«Anfang März flatterte mir eine Mahnung der Finanzabteilung ins Haus. Darin wurde ich aufgefordert, die Steuerrechnung 2010 zu bezahlen», sagt Marc Odermatt. Doch der 45-jährige Maschinenbauer, der seit Anfang 2010 in Rudolfstetten lebt, weigert sich. Denn: «Als ich im November die definitive Steuerveranlagung 2010 erhielt, traf mich fast der Schlag: Ich sollte den dreifachen Betrag der provisorischen Steuerrechnung bezahlen.» Odermatt hat Einspruch erhoben gegen die hohe Rechnung, das Verfahren ist derzeit hängig. «Bisher habe ich meine Steuern immer ohne Einspruch bezahlt, doch dies riecht für mich nach Willkür», sagt er.

Abzug erst akzeptiert, dann gekürzt

Zusammen mit der hohen Rechnung erhielt Odermatt im November 2011 vom Steueramt Rudolfstetten eine Abweichungsbegründung. Darin erläutert die Steuerkommission, dass der grösste Teil der Abzüge, die Odermatt aufgrund von Alimentenzahlungen an seine getrennt lebende Ehefrau getätigt hatte, nicht akzeptiert würden.

Odermatt zog Unterhaltszahlungen von 57720 Franken ab, die Steuerkommission gewährte ihm aber lediglich Abzüge von 16415 Franken. Für Odermatt ist dies nicht nachvollziehbar, denn in der provisorischen Steuerrechnung 2010 waren seine Alimentenabzüge noch vollumfänglich akzeptiert worden.

Die Steuerkommission teilte mit, «die Voraussetzung für die steuerliche Gewährung von Unterhaltszahlungen» sei erst ab Oktober 2010 gegeben. Odermatt hatte aber die Alimente schon ab März abgezogen. Die Kommission argumentiert, seine Ex-Frau habe noch bis Ende September Zugriff auf das gemeinsame Bankkonto gehabt. Bis zu diesem Zeitpunkt sei die gesetzliche Vorgabe, dass zwischen den Ex-Eheleuten «keine Gemeinschaftlichkeit der Mittel für Wohnung oder Unterhalt» bestehen dürfe, nicht erfüllt gewesen.

Vereinbarung regelt Alimente

Für Marc Odermatt ist dies unverständlich. «In der Trennungsvereinbarung zwischen mir und meiner Frau ist festgehalten, dass die Alimente von beiden Parteien bis September 2010 als beglichen anerkannt wurde», sagt er. Diese Vereinbarung wurde vom Gerichtspräsidium Bremgarten gutgeheissen, die rechtliche Trennung auf den 7. März 2010 festgelegt.

Marc Odermatt bestreitet nicht, dass seine Ex-Frau nach der Trennung weiter Zugriff auf das gemeinsame Bankkonto hatte. «Die Trennung war für meine Frau und mich schwer», sagt er. Und: «Ich weiss, dass sie die Sperrung der Konten im März 2010 als tiefe Demütigung empfunden hätte.» Odermatt betont, er habe seiner Frau vertraut: «Ich war sicher, dass sie den Zugriff zum Konto nicht missbrauchen würde.»

Eine Sperrung des Kontos schon im März 2010 hätte aus seiner Sicht «dazu geführt, dass die Spannung weiter gestiegen wäre, was sich noch negativer auf die Kinder ausgewirkt hätte». Erst Ende September 2010, also sieben Monate nach der gerichtlichen Trennung, liess er das Konto sperren. Seither überweist Odermatt die Alimente von seinem Konto an seine Ex-Frau.

«Mittel eindeutig getrennt»

Aus seiner Sicht war aber auch vorher schon klar zu erkennen, «dass mein Gehalt auf zwei Wohnungen und vier Personen aufgeteilt wird». Er betont: «Wenn Zweifel über die tatsächlich verbrauchten Geldbeträge von Januar bis Oktober 2010 aufgetaucht wären, hätte ich gerne dazu beigetragen, diese zu beseitigen.» In seinem schriftlichen Einspruch vom 8. Dezember 2011 hält er fest: «Trotz Zugriff beider Parteien auf die Konten sind die Mittel für den Unterhalt eindeutig getrennt gewesen».

Jede Transaktion könne mit «der verwendeten Kreditkarte bzw. E-Banking der entsprechenden Person zugeordnet werden», schreibt Odermatt. Zudem habe ihm sein Anwalt bestätigt, «dass die Praxis, gemeinsame Konten während der Trennungsphase weiterhin gemeinsam zu nutzen, gängig ist».

Auf Anfrage der az Aargauer Zeitung waren weder Heinrich Notter, Leiter Abteilung Steuern in Rudolfstetten, noch Reto Stark, kantonaler Steuerkommissär, zu einer Stellungnahme bereit. «Im vorliegenden Fall handelt es sich um ein laufendes Verfahren. Wir werden dazu deshalb absolut keine Auskünfte erteilen», hielt Notter in einem E-Mail fest.