Villmergen

Dem Biker-Paradies «Enduro Fun Park» droht das Ende – er verstösst gegen ein Gesetz

Weil er nicht zonenkonform ist, droht dem Enduro Fun Park am südlichen Ortsrand von Villmergen vermutlich das Aus.

Dem Funpark für Elektro-Töffs droht die Schliessung. Nicht etwa wegen Lärm oder CO2-Emissionen, sondern weil er in der Landwirtschaftszone liegt.

«Ich habe mir hier einen Traum erfüllt», sagt Marc Ryser. Doch er sagt das nicht mit strahlender Mine. Marc Ryser ist niedergeschlagen. Denn er ahnt, dass es mit der Zukunft seines Traums wohl nicht so einfach wird. Doch davon später.

Am südlichen Ortsrand von Villmergen hat sich Marc Ryser in den vergangenen 11 Jahren nach und nach seinen Enduro Fun Park aufgebaut. Es ist ein richtiges Paradies für Biker und solche, die es werden wollen.

Man kann hier unter kundiger Anleitung und Betreuung alleine oder in Gruppen trainieren. Es gibt Events für Familien oder Firmen, und auch junge Menschen aus einer Institution für schwer erziehbare sind aus therapeutischen Gründen schon über Rysers Enduro-Piste geflitzt.

Nicht mit dröhnenden Maschinen, sondern auf praktisch lautlosen Elektro-Bikes. Deren Akkus lädt Ryser weitgehend mit Sonnenenergie, die er vor Ort selber produziert. «Ich habe noch nie Werbung gemacht für meine Anlage.

Es hat sich mit den Jahren einfach herumgesprochen, dass bei uns neben dem Fahren auch die Gemütlichkeit und die Pflege der Kameradschaft einen hohen Stellenwert haben. Wohl deshalb läuft es recht gut.»

Ein Video von der Facebook-Seite zeigt den Betrieb im Enduro Fun Park

Fun Park liegt in Landwirtschaftszone

Mit seinen direkten Nachbarn hatte Marc Ryser noch nie Schwierigkeiten. «Mir sind zumindest keine Klagen bekannt», sagt er. Und auch die Gemeinde liess ihn bisher gewähren. Obwohl – und das weiss der Betreiber der Anlage – sie am Ort, wo er sie betreibt, heikel ist.

Das Haus und das rund 8000 Quadratmeter grosse Gelände des Fun Parks befinden sich in der Landwirtschaftszone. Und da liegt das grosse Problem.

Vor ein paar Tagen hat Marc Ryser Besuch bekommen von zwei Mitarbeitern der Abteilung für Baubewilligungen des Departements Bau, Verkehr und Umwelt. 

Wie die Abteilung auf Anfrage der AZ verlauten lässt, ist sie zu diesem Augenschein nicht von der Gemeinde Villmergen aufgeboten worden: «Wir werden auch aktiv, wenn uns Dritte auf möglicherweise nicht bewilligte Bauten und Anlagen aufmerksam machen, oder wird werden tätig, wenn wir im Rahmen von anderen Abklärungen selber auf solche stossen», erklärt Hans Jürg Bättig, Leiter der Sektion 2.

Zum Fun Park äussert sich Bättig nicht konkret, weil er das in einem laufenden Verfahren nicht darf. Doch er hält fest, was seine Leute bei solchen Augenscheinen machen: «Es geht um die Feststellung des Sachverhalts und darum, dass wir uns vor Ort ein Bild machen.»

Dabei würden im Kontakt mit den Betroffenen jeweils auch die verschiedenen Aspekte geprüft und besprochen. Aufgrund des Augenscheins und allfälliger weiterer Informationen und Stellungnahmen werde dann ein Entscheid gefällt.

Umzonung wäre allenfalls eine Chance für den Fun Park

Marc Ryser ahnt, was jetzt auf ihn zukommt. «Kein Lärm, keine Abgase, keine Nachbarn, mit Solarzellen geladen. Und Tausende zufriedene Kunden in den letzten vier Jahren. Grüne und alle anderen Parteien geben uns mit Ihren Wahlplakaten zu verstehen, das dass der richtige Weg sei. CO2-neutral, Elektro-Fahrzeuge seien die Zukunft», schreibt er auf seiner Facebook-Seite.

Und weiter fügt er an: «Es macht mich einfach extrem traurig, dass das nun von der Baudirektion Aargau aus verboten wird. Obwohl wir ja im Aargau mit dem obersten Chef (Stefan Attiger als Ex KTM-Importeur) eigentlich einen Top-Mann an der Spitze haben, der als Politiker versteht, was ich meine.»

Ist das Ding wirklich gelaufen? «Meine Rettung wäre allenfalls eine Umzonung, in eine Gewerbe- oder Sportzone», sagt Marc Ryser. Seinen Fun Park zu zügeln und in einer offiziellen Gewerbezone neu aufzubauen, wäre die andere Möglichkeit.

Doch das sei erstens aufwendig und zweitens teuer. Das könnte er sich wohl kaum leisten: «Ich müsste meine bisher sehr familienfreundlichen Preise wohl deutlich erhöhen, wenn ich teures Gewerbeland kaufen oder mieten müsste», sagt er dazu.

Das Raumplanungsgesetz lässt heute sehr wenig Spielraum

«Der Fun Park liegt in der falschen Zone», bestätigt auch der Villmerger Gemeindeammann Ueli Lütolf. Und deshalb könne die Gemeinde ihn nicht bewilligen, auch wenn sie wollte. Für eine Bewilligung ausserhalb des Baugebietes sei der Kanton zuständig. Und eine Umzonung, welche von der Gemeinde Villmergen angestrengt wird?

«Schwierig», sagt Lütolf, «wir stehen nach mehreren Jahren Planung kurz vor dem Abschluss einer Zonenplanrevision. Eine Umzonung der Liegenschaft von Marc Ryser war nie ein Thema.» Und wenn ein entsprechender Antrag von Marc Ryser gestellt würde? «Dann müssten und würden wir ein solches Begehren selbstverständlich seriös prüfen», sagt der Gemeindeammann.

Einfach würde ein solches Verfahren aber nicht, weil Haus und Umgelände in der Landwirtschaftszone lägen: «Das neue Raumplanungsgesetz lässt heute bei solchen Planungen sehr wenig Spielraum und auch bei einer Umzonung hätte letztlich der Kanton ein gewichtiges Wörtchen mitzureden», hält Lütolf abschliessend fest.

Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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