Der Sparappell des Gemeinderates tönt dramatisch: Rasen sollen gar nicht mehr bewässert und Gemüse- und Blumengärten nur noch äusserst zurückhaltend gegossen werden. Auf das Autowaschen sollen die Bettwilerinnen und Bettwiler ebenso gänzlich verzichten wie auf das Auf- und Nachfüllen von Schwimmbädern, automatische Bewässerungsanlagen sollen sie ausschalten, den Gebrauch der Waschmaschinen auf das Minimum beschränken und Duschen statt Baden.

Hat Bettwil, die höchstgelegene Gemeinde im Aargau, schon einen Wasser-Notstand. «Nein, einen Notstand haben wir nicht. Aber das Wasser wird knapp und die Vorzeichen deuten leider nicht darauf hin, dass sich unsere Wasserversorgung erholt. Deshalb wollen wir vorsorgen und die Bevölkerung zum Sparen animieren. So können wir vielleicht einem allfälligen Notstand vorbeugen», sagt Brunnenmeister Stefan Müller.

Quellen bereits am Versiegen

Bettwil bezieht sein Trinkwasser aus zwei Quellen sowie aus der Grundwasserfassung Moosmatten. Die beiden Quellen geben laut Müller bereits wenig her: «Wir müssen unser Reservoir überwiegend aus dem Grundwasserpumpwerk füllen, denn die Quellen haben sich seit dem trockenen Sommer 2018 nie mehr richtig erholt. Wir konnten dort in diesem Jahr nie so viel Wasser gewinnen wie noch im Frühling des letzten Jahres.»

Das wiederum führe dazu, dass auch der Pegel im Grundwasserpumpwerk stetig sinke, führt der Brunnenmeister weiter aus. Und Erholung sei aufgrund der prognostizierten Witterung in den nächsten Wochen nicht in Sicht. Also gelte es, mit dem vorhandenen Wasser so vorsichtig wie möglich umzugehen, damit der Grundwasservorrat möglichst reiche, bis wieder ausgiebig Regen fallen. Sollte der Wasservorrat in Bettwil in den nächsten Wochen noch knapper werden, hat die Gemeinde kaum eine Alternative.

Es gibt zwar eine Leitung aus Kallern, die wiederum an das grosse Wohler Wasserversorgungsnetz angeschlossen ist. Doch dabei handelt es sich lediglich um eine Notwasserversorgung: «Diese Leitung ist relativ klein dimensioniert. Wenn unsere beiden Quellen versiegen und der Grundwasserspiegel so tief sinkt, dass wir auch dort kaum mehr Wasser beziehen können, dann wird die Lage dramatisch. Über die Notwasserleitung aus Kallern könnten wir unser Dorf nicht versorgen», sagt Brunnenmeister. Stefan Müller. Und hält noch einmal fest: «Genau deshalb ist es wichtig, dass die Bevölkerung den Aufruf zum Wassersparen ernst nimmt.»

Weitere Sparappelle in Region

Auch andere Freiämter Gemeinden rufen bereits zum Wassersparen auf. Der Gemeinderat Dottikon lässt in den aktuellen Nachrichten aus dem Gemeindehaus verlauten: «Die längerfristigen Wetterprognosen mit den immer wieder neuen Temperaturrekorden lassen aufhorchen. Wir möchten die Dorfbevölkerung sensibilisieren, einen zurückhaltenden und schonenden Umgang mit unseren Wasserressourcen zu pflegen – besten Dank!»

Und der Gemeinderat Unterlunkhofen schreibt in einer Mitteilung: «Es wird daran erinnert, dass sich die angespannte Trinkwassersituation infolge der lang anhaltenden Trockenperiode im vergangenen Sommer und Herbst sowie auch im Frühjahr noch nicht gänzlich erholt hat. Der Gemeinderat ruft daher die Bevölkerung zu einem weiterhin haushälterischen Umgang mit dem Trinkwasser auf.» Es ist mit grosser Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich diesen drei Appellen in den nächsten Tagen und Wochen weitere Gemeinden anschliessen werden (müssen).