«Unsere Heimat»
Deckenfresken, Medizingeschichte und das Herz des Fürstabtes: Rund um das Kloster Muri

Jahresschrift der Historischen Gesellschaft Freiamt kreist ausschliesslich ums Kloster Muri. Berichtet wird über medizin- und religionsgeschichtliche Schnittmengen sowie das Werk des Tessiner Künstlers Francesco Antonio Giorgioli in der Marienkapelle der Klosterkirche.

Jörg Baumann
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Fürstabt Plazidus Zurlauben auf einem Ölgemälde.

Fürstabt Plazidus Zurlauben auf einem Ölgemälde.

zvg

Nicht nur die Herzen des letzten österreichischen Kaiserpaares Karl und Zita von Habsburg ruhen im Kloster Muri. Diese Ehre erfuhr auch dem 1723 verstorbenen Murianer Fürstabt Plazidus Zurlauben. Im August 1723 begab sich der Abt mit seinem Sekretär zur Erholung nach Klingenberg und später noch zum Schloss Sandegg. Unerwartet ergriff ihn dort ein hitziges Fieber, er starb nach 39 Regierungsjahren am 14.September 1723.

Bevor sein Leichnam einbalsamiert wurde, entfernte man seine Organe und setzte diese in Sandegg bei. Den Leib wurde in Rheinau zur letzten Ruhe gebettet, wo sein Bruder Abt war. Zurlaubens Herz wurde schliesslich nach Muri in die Klosterkirche überführt und dort feierlich beigesetzt. In seinen 39 Regierungsjahren nahm der Fürstabt 36 neue Mitglieder ins Kloster auf. Daran erinnert der Lokalhistoriker und Präsident der Historischen Gesellschaft Freiamt, Martin Allemann (Muri), in seinem Hauptbeitrag in der aktuell erschienenen Jahresschrift «Unsere Heimat».

Jubiläumsfest mit tausend Gästen im März 1720

Sein goldenes, fünfzigjähriges Priesterjubiläum erlebte Abt Zurlauben im März 1720, also vor 300 Jahren. Während mehrerer Tage feierte man das Jubiläum gemeinsam mit tausend Gästen. Über die feierliche Gestaltung des Pontifikalamtes ist zwar nichts überliefert. Aber in Muri hatte man bereits Erfahrungen mit pompösen Festlichkeiten gesammelt, sei es durch die Amtseinsetzung und die feierliche Übertragung der Reliquien des Märtyrers Benedikt in die Klosterkirche (1684) oder die Erhebung des Klosters zur Fürstabtei (1701).

Eigens zum Priesterjubiläum des Fürstabtes gab die Murianer Klosterdruckerei eine Festschrift heraus. Als Drucker kommt laut Martin Allemann einzig P. Aemilin Iten (1692–1736) in Frage. In der Festschrift erfährt man unter anderem, dass er aus einer bekannten Zuger Patrizierfamilie stammt. Als junger Mann fiel er in die Reuss und wäre dabei fast ertrunken, hätte er den Katakombenheiligen Leontius nicht um Rettung gebeten. Von 1684 bis 1723 war er Abt von Muri. Ein Epitaph für den verdienstvollen Fürstabt wurde um 1839 in der Klosterkirche errichtet.

Heilung des Blinden und Gelähmten dargestellt

In einem weiteren Beitrag beschreibt der pensionierte Murianer Hausarzt und ehemalige Präsident von Muri Kultur, Urs Pilgrim, medizin- und religionsgeschichtliche Schnittmengen, denen man in der Klosteranlage von Muri noch heute auf Schritt und Tritt begegnet. Unter ihnen findet man auch die Heilszenen Jesu im Neuen Testament. Bilder vom wunderbaren Wirken Jesu seien den klösterlichen Auftraggebern wichtig gewesen, erklärt Pilgrim: In Muri besonders eindrücklich dargestellt, ist die Heilung des Blinden und des Gelähmten, aber auch jene des barmherzigen Samariters oder von Jesus Mutter, der heiligen Maria.

Tessiner als Kirchenmaler in der Marienkapelle

Den dritten Beitrag widmet Muris ehemaliger Kirchenpflegepräsident Hans-Martin Strebel den Deckenfresken des Tessiner Künstlers Francesco Antonio Giorgioli in der Marienkapelle der Klosterkirche.

Nicht mehr zu besichtigen, ist das Gemälde Giorgiolis am Liebfrauenaltar von 1699. Es wurde 1747 mit einer Rokoko­dekration übermalt.