Mit Oldies-Klängen aus einer Jukebox, die aussieht wie das Heck eines Amischlittens, wird man vom Ehepaar Schwegler in Stetten empfangen. Traugi und seine Helena sind Weltenbummler. Es gibt keinen Kontinenten, den sie auf ihren Reisen nicht schon besucht hätten. 2014 haben sie sich den Traum einer grossen Weltreise erfüllt. Sechs Monate liessen sie sich dafür Zeit. Von Vietnam über Australien, Bora Bora im Südpazifik bis Nordamerika, Kanada und zurück nach Europa.

Jetzt beginnt für Traugi de Biker und seine Frau eine Reise durch die fünfte Jahreszeit. Es geht zu den Fasnachtshotspots des Freiamts. Das Programm ist dicht gedrängt und durchgetaktet, denn Traugi wird an der Fasnacht 2018 die Kammergesellschaft als Ehrenkammerer vertreten.

«Das Amt bedeutet für mich in erster Linie eine grosse Ehre und viel Freude. Ich möchte vor allem Junge und Junggebliebene motivieren wieder mehr an die Fasnacht zu gehen, das ist mein erklärtes Ziel. Ehrenkammerer zu sein, ist ein würdevoller Job und bedeutet ein Stück Wohler Kultur und Tradition.» Für Traugi gibt es nicht schöneres als an der Fasnacht mit seinen Kollegen und Bekannten eine riesengrosse Party zu feiern und einen Monat lang voll durchzustarten.

Die Kammergesellschaft Wohlen hat Traugott Schwegler zum neuen Ehrenkammerer gewählt

Die Kammergesellschaft Wohlen hat Traugott Schwegler zum neuen Ehrenkammerer gewählt

  

20 Franken für die Autobahn

Traugi Schwegler kommt aus einer Mechanikerfamilie. Er hat zwanzig Jahre im Aussendienst einer Firma für Fensterbeschläge gearbeitet. Eigentlich wollte Traugi Polizist werden. Er liess sich zu einer Lehre als Bäcker in Lausanne überreden, da diese Ausbildung zu der Zeit die kürzeste war. Er hoffte so, möglichst schnell mit der Polizeischule beginnen zu können.

Mit den harten Seiten des Bäcker-Jobs hatte Traugi jedoch nicht gerechnet, hatte er doch Mühe, jede Nacht um 1.00 Uhr aufzustehen und in die Backstube zu gehen. Er wollte zurück nach Hause und drohte dem Vater sogar, in die Fremdenlegion abzuhauen, dieser liess sich erweichen und holte den Sohn aus dem Welschland zurück. Allerdings mit der Auflage, dass er eine andere Lehre machen müsse.

So wurde er schliesslich Maschinenschlosser. Der Wunsch, Polizist zu werden, rückte in den Hintergrund, weil Traugi in seiner Jugend ein paar unliebsame Begegnungen mit den Ordnungshütern hatte. «Ich habe einmal zwanzig Franken Busse bezahlen müssen, das war damals ein Viertel meines Lehrlingslohnes, nur weil ich eine hübsche Frau auf dem Gepäckträger meines Velos mitnahm.»

Traugi ist heute noch überzeugt, mit jenen zwanzig Franken einen Teil der damals im Bau befindlichen Autobahn Genf–Lausanne mitfinanziert zu haben.

Ein Museum im eigenen Haus

Traugi ist ein passionierter Sammler. Er schleppt Feriensouvenirs ebenso nach Hause wie ganze Motorräder oder Corvettes. Da wundert es nicht, dass jemand, der so viel Benzin im Blut hat, den Ehrenkammerer-Beinamen «...de Biker» bekommen hat.

Das Haus von Traugi und Helena gleicht einem kleinen Museum, ein Sammelsurium von Erinnerungen an schöne Erlebnisse vergangener Zeiten.

Man findet fast alles: Sei es eine Plakette von einem Autorennen auf dem Nürburgring oder jene einer Schneetöffwoche in Kanada, wo Traugi jeden Morgen bei -35 Grad ausfuhr, Nummernschilder aus aller Herren Länder oder ein Zertifikat für einen absolvierten Fallschirmsprung.

Besonders stolz ist der neue Ehrenkammerer auf seine aussergewöhnlichen Touren. 1974 fuhr er mit dem Töff ans Nordkap und zurück, 8000 km auf zum Teil nicht asphaltierten Strassen und sein Roadtrip auf der berühmten Route 66 inklusive Death Valley bei brütender Hitze.

Versprechen wurde eingelöst

Traugi ist ein Vereinsmensch, überall dabei, engagiert und geschätzt. So wundert es nicht, dass seine ehemaligen Klassenkameraden extra das Schulreisli nach Zypern für ihn verschieben, sodass er erst seinen Pflichten als Ehrenkammerer nachkommen kann.

Im Schosse seiner Fasnachtsfamilie fühlt sich Traugi ganz besonders wohl: «Wenn man da mal einen Fuss reingesetzt hat, dann kommt man so schnell nicht wieder raus.» Traugi, ursprünglich ein Dottikoner, lernte am Kammerball 1972 seine Helena kennen und rutschte somit in eine regelrechte Fasnachtsdynastie hinein.

War doch ihr Vater Guschti Michel 22 Jahre lang Präsident der Kammergesellschaft. Traugi musste seinem Schwiegervater damals versprechen, als er um Helenas Hand anhielt, dass sobald die Kammergesellschaft die Statuten bezüglich Wohnort ändert, er einen Antrag zur Aufnahme stellen würde. Gesagt, getan, der Kreis schliesst sich für Traugi de Biker.