Klettnau zählt nur 50 Einwohner, verfügt aber über eine Badi und ein Kino. Und selbstverständlich über alles, was man in einer Gemeinde sonst noch braucht. Im bemerkenswerten Schulprojekt «Üsi Gmeind» haben die Schülerinnen und Schüler der 4. bis 6. Klasse Beinwil nicht nur die eigene Gemeinde genau unter die Lupe genommen, sondern gleichzeitig eine neue, eben Klettnau, mit allem Drum und Dran «erschaffen». Dafür gab es sogar einen Preis.

Klettnau ist buchstäblich auf der «grünen Wiese», einer grossen, grün bemalten Fläche aus Schaltafeln, entstanden. Zwei Berge, ein See und ein Bergsee und eben die grüne Fläche waren die Grundlage, mit denen die beiden Lehrerinnen Angela Birrer und Virginia Trapasso das Projekt angingen. Mit den Schülerinnen und Schülern mussten nun Bauzonen erarbeitet werden und es galt, eine Bauordnung zu erstellen. Im Gemeindegesetz wurde festgehalten, was den Einwohnern in ihrem Dorf wichtig ist. Der Gemeinderat wurde gewählt – Quirin Brun, Seraina Rossini, Jessica Küng, Julia Arzner und Charline Suter schafften den Sprung in die Exekutive im ersten Wahlgang, Suter wurde die erste Gemeindepräsidentin von Klettnau.

In einem anonym durchgeführten Wettbewerb gewann Ronny Villiger mit seinem Vorschlag für ein Gemeindewappen: zwei Berge mit Sonnenaufgang, Kletterpickel und Seilen, denn Klettnau, daher auch der Name, ist ein Kletterparadies und liegt am Wasser. Die beiden Lehrerinnen waren die Gemeindeverwaltung; jedes Baugesuch und jeder Antrag von den Bewohnern musste schriftlich eingereicht werden.

Selbstverständlich wurden im Werken echte Häuser für das Dorf gebaut. Und alle hatten sich für eine berufliche Tätigkeit zu entscheiden. «Bist du blank, komm zur Bank», warb etwa die Bankleiterin an der Präsentation des Projektes vor einem grossen Publikum. «Alle rennen raus, wir rennen rein», war wiederum das Motto der Feuerwehr von Klettnau. Die drei Ärztinnen hatten eine Grippeepidemie mittels Impfungen zu bewältigen, die Coiffeuse machten für schöne Frisuren, die Bauern versorgten die Klettnauer mit Nahrungsmitteln und die Schneiderinnen die Leute mit Kleidern.

«Es hat viele Talente in diesem Dorf», sagte Birrer, die zusammen mit Trapasso auch für die Finanzen verantwortlich war: In Klettnau heisst die Währung «Rugeli», die Einwohner zahlen Steuern und Abgaben, erhalten Strom- und Wasserrechnungen wie anderswo auch.
Nach der Präsentation des Projektes durch die Klettnauer selber konnten sich die Besucherinnen und Besucher im Dorf umsehen, das Museum besuchen und sich beim gemütlichen Teil auch mit Speis und Trank versorgen – die dafür notwendigen «Rugeli» konnten sie zuvor auf der Dorfbank abheben.

Anerkennung durch Stiftung

Mit dem Projekt konnten verschiedene Ziele verfolgt werden. Einerseits befassten sich die Schülerinnen und Schüler mit der eigenen Gemeinde und ihrer Veränderung im Laufe der Zeit, andererseits lernten sie die Nachbargemeinden kennen und erfuhren, wie verschiedene Dörfer zu ihren Namen kamen. Sie erhielten Einblick in die Wechselwirkungen zwischen dem Individuum und der Gemeinschaft und in die Organisation eines Gemeinwesens. Das wurde mit einer finanzielle Unterstützung durch die Schneider-Wülser-Stiftung entsprechend gewürdigt.