Es war vor ein paar Monaten. Gemeinderat und Abteilungsleitende der Gemeinde Wohlen hatten sich zur Klausur zurückgezogen. Es wurde unter anderem das Leitbild behandelt. Zum Leitthema «Lenken» wurde auch ein geführter Workshop unter den Abteilungsleitenden veranstaltet.

Es ging darum, die Führungs- und Kommunikationskultur grundsätzlich und offen zu diskutieren, um danach allenfalls bestehende Probleme angehen und generell die Abläufe verbessern zu können. Die Chefbeamtenrunde kam zum Schluss: «Wohlen wird eigentlich gar nicht geführt.»

Bemühungen um Reformen waren vorerst vergebens

Gemeindeammann Walter Dubler reagierte auf diese Feststellung der Abteilungsleitenden offenbar ziemlich harsch. Noch Tage nach der Klausur habe er gegenüber den Beteiligten seinen Ärger nicht verhehlen können.

Wäre das Ergebnis dieses Workshops an die Öffentlichkeit gedrungen, hätte dies dem Ego des Gemeindeammanns schaden können. Also wurde die seriös angelegte Übung umgehend wieder abgebrochen. Die konkreten Bemühungen um Verbesserungen und Reformen im Gemeindehaus waren – vorerst zumindest – im Keim erstickt. 

Angestellte wollen sich nicht um ihren Job reden und Gemeinderäte sind kollegial

Braucht es denn überhaupt Reformen im Gemeindehaus? Ist die Stimmung unter dem Personal dort wirklich so schlecht? Dazu verlässliche Informationen zu erhalten, ist nicht einfach. Niemand will sich um seinen Job reden. Auch die Gemeinderäte schweigen. Sie wollen das Kollegialitätsprinzip nicht verletzen, was verständlich und auch richtig ist.

Ab und zu dringt dennoch etwas nach aussen. So die Eigenart des Gemeindeammanns, wenig Rücksicht auf das Personal und da insbesondere auf seine Chefbeamten zu nehmen. «Er kommt ohne Anklopfen ins Büro, und wenn man gerade am Telefonieren ist, bleibt er einfach stehen und hört zu.» – «Ich war in einer Besprechung mit dem Vertreter eines Unternehmens. Walter Dubler kam ins Büro, begrüsste den Herrn, setzte sich an den Tisch und übernahm die Regie.»

«Das Fachwissen von Chefbeamten wird vom Gemeindeammann oft nicht gebührend respektiert. Man hat manchmal das Gefühl, selber Denken sei im Gemeindehaus verpönt.» So weit ein paar Klagen von Mitarbeitenden. Immerhin hat der Gemeinderat zwischenzeitlich den Faden zu einer Führungs- und Verwaltungsreform wieder aufgenommen. «Unsere letzte Hoffnung», tönt es dazu vom Personal im Gemeindehaus.

Die Frustrationen sind auch politisch begründet

Zur Ehrenrettung des Gemeindeammanns muss hier allerdings auch erwähnt werden, dass die gelegentlichen Frustrationen unter dem Gemeindepersonal zumindest teilweise auch politisch begründet sind. Die Aufgaben sind in den letzten Jahren massiv gewachsen.

Nicht nur, weil sich Wohlen entwickelt hat. Sondern vor allem auch, weil immer mehr Gesetze und Vorschriften immer mehr Aufwand erfordern. Der Personalbestand auf der Wohler Verwaltung bewegt sich «dank» den verschiedenen Sparübungen im Einwohnerrat dennoch nach wie vor am unteren Limit.

Die immer wiederkehrenden Diskussionen und Verzichtsanträge im Rahmen der Budgetdiskussion zu den Lohnerhöhungen tragen ebenfalls nicht zur Motivationsverbesserung beim Gemeindepersonal bei.

Am Montag wird – sofern dazu überhaupt die Zeit reicht – über die Anfrage der SVP «betreffend Dauerwechsel Bauverwalter» diskutiert. Wenn überhaupt diskutiert wird. Denn dazu muss der Rat bereit sein. Es ist schon mehrmals vorgekommen, dass solche Diskussionen aus politischen Gründen abgelehnt worden sind.

Es wäre spannend, mehr zu den Kündigungen zu erfahren

Bei dieser Anfrage würde sich eine Diskussion lohnen. Zum Beispiel zur Antwort auf die Antwort auf die Frage: «Hat der Gemeinderat 2007 bis 2014 die falschen Personen als Bauverwalter angestellt?» Der Gemeinderat schreibt: «Jede Anstellung ist immer mit Risiken verbunden. Ob sich die gegenseitigen Erwartungen erfüllen, zeigt sich erst im Verlaufe der Arbeit.» Es wäre spannend, dazu etwas mehr zu erfahren.