Tennwil
Das speziellste Bad am Hallwilersee

Wie es beim aktuellen Traumwetter im Arbeiterstrandbad Tennwil läuft und was die Stiftung für Ausbaupläne hat.

Anja Suter und Michael küng
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Das Arbeiterstrandbad Tennwil
11 Bilder
 Franziska und Bruno Alberti geniessen das Sommerwetter mit ihren Kindern.
 Die grosse Holzveranda wird bald einer ebenerdigen Piazza weichen.
 Das Lädeli bekommt mit dem anstehenden Umbau ein neues Zuhause.
 Die niedrigen Gitter halten Schwäne ab, die es sich zuvor während der letzten Jahre immer zahlreicher auf der Badiwiese gemütlich gemacht haben.
Es folgen weitere Bilder aus dem Bad.

Das Arbeiterstrandbad Tennwil

Michael Küng

Seit Wochen traumhafte Bedingungen. Gestern war der See 23,9 Grad warm, was für Mitte Juli sehr gut ist. Kein Wunder, liegen die Frequenzen im Arbeiterstrandbad in Tennwil zehn Prozent über dem langjährigen Mittel. Und auch der Campingplatz ist sehr gut belegt: Gestern Morgen war nur noch ein Zeltplatz frei.

Der Hallwilersee und seine naturnahe Umgebung sind sehr beliebt. «Teilweise verbringen die Camper ihre ganzen Sommerferien hier», sagt Renato Mazzocco. Er ist Sekretär des Aargauischen Gewerkschaftsbundes. Hier spricht er aber als Kassier der 1935 gegründeten Stiftung Arbeiterstrandbad. Die Camping-Saison in Tennwil dauert jeweils von April bis Oktober. Die meisten Camper wohnen in der näheren Umgebung. «Sollte es mal zwei, drei Tage regnen, ist das kein Problem. Die Besucher können dann nach Hause fahren, die Wäsche machen und dann pünktlich zurückkommen, wenn die Sonne wieder scheint», erklärt der Aarauer Mazzocco.

Von der Sonne verwöhnt

Ausserdem habe man in Tennwil das Glück, dass der Strand auf der Sonnenseite des Tals liege. «Hier haben wir zwar keine Morgensonne, dafür geniessen wir aber den Sonnenuntergang am Abend.» Mit der Hügellandschaft im Hintergrund sei es fast schöner als am Meer. Auch für die Kinder habe es nur Vorteile: «Die ganze Schar zieht den Tag über auf dem Gelände umher und spielt miteinander. Abends können die Eltern ihre ausgepowerten Kinder einsammeln und sicher sein, dass sie tief und fest schlafen werden», so Mazzocco.

Der «Verein Arbeiterstrandbad» ist während der Dreissigerjahre-Krise gegründet worden, um der arbeitenden Bevölkerung einen Platz am See zu sichern. Das damalige Arbeiterstrandband war mit einfachsten Sanitäranlagen und Schliessfächern für das Hab und Gut der Gäste ausgestattet. Küche, Kasse, Toiletten und Duschen waren im selben Gebäude untergebracht.

Neue Sanitäranlagen und Küche

Dieses Jahr steht nun die grosse Sanierung an: Vorgesehen ist die Erneuerung der Sanitäranlagen und der Küche. Das jetzige Sanitärhaus wird abgebrochen und am selben Ort durch ein neues Holzgebäude ersetzt. Im Neubau sollen die Kasse, der Kiosk und das Lädeli einziehen. Herzstück des Projekts wird eine Piazza, die entlang des Gebäudes gebaut wird. Sie soll einen grosszügigen Aufenthaltsort für die Gäste bieten. Dafür wird die heutige Terrasse neben dem Kiosk abgetragen.

Einer, der den Betrieb wie seine Westentasche kennt, ist Daniel Leuenberger (59). Er hat dieses Jahr seine 20. Saison als Betriebsleiter des Strandbads. Eine der grössten Änderungen ist für ihn die Zahl der Besucher: «Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich in meinen Anfängen manchmal nur einen einzigen Gast im Bad hatte. Das ist heute nicht mehr vorstellbar», lacht er. Um 2000 Besucher kümmert er sich heute an einem schönen Augusttag.

Um ihnen etwas zu bieten, organisiert er eine ganze Reihe von Veranstaltungen. Etwa wöchentliche Apéros, Yoga- und Aquafit-Kurse. Dazu kommen Turniere in Volleyball und Tischtennis, Schwimmkurse und Lesungen auf dem Sonnendeck am Wasser.

Aufgrund der Umbauarbeiten wird die diesjährige Saison frühzeitig beendet. Für die Umbauten schliesst der Betrieb dieses Jahr schon am 2. September. Die Badiwiese bleibt allerdings zugänglich – gratis.