Dottikon
Das vorletzte Stündlein hat geschlagen

Die Wirtesektion des Bezirks Bremgarten wird nach 120-jährigem Bestehen aufgelöst.

Lukas Schumacher
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Die Vereinigung der Wirte aus dem Bezirk Bremgarten (Gastro Bremgarten) steht vor der Auflösung. 2012 wird dieser Akt vollzogen. Leise Wehmut prägte denn auch die 120. und zweitletzte Generalversammlung der Bezirkswirte im Dottiker Hotel-Restaurant Bahnhof.

Bremgarten/Muri als Ausnahmen

Der Kantonalverband Gastro Aargau setzt auf einen Einheitsverband ohne Bezirkssektionen. Diese einschneidende Veränderung müsse sein, betonte in Dottikon Sepp Füglistaller (Oberlunkhofen), der Vizepräsident des Kantonalverbandes Gastro Aargau. Denn das Sektionenmodell funktioniere im Aargau praktisch nur in den Freiämter Bezirken Bremgarten und Muri zufriedenstellend. In anderen Sektionen seien Desinte-resse, Mitgliederschwund und teilweise Führungsprobleme auszumachen.

Anfang 2013 soll die Neuorganisation greifen. Den neuen Kantonalvorstand von Gastro Aargau bilden je
ein Vertreter aus den elf Bezirken. Diese elf Personen nehmen auch an den Delegiertenversammlungen des nationalen Verbandes Gastro Suisse teil. Bestehen bleibt der bisherige Geschäftsausschuss von Gastro Aargau.

Beim Vorstand von Gastro Bremgarten hält sich die Begeisterung über die eingeleitete Neuorganisation in Grenzen. «Schade, aber leider nicht zu ändern», meinte Sektionspräsident Markus Horat (Villmergen).

Grossteil des Vermögens ausgeben

Ein Bremgarter Sonderzüglein zu fahren, macht laut Horat keinen Sinn. Eines sei aber sonnenklar: «Vor der Sektionsauflösung werden wir einen Grossteil unseres Vermögens von 17000 Franken ausgeben.» Gelegenheit dazu biete die Wirtereise «Grimselwelt» vom 12. Juli. Die Sektionsmitglieder sollen lediglich einen kleinen Beitrag zur Reise beisteuern. Weitere Aktivitäten 2011 von Gastro Aargau: jährlicher Besinnungstag am 16. April in Muri und eine gesellige Herbstveranstaltung am 18. Oktober.

«Einschränkungen, Vorschriften»

In einem Referat outete sich Unternehmer Thomas Lüpold, Grossrat und Präsident der SVP Aargau, als leidenschaftlicher Stammtisch-Höckeler. Er prangerte «die zunehmenden gesetzlichen Einschränkungen und Vorschriften» auf Kosten der Wirtsleute und ihrer Gäste an. Laut Lüpold mutierten die privaten Gaststätten mehr und mehr zu öffentlichen Lokalen, wo die Gewerbefreiheit stark beschnitten werde. Er ortete aber auch Spielraum für die Wirte. «Sie müssen sich überlegen, was kann ich besser machen, und sollen versuchen, dies umzusetzen.»

Gemeindeammann Paul Meyer stellte seine Wohngemeinde Villmergen vor, wozu auch das Tagungslokal Hotel-Restaurant Bahnhof gehört (Ballygebiet). In voraussichtlich zwei Monaten werde das zügig wachsende Villmergen die Marke «6000 Einwohner» erreichen, gab Meyer bekannt.