ihm das zwar nicht passieren, doch dafür fehlt es Albisser etwas an Übung: «Ich würde mich als Gelegenheitsfasnächtler bezeichnen. So intensiv wie dieses Jahr habe ich noch nie Fasnacht gefeiert.» Aber was wäre ein Ehrenschränzer ohne seine treuen Kameraden: «Ich werde während meiner Amtsperiode von fünf weiteren Fasnächtlern unterstützt, die mir hilfreiche Tipps geben.»

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