Freitag Morgen, 8.45 Uhr. Auf dem Podium in der Turnhalle Hägglingen sitzen die Gemeinderäte und bereiten sich auf ihren grossen Auftritt vor. Sie wirken dabei so professionell, dass erst auf den zweiten Blick auffällt, wie jung die fünf Herren und die Dame sind. Gespannt warten die Fünft- und Sechstklässler der Schule Hägglingen auf die «Stimmbürger». Die Nervosität steigt. Nur noch eine Viertelstunde, dann beginnt ihre erste Gemeindeversammlung. Gemeindeammann Dario richtet die Krawatte. Jaimie-Lee geht noch ein letzes Mal ihren Text durch.

Aus Fasnachtsgag wird ernst

Aber wie kommt es überhaupt, dass Jaimie-Lee, Dario, Yannik, Lean, Dario und Robin hinter diesem Pult sitzen? Die Antwort liegt neun Monate zurück, in der schönsten Hägglinger Jahreszeit. Hauptverantwortlich für den gestrigen Anlass ist die Hägglinger Hächle-Zunft. An der Fasnacht haben sie dem (echten) Gemeinderat die Aufgabe gestellt, eine Kindergemeindeversammlung auf die Beine zu stellen.

Das sagen die Teilnehmenden und der echte Ammann

Für Gemeindeammann Urs Bosisio überhaupt kein Problem. Allerdings war es ihm wichtig, dass dieses Projekt pädagogisch nachhaltig umgesetzt würde. In der Primarschule fand er für seine Ideen offene Türen und erhielt die volle Unterstützung. So fand also im Laufe der vergangenen Tage eine Projektwoche unter dem Thema «Gemeindeorganisation» statt. Bosisio hat dabei tatkräftig mitgeholfen und an den ersten beiden Wochentagen in jeweils drei Schulstunden die Schüler über die Regierungs- und Organisationsformen verschiedener Länder informiert. Am Mittwoch durften die Schüler mit ihm ins Gemeindehaus, am Donnerstag gab es eine Einführung in die Gemeindeversammlung.

Ein kritisches Publikum

In den restlichen Stunden haben die Schüler klassenweise mit ihren Lehrpersonen einen Antrag erarbeitet, den sie ebenfalls von der Klasse gestellten «Gemeinderäte» vorgetragen haben. Gemeindeammann Dario, der die Zuschauer durch die Traktandenliste führte, leitete jeweils auch die Abstimmung. Abstimmen durften nur die 115 Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Klassen. Eltern waren keine dabei. «Der Druck für die Schüler wäre noch grösser, wenn hier noch 200 Eltern sitzen würden«, begründete Bosisio die Entscheidung.

Die Anträge zur neuen Kletterwand, den neuen Materialien und Sportgeräten, der Rutschbahn aus dem Schulhaus, der Einführung einer 30er Zone auf der Oberdorfstrasse, der Erstellung eines Naturlehrpfads und eines Dorfmuseums im Dubachhaus sorgten für angeregte Diskussionen im Publikum. Das überraschte Gemeindeammann Bosisio und Gemeindeschreiberin Fabienne Fischer. «Die Kindern haben keine Fragen vorbereitet und wurden hier zum ersten Mal mit den Argumenten konfrontiert«, das ist erstaunlich, freuten sich die beiden.

Am Schluss zeigte sich Bosisio stolz und lobte die Schüler für ihre Leistung. Als Dank für ihr Engagement wird der Gemeinderat die Umsetzung des Antrages «Wir bleiben fit, nicht nur im Kopf» ermöglichen. Es gibt neues Turnmaterial und Sportgeräte.