Wohlen
Das Strohmuseum feiert runden Geburtstag

Die einzigartige Ausstellung über die Freiämter Strohindustrie wurde am 13. Februar 1976 eröffnet. Ein Rückblick des letzten Bewohners der Villa Isler.

Jacques Isler
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Eines der vielen prächtigen Exponate im Freiämter Strohmuseum in Wohlen.

Eines der vielen prächtigen Exponate im Freiämter Strohmuseum in Wohlen.

ZVG

Am 13. Februar 2016 ist es 40 Jahre her, seit das Strohmuseum in Wohlen eröffnet wurde. Seither hat es Zehntausende Besucherinnen und Besucher willkommen geheissen und sie zum Staunen gebracht. Das Museum hat von verschiedensten Seiten auch immer wieder wichtige und motivierende Unterstützung und Wertschätzung erfahren.

Vor drei Jahren begann eine Metamorphose, die das Strohmuseum inzwischen in neuer, vorher nicht da gewesener Pracht erblühen liess. Vor langer Zeit, nach der Landesausstellung 1914 in Bern, wurde im Kreis der Wohler Hutgeflechtfabrikanten erstmals darüber nachgedacht, die dort präsentierten Exponate in einem neu zu gründenden Museum auszustellen. Leider wurde diese Idee nicht weiterverfolgt und das Ausstellungsgut ging verloren.

Mehrere Anläufe nötig
Um 1940 beschloss der damalige Verband Aargauischer Hutgeflechtfabrikanten, finanzielle Mittel für ein Museum zu sprechen. Aber auch diese Pläne wurden ad acta gelegt und vergessen, obwohl kleine, lokale Ausstellungen von Strohgeflechten zum Beispiel auf Schloss Heidegg oder Schloss Hallwil immer wieder bewiesen, dass in allen Kreisen der Bevölkerung ein grosses Interesse bestand zu erfahren, was in früherer Zeit in dieser Industrie geschaffen worden war.

Entscheidend für die Gründung des heutigen Strohmuseums war dann eine Ausstellung auf Schloss Lenzburg im Jahre 1968 mit dem Namen «Modes en paille – Zur Geschichte der aargauischen Strohflechterei». Sie wurde ein überwältigender Erfolg und unterstützte die Idee einiger Exponenten der Industrie, bedeutende Teile des Ausstellungsgutes und weitere Objekte in einem der Strohflechterei gewidmeten Museum zu vereinen.

Die grösste Herausforderung bei der Planung des Freiämter Strohmuseums bestand darin, die finanziellen Mittel für dieses Vorhaben zu finden. Es dauerte über ein Jahr, bis die Finanzierung gesichert war, die nur zustande kam, weil sich viele Institutionen und Privatpersonen solidarisch hinter die Pläne stellten.

Fast acht Jahre nach der Lenzburger Ausstellung war es dann endlich soweit: Im Beisein einer grossen Gästeschar wurde das Freiämter Strohmuseum am 13. Februar 1976 am Bankweg in Wohlen feierlich eröffnet. Es war das Werk vieler. Federführend aufseiten der Industrie war Guido Bruggisser, ohne dessen Visionen, Verbindungen und Enthusiasmus das Ziel nicht hätte erreicht werden können.

Heute, 40 Jahre später, haben sich Bedeutung und Erscheinung des Museums, das sich mittlerweile «Strohmuseum im Park» nennt, stark verändert: Die Gründerväter sind zum allergrössten Teil verstorben, eine neue, engagierte Generation hat die Führung übernommen. Auch befindet sich das Museum an einer neuen Adresse – in der Villa Isler an der Bünzstrasse 5. Geblieben ist das Ziel, heutigen und künftigen Generationen zu zeigen, welch exquisite Kunstwerke aus Stroh und anderen Materialien in Wohlen und Umgebung von unzähligen geschickten Händen geschaffen worden sind.

Das Strohmuseum ist Wohlens Identifikationsmerkmal geworden: Es ist im wahrsten Sinne des Wortes einzigartig in der Welt, und es ehrt alle Personen, die im Laufe der mehr als 200-jährigen Geschichte der Strohgeflechtindustrie ihr Bestes gegeben haben.
Der runde Geburtstag des Wohler Strohmuseums wird anlässlich des Internationalen Museumstags am Sonntag, 22. Mai, gefeiert.

Jacques Isler ist Präsident der Stiftung Freiämter Strohmuseum und der Sohn des grossen Förderers und ersten Stiftungspräsidenten J. Rudolf Isler. Er war der letzte Besitzer der Villa Isler, in der das Museum heute beheimatet ist.