Dottikon
Das weibliche Führungstrio verlässt die Kreisschule Maiengrün

Die Umstellung auf das neue Schulsystem ist nicht genug: An der Kreisschule Maiengrün haben Schulleiterin, Stufenleiterin und Sekretärin die Kündigung eingegeben – Schulpflegepräsident Daniel Kleiner räumt Differenzen ein.

Fabian Hägler
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Bei der Schlussfeier am Dienstag wurden im Schulhaus Risi in Dottikon die austretenden 4.-Bezlerinnen und -Bezler verabschiedet – bald verabschieden sich auch Schulleiterin, Stufenleiterin und Sekretärin. rob/archiv

Bei der Schlussfeier am Dienstag wurden im Schulhaus Risi in Dottikon die austretenden 4.-Bezlerinnen und -Bezler verabschiedet – bald verabschieden sich auch Schulleiterin, Stufenleiterin und Sekretärin. rob/archiv

Es war nur eine kurze Mitteilung der Schulpflege: Christina Michel, seit einem Jahr Schulleiterin an der Kreisschule am Maiengrün (KSAM), kündigt ihre Stelle auf Ende Juli. Doch hinter dem Abgang steckt mehr – und Michel ist nicht die einzige Führungsperson, welche die gemeinsame Kreisschule von Dottikon und Hägglingen verlässt.

Neben der Gesamtschulleiterin haben auch Renate Lüthy (Schulleiterin Sek / Real) und Ruth Schärer (Schulsekretärin) gekündigt.

Unzufrieden sind offensichtlich auch die Oberstufen-Lehrkräfte. «Von ihnen hat praktisch niemand das Examenessen am Mittwoch besucht», bestätigt Christina Michel.

Die scheidende Schulleiterin äusserte sich im Dezember 2012 im Gespräch mit der Aargauer Zeitung noch positiv zur Kreisschule am Maiengrün. «Ich bin gut aufgenommen worden und habe bisher ein gutes Feedback erhalten», sagte Michel.

Sie fühle sich wohl und sei insgesamt zuversichtlich, «was die Zukunft der Schule angeht».

Differenz bei Führungsverständnis

Dies hat sich seither offenbar markant geändert. Angesprochen auf die Gründe für ihre Kündigung, sagt Christina Michel: «Offenbar habe ich ein anderes Führungsverständnis als die Schulpflege.»

Michel führt aus, ihr seien Gespräche mit Lehrpersonen, die Motivation des Lehrkörpers, die Mitarbeit der Lehrerinnen und Lehrer in Arbeitsgruppen und regelmässige Unterrichtsbesuche «wichtiger als eine minuziöse schriftliche Kontrolle mit Listen, Formularen und anderen Papieren».

Dies lässt darauf schliessen, dass sich die Schulleiterin zu stark kontrolliert fühlte durch die Schulpflege. Christina Michel nimmt zu dieser Frage keine Stellung. «Ich möchte kein Öl ins Feuer giessen und keine Schlammschlacht auslösen», sagt sie nur.

Vor einem halben Jahr hatte sie gegenüber der Aargauer Zeitung die beiden Elemente Wertschätzung und Vertrauen als zentral für ihr Führungsverständnis bezeichnet. Wie es in diesen Bereichen zwischen ihr und der Kreisschulpflege aussieht, lässt Michel unkommentiert.

Lehrerkollegium funktioniert gut

Die 50-jährige Schulleiterin hält aber fest: «Das Lehrerkollegium an der KSAM ist ein eingespieltes Team, das gut funktioniert, viele Lehrerinnen und Lehrer engagieren sich sehr für die Schule.»

Diese Aussage lässt sich so interpretieren, dass Michel eine allzu straffe Führung der Lehrpersonen nicht für nötig hält – dies wohl im Gegensatz zur Schulpflege. Michel sagt weiter, sie habe ihre Aufgaben als Schulleiterin erfüllt.

«Im Hinblick auf das kommende Schuljahr sind alle Lehrerpensen besetzt, die Klassen eingeteilt, die Stundenpläne gemacht, alle Listen verteilt – der Unterricht wird am 12. August regulär beginnen.» Dann aber ohne die vierfache Mutter, die nach ihrer kurzfristigen Kündigung noch keine neue Stelle hat, wie sie selber sagt.

Mit der anstehenden Umstellung des Schulsystems von 5/4 (5 Jahre Primar / 4 Jahre Oberstufe) auf 6/3 (6 Jahre Primar / 3 Jahre) und der Erweiterung des Schulverbands auf die Primarschule stehen der KSAM diverse Herausforderungen bevor.

Michel betont allerdings, dies habe keinen Einfluss gehabt auf ihren Entscheid, die Kreisschule nach nur einem Jahr als Schulleiterin wieder zu verlassen.

Renate Lüthy, Schulleiterin Sek / Real und wie Christina Michel auch erst seit einem Jahr im Amt, möchte ihren Abgang nicht kommentieren. Auch die langjährige Schulsekretärin Ruth Schärer war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Schulpflege mit anderen Ansichten

Daniel Kleiner, Präsident der Kreisschulpflege, ist bereits daran, die Nachfolge von Christina Michel zu regeln. «Es wird wohl in einer ersten Phase auf eine Stellvertretung herauslaufen», blickt er voraus.

Kleiner räumt ein, die Schulpflege habe bei gewissen Punkten andere Ansichten gehabt als die scheidende Schulleiterin. «Nach den roten Ampeln 2011 stehen wir unter spezieller Beobachtung durch den Kanton», gibt Daniel Kleiner zu bedenken.

Damals hatte die KSAM bei einer externen Evaluation in den beiden Bereichen Schulführung und Qualitätsmanagement schlecht abgeschnitten.

Um die Defizite zu beheben, habe die Schulpflege in enger Zusammenarbeit mit den kantonalen Stellen in den letzten Monaten verschiedene Massnahmen eingeleitet. «Dabei ist es wichtig, dass die verlangten Dokumente fristgerecht und in der geforderten Qualität geliefert werden», hält Kleiner fest.

Auf die konkrete Frage, ob Schulleiterin Michel dabei Termine verpasst oder ungenügende Arbeit abgeliefert habe, gibt Kleiner keine Antwort. «Als Personalverantwortlicher kann ich dazu keine Stellung nehmen», hält er fest.

Gespräch mit Lehrern geplant

Zu den Abgängen von Sek-/Real - Schulleiterin Lüthy und Sekretärin Schärer sagt der Schulpflegepräsident: «Frau Lüthy wird weiter als Lehrerin bei uns tätig sein, sie wollte ihre Schulleiterfunktion auf das Schuljahr 2014/15 ohnehin abgeben.

Frau Schärer hat uns mitgeteilt, dass sie nicht schon wieder einen Schulleiterwechsel mitmachen wolle und eine andere Stelle suchen werde.»

Dass keine Oberstufenlehrer am Examenessen waren, hat Kleiner mit Bedauern registriert.

«Mit dieser emotionalen Reaktion drückten sie ihren Unmut aus, dies müssen wir respektieren.» Kleiner sagt, die Schulpflege werde schon bald das direkte Gespräch mit der Lehrerschaft suchen.