Oberrüti

Dauerbrenner Zemp: «Es gab keinen Grund zu wechseln»

Gemeindeschreiber Christian Zemp in seinem Büro: «Ich konnte hier immer mit einem tollen Team zusammenarbeiten.»

Gemeindeschreiber Christian Zemp in seinem Büro: «Ich konnte hier immer mit einem tollen Team zusammenarbeiten.»

Gemeindeschreiber Christian Zemp arbeitet seit 35 Jahren für die Gemeinde Oberrüti.

Selbstverständlich ist es Zufall, aber irgendwie passts: Der Oberrüter Gemeindeschreiber Christian Zemp, seit 35 Jahren seiner Gemeinde treu, war der erste Lehrling des Beinwiler Gemeindeschreibers Erhard Huwyler, der seinerseits seiner Gemeinde 45 Jahre diente. «Es gab keinen Grund, die Stelle zu wechseln», lacht Zemp – obwohl er auch ein paar intensive Jahre in Kauf nehmen musste. Er hat die Gemeinde bei einem Wachstum von 500 auf heute rund 1600 Einwohner begleitet, hat ursprünglich auch das Steueramt, die Finanzverwaltung, das Zivilstandsamt und das Betreibungsamt geführt. «Es hat sich viel verändert in dieser Zeit», stellt er rückblickend fest.

Eine richtige Schreibmaschine steht noch im Büro, «um Couverts anzuschreiben». Aber sonst läufts digital in der Gemeindeverwaltung Oberrüti. «Das Handwerk hat sich massiv verändert», sagt Zemp und meint damit nicht nur die technischen Gerätschaften.

Hat früher der Gemeindeschreiber beispielsweise brav protokolliert, was der Gemeinderat an der Sitzung besprochen hat, bereitet er heute die Ratssitzungen professionell vor, um effiziente Arbeit zu ermöglichen. Die operative Führung der Gemeinde liegt beim Gemeindeschreiber, nicht mehr beim Gemeinderat, respektive Gemeindeammann.

War früher das direkte Gespräch mit einem Bürger oder einer Bürgerin oft für die unkomplizierte Lösung eines Problems genügend, brauchts heute vielleicht ein Formular, einen Antrag, einen Beschluss. «Die politischen Mühlen mahlen bestimmt nicht schneller als früher», umschreibt Zemp diplomatisch. Was sich überhaupt nicht geändert hat: «Es braucht in meinem Beruf Loyalität zur Behörde, Korrektheit und Fairness im Umgang mit allen Menschen und eine Gleichbehandlung unabhängig von Herkunft oder sozialem Status.» Zemp hat auch Beruf und Freizeit so konsequent wie möglich getrennt, denn er lebt seit 35 Jahren mit seiner Familie in Oberrüti. «Das scheint mir für meinen Beruf unabdingbar.»

Wieder aufs Land

Nach Oberrüti ist er eher zufällig gekommen. Nach seiner Lehre in Beinwil zog es ihn vorerst zur Schweizerischen Kreditanstalt in Zürich. Nach fünf Jahren stellte er sich, in Beinwil aufgewachsen, vor die grundsätzliche Frage Stadt oder Land. Er entschied sich fürs Land, in Büttikon und Oberrüti war die Stelle des Gemeindeschreibers ausgeschrieben. «In Oberrüti», blickt Zemp zurück, «dachte ich, hast du es ruhiger.» Das war dann nicht immer so.

Einerseits prägte ein starkes Wachstum die Gemeinde und damit die Arbeit der Verwaltung, andererseits gab es auch politische Verwerfungen, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Ausbau der Bahnhofstrasse, dem Benützungsreglement für die Schulanlage und – ganz besonders – mit dem Fall Vanoli. «Gerade Letzteres war schon sehr belastend, zumal die Familie und mir Nahestehende involviert wurden, ohne dass sie damit zu tun hatten.»

Den Bettel hingeworfen hat der Vater zweier Töchter trotzdem nicht: «Meine Familie und ich sind hier sehr verwurzelt, die Berufstätigkeit ist in einer anderen Gemeinde die gleiche, ich konnte hier immer mit einem tollen Team zusammenarbeiten», begründet er die Tatsache, dass er in 35 Jahren nie die Stelle wechselte. Fachlichen Austausch pflegt er nicht nur gerne mit den Kolleginnen und Kollegen im Oberfreiamt, sondern auch mit seiner Frau Susanne, die in Geltwil Gemeindeschreiberin ist. «Aber wir reden auch über andere Dinge», versichert er lachend.

«Bis ich fertig bin»

Zemp ist bald 61-jährig. Er wird in Oberrüti weiterarbeiten. «Für die Pensionierung gibt es kein endgültiges Datum», sagt er, «ich mache, bis ich fertig bin.» Nicht abwegig ist zu vermuten, dass er den heutigen Gemeinderat bis zum Ende der Amtsperiode 2021 begleiten wird, zumal noch ein paar grosse und wichtige Geschäfte anstehen. Das hofft auch der Gemeinderat: «Die Gemeinde profitiert sehr von seinem breiten und fundierten Fachwissen, welches er sich über die Jahre auch mit zahlreichen Weiterbildungen angeeignet hat», hält dieser fest. Allerdings freut sich Zemp auf die Zeit nach der Berufstätigkeit, um mehr seinen Hobbys – Sport, Jassen, Geselligkeit – nachgehen zu können. «Ich mache mir jetzt noch keine Gedanken darüber, aber langweilig wird es mir garantiert nicht.»

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