Neuzuzüger im Aargau

«Das Thurgauer für ein Aargauer Kontrollschild abzugeben hat schon weh getan»

Nadja Forster und Kater Diavolo gefällt es in der neuen Wohnung in Villmergen.

Nadja Forster und Kater Diavolo gefällt es in der neuen Wohnung in Villmergen.

Die az porträtiert diese Woche täglich Menschen, die in den Aargau gezogen sind. Nadja Forster pendelte über ein Jahr zwischen dem Aargau und Thurgau. Doch nun ist sie nach Villmergen gezogen – der Liebe wegen.

Nadja Forster ist der Liebe wegen nach Villmergen gezogen. Vor etwas über einem Jahr hat sie sich mit ihrem Partner Lukas Wettstein in eine gemeinsame Wohnung gesucht.

Allerdings hat sich die Thurgauerin auch nach so langer Zeit noch nicht ganz eingelebt – das liegt daran, dass sie bis vor einer Woche noch an ihrem alten Heimatort gearbeitet hat.

«Ich wollte nicht gleich alle Brücken hinter mir abreissen. Meine alte Arbeitsstelle hat mir sehr gut gefallen, ich durfte in einem tollen Team arbeiten. Ich habe aber gemerkt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel ist», sagt Forster.

«Ich vermisse die leeren Strassen»: Nadja Forster sagt, was ihr im Aargau gefällt, und was ihr aus der alten Heimat fehlt.

«Ich vermisse die leeren Strassen»: Nadja Forster sagt, was ihr im Aargau gefällt, und was ihr aus der alten Heimat fehlt.

Sie arbeitete auf dem Steueramt, jetzt hat sie eine Stelle bei einer Bank in Lenzburg gefunden.

Damit wird ihr Arbeitsweg wesentlich kürzer: «Das ist etwas, dass mich am Aargau nervt, die Autobahnen sind immer voll. Ohne Stau brauchte ich gut eine Stunde, wenn viel Verkehr herrschte manchmal bis zu zwei», erzählt sie.

Weisse Socken an der Hochzeit

Von ihren Kolleginnen und Kollegen wurde sie manchmal auch aufgezogen, als sie ihre Umzugspläne bekannt gab.

«Ich hatte ein Foto gepostet, als ich mein Kontrollschild abgab und gegen eine Aargauer Nummer eingetauscht habe – das hat mich im Herzen schon etwas geschmerzt. Und natürlich gab es schon den einen oder anderen spöttischen Kommentar, man sagt ja, die Aargauer seien schlechte Autofahrer», sagt Forster und lacht.

Was erzählen sich die Thurgauer sonst noch über die Aargauer? «Dass sie weisse Socken tragen. Und ich habe tatsächlich an einer Hochzeit jemanden gesehen, der zum Anzug weisse Socken trug», sagt sie schmunzelnd und schüttelt den Kopf: «Das geht gar nicht!»

Trotzdem gefällt es der Thurgauerin gut in Villmergen. «Es ist ein herziges Dorf», sagt sie.

«Ich bin schon eher der ländliche Typ. Wohlen wäre mir schon zu gross.»

Trotzdem habe man hier ein Dorfleben, zentrale Einkaufsmöglichkeiten und der Ort habe viel Charme. Ihr Partner Lukas Wettstein ist in Uezwil aufgewachsen, deshalb hat das Paar in dieser Gegend eine gemeinsame Wohnung gesucht.

Diavolo ist mitgezügelt

Mit was für Vorurteilen muss eine Thurgauerin im Aargau kämpfen? «Ich werde manchmal wegen meines Dialekts aufgezogen. Aber vielleicht gleicht sich der ja noch an», sagt Forster, die in Ettenhausen bei Aadorf aufgewachsen ist.

Sie sei aber in Villmergen sehr gut aufgenommen worden. Heimweh nach dem Thurgau hat Nadja Forster schon jetzt von Zeit zu Zeit, «und wahrscheinlich wird es noch schlimmer, wenn ich nicht mehr dort arbeite», vermutet sie.

Ihre Freunde seien aber schon immer weit verteilt gewesen, ihr komme es deshalb nicht so vor, als hätte sie viel aufgeben müssen.

Als sie gemeinsam mit ihrem Partner nach einer Wohnung gesucht habe, sei wichtig gewesen, dass sie an einem ruhigen Fleck, aber an zentraler Lage sei.

Und es kam nur eine Parterrewohnung infrage. Grund war Kater Diavolo, der mitgezügelt ist.

Ihm scheint es in Villmergen zu gefallen, während des Interviews sprintet er quer durch die Wohnung als wolle er sagen: Seht her, so gross ist mein neues Zuhause!

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