Bremgarten
Das Stück "Fiire" im Kellertheater – Kommt das Wagnis beim Publikum an?

Das Kellertheater feiert den Auftakt zum 50. Geburtstag mit einer neuen Darbietung. Bei der vielseitigen Performance ist es nicht ganz leicht den roten Faden zu finden.

Jörg Baumann
Drucken
Teilen
Der Regisseur Dodó Deér (stehend) bei der Probenarbeit mit seinem Ensemble. BA

Der Regisseur Dodó Deér (stehend) bei der Probenarbeit mit seinem Ensemble. BA

Im Kellertheater Bremgarten suchen 30 Schauspielerinnen und Schauspieler zwischen 16 und über 70 einen der vier Autoren – frei nach Luigi Pirandello. Im unkonventionellen Stück «Fiire», für das die Autoren Rebecca C. Schnyder, Guy Krneta, Simon Ledermann und Paul Steinmann den Text auf hundert Druckseiten lieferten, begegnet sich eine Festgesellschaft. Sie feiern das Theater und das Leben – und mitunter auch den 50. Geburtstag des Kellertheaters.

Keine chronologische Geschichte

«Wir nahmen uns viel Zeit, um zu beraten, wie wir unser Jubiläum begehen wollen. Wir hätten einen Klassiker spielen oder das ganze Haus bespielen können. Aber wir entschieden uns für dieses Stück von den vier Autoren», sagt Theaterpräsident Simon Ledermann. «Aber es wäre ein Irrtum, zu glauben, dass wir im Stück die Geschichte des Kellertheaters nacherzählen», meint der frühere Präsident Fridolin Kurmann, der einen gewissen Hans spielt. Landwehr betont, dass im Stück unerfahrene und gestandene Schauspielerinnen und Schauspieler auftreten. Ein «Panoptikum von Geschichten» breite das Stück aus, das unter dem kritischen Auge des Dramaturgen Adrian Meyer aus dem Rohtext entstanden sei, sagt der Regisseur Dodó Deér. «Es gibt keine Haupt- und Nebenrollen. Eine Gruppe von Menschen kommt zusammen, wie im richtigen Leben, und äussert Freude, Trauer, Ängste und Frustrationen. Das stellt grosse Anforderungen an die Schauspielerinnen und Schauspieler, denn alle müssen im Stück ihre eigene Rolle finden, darin bleiben und erst noch auf die anderen schauen.»

Es fliegen Wortfetzen durch die Luft, Anekdoten tauchen auf und verschwinden wieder. Einer fragt, ob die Zeitung bei der letzten Premiere einen Reporter vorbeigeschickt habe. «Keinen!», heisst es. «Eine (Frau)!» Gemurmel an der Festtafel. Es wird weiter räsoniert, eingeschenkt, getrunken und getafelt, geschwafelt und gescheit geredet, wenn dann einer zuhört. Wie eben an einem Fest, wo sich unterschiedliche Typen begegnen und einander mögen oder nicht leiden können. Und das alles mit viel Musik, vierstimmigen Chören in vier Sprachen, angestiftet vom Musiker Christov Rolla, vielen raffinierten Lichteffekten und mit einem Rattenschwanz von gestischen Äusserungen, choreografiert von Mariana Coviello, die vor der Probe reichlich Lockerungs- und Gesangsübungen verlangt.

Ältestes Kleintheater im Freiamt wird 50.
6 Bilder

Ältestes Kleintheater im Freiamt wird 50.

Zur Verfügung gestellt

Das Publikum in der Fahnderrolle

Im Stück «Fiire» sei das Theater einmal nicht der «Besserwisser» und der «Aufklärer», betont Deér. «Das Publikum sitzt rund um die Festtafel und sucht den ‹roten Faden›, den die Autoren gelegt haben.» Also hat auch das Publikum seine Rolle: Es muss wachen Geistes und mit einer gehörigen Prise Gwunder mitdenken.