FC Wohlen

«Das Ziel muss der Wiederaufstieg sein»

Hans Hübscher, grosser Fan und über Jahre «die Lebensversicherung» des FC Wohlen, mit dem von ihm lancierten Jubiläumsbuch. (Archivbild)

Hans Hübscher, grosser Fan und über Jahre «die Lebensversicherung» des FC Wohlen, mit dem von ihm lancierten Jubiläumsbuch. (Archivbild)

Hans Hübscher engagiert sich seit Jahrzehnten für den FC Wohlen – das sagt er zum Abstieg in die 1. Liga.

«Damit mussten wir rechnen. Wir haben uns vor einem Jahr freiwillig aus der Challenge League zurückgezogen und ein neues Team für die Promotion League aufgebaut. Es war klar, dass es nicht einfach wird, sich hier zu bewähren. Sicher ist es sehr schade, dass wir jetzt absteigen müssen. Aber es war nicht nur Unvermögen, unsere Mannschaft hat in dieser Saison auch viel Pech gehabt», sagt mit Hans Hübscher einer, der sich seit Jahrzehnten unermüdlich an verschiedenen Fronten für «seinen» FC Wohlen engagiert.

Doch der 73-Jährige schaut bereits wieder nach vorne, wie er es als optimistischer Mensch schon immer getan hat: «Ich bin zuversichtlich, dass wir in der nächsten Saison in der 1. Liga eine anständige Falle machen werden, und ich schliesse auch keineswegs aus, dass wir in ein paar Jahren wieder in die Promotion League aufsteigen können.»

«Vereinsstrukturen sind intakt»

Denn dort gehöre der FC Wohlen hin, sagt der langjährige Präsident der Donatorenvereinigung, der den Verein seit über 40 Jahren als unermüdlicher Chrampfer im Hintergrund unterstützt: «Der Wiederaufstieg in die Promotion League muss das Ziel sein. Das sind wir allein schon unserer Juniorenabteilung schuldig. Denn sie steht und fällt mit dem Erfolg der ersten Mannschaft.» Auch die Infrastruktur mit dem schönen Stadion Niedermatten und der nach wie vor gute Rückhalt des Vereins bei den Sponsoren und in der Bevölkerung rechtfertige es, sich den Wiederaufstieg als Ziel zu setzen. «Und zudem», sagt Hans Hübscher, «auch die Vereinsstrukturen sind intakt. Wir haben eine Führung, die ihre Sache bisher sehr gut gemacht hat, und wir haben eine gute Mannschaft, auch wenn es diese Saison nicht nach Wunsch geklappt hat.»

Für gute Strukturen im FC Wohlen hat Hübscher immer an vorderster Front gekämpft. In einer Würdigung zu seinem 70. Geburtstag hat ihn ein Journalist vor drei Jahren gar als «eine Art Lebensversicherung für den FC Wohlen» bezeichnet. Der so Geehrte winkt ab: «Klar, ich habe vieles für den Fussballclub getan. Aber ich war nie allein. Es gibt auch andere, die sich stark engagiert und es möglich gemacht haben, dass wir nicht nur in die Challenge League aufsteigen konnten, sondern dort auch 16 Jahre haben überleben können.» Als Beispiele nennt er explizit die Ex-Präsidenten René Meier und Andy Wyder.

Influencer der ersten Stunde

Letzterer hat Hans Hübscher vor einem Jahr in einem Artikel im Kluborgan «Kickoff» als «Influencer der ersten Stunde für den FC Wohlen» bezeichnet. Der langjährige Donatorenpräsident sei ein Meister seines Fachs und habe auch die neuen Medien für den Fussballclub genutzt. Der ehemalige Einwohnerratspräsident und Banker hätte sein hohes Ansehen im Dorf, seine politische und berufliche Erfahrung sowie sein grosses Netzwerk ganz in den Dienst des Vereins gestellt und oft «als meisterhafter Seiltänzer zwischen unterschiedlichen Meinungen und politischen Philosophien» vermitteln können.

Hans Hübscher hat für den FC Wohlen aber vor allem eines gemacht: Geld aufgetrieben. Und das nicht erst als Präsident der Donatorenvereinigung. Schon in den 70er- und 80er-Jahren betreute er als Delegierter der Neuen Aargauerbank (NAB) – der Hausbank des FC Wohlen – die Finanzen an diversen Anlässen und sorgte dafür, dass am Schluss ein paar Franken übrig blieben. 1998 übernahm er das Präsidium der Donatorenvereinigung, die damals 32 Mitglieder zählte. Innerhalb der nächsten 10 Jahre hat sich die Zahl der Donatoren, die den Verein jährlich mit 1000 Franken unterstützen, auf 255 Mitglieder erhöht. Dazu kamen die «Friends», die neben dem Donatorenbeitrag jährlich weitere 2500 Franken sponsern. Ihren Kreis konnte Hübscher zeitweise auf über 60 Personen erweitern. Allein aus den beiden Sponsorengruppen resultierten Millionenbeträge, ohne die der FC Wohlen nie so lange in der zweithöchsten Schweizer Fussball-Liga hätte überleben können.

Hübscher konnte auch immer wieder Sponsoren für langjährige Engagements gewinnen und mit weiteren guten Ideen für Veranstaltungen – als Beispiel die Versteigerung eines Leibchens von Ciriaco Sforza an der Hagewo – zusätzliche finanzielle Mittel für seinen Club generieren. Ein eindrückliches Abbild seiner Fähigkeiten ist das Buch zum 100-Jahr-Jubiläum des Vereins 2004. Das hat Hans Hübscher nicht nur zusammen mit einer von ihm bestellten Redaktion lanciert, sondern auch für die Finanzierung gesorgt. 115'000 Franken an Sponsorgeldern hat er für das umfangreiche, gut gestaltete Werk aufgetrieben. Am Schluss blieben 20'000 Franken für die FC-Kasse übrig. Apropos Buch: Ein solches liesse sich mit Hübschers Aktivitäten locker füllen.

Verwandte Themen:

Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

Meistgesehen

Artboard 1