Im vergangenen Jahr wurde das «Ruftaxi» in Kallern für vier Monate erprobt, eine Versuchsphase. Danach wurde der Betrieb bis auf weiteres eingestellt, da der Gemeinderat die Ergebnisse auswerten wollte. Im November 2011 wurden an der Wintergmeind ein offizieller Beschluss gefasst: Der Kreditantrag für einen Gemeindebeitrag an das «Ruftaxi» für Kallerer Einwohner von jährlich 10'000 Franken wurde gutgeheissen. 52 Ja-Stimmen, 1 Enthaltung.

Seit 1. Januar 2012 ist das «Ruftaxi» nun in Betrieb - und die Kallerer Gemeindeschreiberin, Cécile Banz, ist zufrieden: «Die Taxis sind gut ausgelastet und werden wirklich genutzt.» Für die Infrastruktur sorgt das Taxiunternehmen Stutz aus Wohlen.

Doch nicht alles läuft rund. Denn eigentlich wäre das «Ruftaxi» ausschliesslich für Einwohner aus Kallern gedacht. Diese bezahlen 5 Franken pro Fahrt ab dem Wohnort, von und zum Bahnhof Wohlen oder Boswil und dies 24 Stunden täglich, 365 Tage im Jahr. Doch: «Leider stellen wir immer wieder fest, dass auswärtige, der Einwohnerkontrolle nicht bekannte, Personen das Ruftaxi benutzen», schreibt die Gemeindeschreiberin in einer Mitteilung.

Gemeinde bezahlt Defizit

Und das ist problematisch. Denn der Kanton bezahlt im laufenden Jahr 50 Prozent an die Kosten, maximal jedoch 5000 Franken an das Projekt, weil Kallern im Freiamt nicht an den öffentlichen Verkehr angeschlossen ist. Die restlichen 50 Prozent bezahlt die Gemeinde. Kostet das Angebot mehr als 10 000 Franken, muss die Gemeinde das Defizit bezahlen. Je mehr auswärtige Bewohner das Taxi rufen und vom Sonderpreis für Kallerer profitieren, desto tiefer muss also die Gemeinde in die Tasche greifen.

Noch hat diese Situation jedoch nicht überhandgenommen: Bis jetzt hat das «Ruftaxi» 334 Fahrten gemacht, 17 Fahrten für Nicht-Kallerer. Sollte sich die Situation jedoch verschärfen, müsste sich die Gemeinde überlegen, wie das Problem gelöst werden könnte. «Das wird sicher an der Herbstgemeinde nochmals diskutiert werden», sagt Banz.

Eine Lösung wäre beispielsweise, bei jeder Fahrt zu kontrollieren, ob der Fahrgast auch wirklich Einwohner von Kallern ist. Das wird bis jetzt noch nicht gemacht. «Eine Lösung braucht es, denn das Dorf ist mit dem öffentlichen Verkehr nicht erschliessbar, der Bedarf ist aber vorhanden», ergänzt Cécile Banz.