Muri
Das wird teuer: Besitzer und Mieter einigen sich nicht zu illegal umgebauter Scheune

Wegen einer illegal umgebauten Scheune trafen sich ein Landwirt und eine Mieterin vor dem Bezirksgericht. Beide geben keinen Millimeter nach. Das Verfahren geht weiter, obwohl Anwalts- und Gerichtskosten in keinem Verhältnis zur Streitsumme stehen.

Eddy Schambron
Merken
Drucken
Teilen
Noch ist der Durchblick etwas trüb, wer wie viel für nicht bewilligte bauliche Massnahmen an einer alten Scheune bezahlen muss (Symbolbild).

Noch ist der Durchblick etwas trüb, wer wie viel für nicht bewilligte bauliche Massnahmen an einer alten Scheune bezahlen muss (Symbolbild).

Eddy Schambron

Gerichtspräsident Benno Weber gab sich am Mittwoch alle erdenkliche Mühe, die zerstrittenen Parteien am Schluss doch noch an den Verhandlungstisch zu bringen. Erfolglos. Jetzt geht der Streit um eine illegal umgenutzte und baulich veränderte Scheune vor Gericht weiter, wobei geklärt werden muss, wer wie viel von den Kosten für die Bauarbeiten zu tragen hat. Sicher scheint: Die Anwalts- und Gerichtskosten werden die Streitsumme übersteigen.

Der Fall ist ungewöhnlich. Ein Ehepaar mietet ein Wohnhaus mit Scheune, um hier zu wohnen und zu arbeiten. Er will Automotoren restaurieren, sie einen Handel mit Möbel-Antiquitäten aufziehen. Dafür erhalten sie vom Vermieter, einem Landwirt im Bezirk Muri, die Erlaubnis, die Scheune entsprechend herzurichten. Teilweise legt der Bauer auch selber Hand an, lässt Futtertröge abspitzen und den Boden ausebnen.

Viele andere Arbeiten, etwa einen neuen Klötzliparkettboden, Ersatz von defekten Fenstern oder den Aufbau von Trennwänden organisiert oder erledigt die Mieterin, beziehungsweise ihr Ehemann entweder selber oder gibt sie in Auftrag.

Das Material besorgt und bezahlt er, in der Annahme, die Kosten dem Eigentümer der Scheune verrechnen zu können. Abgemacht und unterschrieben wird schliesslich im Mietvertrag, dass die vom Mieter gemachten Aufwendungen mit einer Mietzinsreduktion über 37 Monate verteilt vom Vermieter übernommen werden.

Ohne Baubewilligung

Doch so weit kommt es gar nicht: Das Objekt steht nämlich in der Landwirtschaftszone und darf gar nicht für gewerbliche Tätigkeiten genutzt werden. Ausserdem hat der Eigentümer nicht um eine Baubewilligung nachgefragt. Er habe die, sagt er vor Bezirksgericht Muri, gleichzeitig mit einem anderen, grösseren Bauvorhaben beantragen wollen.

Kurz und nicht gut: Die Mieter können ihren Antiquitätenhandel nicht realisieren, verlassen das Haus, räumen die Scheune und fordern vom Landwirt 50 000 Franken an ihre gehabten Aufwendungen und erledigten Arbeiten. Sie machen geltend, von der fehlenden Baubewilligung nichts gewusst und in gutem Glauben gehandelt zu haben.

In vielen Bereichen steht Aussage gegen Aussage. Der Bauer sagt, die fehlende Bewilligung sei frühzeitig angesprochen worden. Die Mieterin erklärt, wenn das so gewesen wäre, wäre sie dieses Risiko nie eingegangen. Der Bauer betont, die Zusage zur Mietzinsreduktion sei aus Gutmütigkeit erfolgt, da das Geschäft ja noch nichts abgeworfen habe.

Die Anwältin der Vermieterin sieht darin heute das Eingeständnis des Bauern, dass er die erwähnte Summe schuldig ist. Der Mieter betont, er habe als handwerklich geschickter Mann gute Arbeit geleistet, der Vermieter redet von amateurhafter Arbeit, undichten Fenstern und schlechter gemachter Güllenlochabdeckung.

Die Mieterin glaubt, der Eigentümer erschleiche sich mit seinem Verhalten eine Gratis-Sanierung der Scheune, der Landwirt stellt jeden Mehrwert für sich in Abrede.

Kein Vergleich

Als Zeugen werden der Vertreter einer involvierten Baufirma aufgerufen sowie der Leiter Bau und Planung der betreffenden Gemeinde. Die Baufirma hat für ihre Arbeiten noch kein Geld gesehen, weder vom Auftraggeber, der Mieterin, noch vom Eigentümer, dem Bauern.

Der Leiter Bau und Planung betont, dass für eine Baubewilligung der Kanton zuständig ist, da das Objekt ausserhalb des Baugebietes liegt. Aussicht auf eine Baubewilligung sieht er nicht. Die Anwältin der Klägerin verlangt, dass der Ehemann, der im Tessin lebt, einvernommen wird, obwohl die Beweiskraft seiner Aussagen gering sein wird, da er Partei ist.

Gerichtspräsident Benno Weber zeichnet die möglichen Szenarien auf, wenn das Verfahren weiter geht. Nach der Befragung des Ehemanns der Klägerin stehen möglicherweise noch ein Augenschein, ein Gutachten und sicher eine neuerliche Verhandlung an.

«Der Aufwand wird jetzt eigentlich unverhältnismässig.» Er macht ein Vergleichsgespräch beliebt, erklärte jedoch ebenso, dass das Verfahren seine Fortsetzung finden wird, wenn es nicht dazu kommt. «Niemand darf sich dann aber über das Resultat wundern.» An eine «Fifty-fifty-Lösung» glaubt er in einem solchen Fall nämlich nicht.

Der Landwirt und seine Frau lehnen ein Vergleichsgespräch ab. «Meine Mandanten sehen nicht, etwas falsch gemacht zu haben», erklärt ihr Anwalt nach kurzer Zwiesprache mit ihnen. Die Anwältin der Klägerin beharrt darauf, den Ehemann als Zeugen einzuvernehmen. Gerichtspräsident Benno Weber schliesst die Verhandlung.