Während mehr als 20 Jahren war die Kantonsstrasse 265, der direkte Verbindungsweg zwischen Anglikon/Wohlen und Villmergen, ein Dauerbrenner und Ärgernis in der Verkehrs- und Ortsplanung der Gemeinden. Der Zustand der Strasse ist im Laufe dieses Vierteljahrhunderts immer prekärer geworden. Ihr Belag sieht aus wie Frankensteins Rache, ist übersät mit Spurrillen und Rissen, gefährdet die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer, die sich darauf bewegen. Die SBB-Brücke ist eine weitere Gefahrenzone auf der K 265. Die Brücke ist viel zu eng und zu niedrig. Zwängt sich ein Lastwagen untendurch, bleibt für andere Fahrzeuge kein Platz mehr. Bei starkem Regen füllt sich die Unterführung mit Wasser. Auch der Rest der Nutzenbachstrasse leidet unter einem Hochwasserschutz-Defizit.

Visualisierung: Swiss Interactiv AG Aarau

Visualisierung: Swiss Interactiv AG Aarau

Seit 1997 sind die Zuständigkeiten und Verpflichtungen in Bezug auf die K 265 zwischen Kanton und Gemeinden geregelt. Einziges Ergebnis dieser Regelung war bisher der Bau des Angliker Kreisels. Doch nun kommt Schwung in die Sache. Am Mittwochabend stellten drei Vertreter des kantonalen Departements für Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) die vier Projekte vor, mit denen die unhaltbare Situation entlang des Nutzenbachs verbessert werden soll.

Im Einzelnen geht es um die Sanierung der Anglikerstrasse, den Ersatz der SBB-Brücke, die Sanierung der Nutzenbachstrasse und, als viertes Projekt, um die Revitalisierung und den Vollausbau des Nutzenbachs (siehe Artikel rechts unten). Die drei Strassenbauprojekte wurden von der Abteilung Tiefbau des BVU entwickelt, das Wasserbauprojekt von der Abteilung Landschaft und Gewässer des gleichen Departements.

Vom 4. Juni bis 3. Juli läuft die öffentliche Projektauflage. Ende Juni werden Botschaft und Kreditantrag zur Beratung in der Kommission für Umwelt, Bau, Verkehr, Energie und Raumordnung (UBV) eingereicht und Mitte August sollte die Kreditgenehmigung durch den Grossen Rat erfolgen.

Es gibt Platz für alle

Gesamtprojektleiter Marius Büttiker machte keinen Hehl daraus, dass der Weg, auch ohne Widerstände und Einsprachen, noch ein langer ist, bis der Bau beginnt: «Wenn alles rund läuft, dann können wir im Frühling 2021 mit den Arbeiten beginnen. Wir rechnen mit einer Bauzeit von rund eineinhalb Jahren. Ich werde aber alles tun, damit wir noch vor dem Herbst 2023 fertig werden.»

Das oberste Ziel des ganzen Projektes sei die Erhöhung der Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer, teilte Büttiker den 22 Interessierten im Wohler Casinosaal mit, insbesondere die Sicherheit der Velofahrer. Deshalb erhält die K 265 künftig auf der Nutzenbachseite einen eigenen Rad- und Fussgängerweg. Damit wird gleichzeitig eine weitere Lücke im Aargauer Radwegnetz geschlossen.

Auch dem öffentlichen Verkehr soll auf Angliker- und Nutzenbachstrasse der notwendige Platz eingeräumt werden. Am Verursacherknoten Ferro/Coop/Cellpack entsteht ein grosser Kreisel, und vor dem Cellpackgebäude kann man künftig behindertengerecht in beide Fahrtrichtungen in den Bus einsteigen. Der Kreisel sowie die Bushaltestellen auf der Fahrbahn werden dafür sorgen, dass der Verkehr auf der Strasse natürlich gebremst wird.

Nadelöhre werden beseitigt

Dasselbe passiert bei den Knotenpunkten Industrie-/Wilstrasse und Sorenbühlweg, wo mit grosszügigen Linksabbiegestreifen dafür gesorgt wird, dass auch Lastwagen und Schwertransporte ohne Gefährdung für sich und andere in die Angliker- und Nutzenbachstrasse einbiegen können.

Zwei Nadelöhre der heutigen Verkehrsführung werden ab 2023 auch der Vergangenheit angehören: die SBB- und die Bünzbrücke. Erstere wird verbreitert, der Radweg erhöht und die Autofahrbahn tiefergelegt, damit die Normhöhe für Grosstransporte erreicht wird. Letztere wird verbreitert und, wie die Sorenbühlbrücke, verstärkt. So können Schwertransporte problemlos passieren und kreuzen. An den Strassenbaukosten von 25,75 Mio. Franken beteiligen sich Wohlen mit 6,27 und Villmergen mit 4,91 Millionen.