Das Gespräch zwischen dem neuen Murimoos-Geschäftsleiter Michael Dubach, seinem zurückgetretenen Vorgänger Hans Däpp und der Präsidentin des Trägervereins, Heidi Schmid, zeigt: Der Neue wird nicht mit dem eisernen Besen durchs Murimoos fegen. Aber er wird Veränderungen vornehmen beziehungsweise vornehmen müssen, genau so, wie es sein Vorgänger vor 15 Jahren getan hat, als er den Job von Fritz Schmid übernommen hat.

«Zuallererst muss ich jetzt alles kennen lernen», sagt Dubach, der seit dem 1. Oktober die Geschäftsführung von Murimoos werken und wohnen hat. Der ehemalige Geschäftsführer des Gemeindeverbandes Pro Zürcher Berggebiet mit der Regionalmarke «natürli» und von Zürioberland Tourismus, Dipl. Ing. Agr. ETH und Executive MBA, kommt, anders als sein Vorgänger Hans Däpp, nicht aus einer sozialen Institution, hat aber das Lehramt abgeschlossen und auch eine Zeit lang als Erwachsenenbildner gearbeitet.

«Wir haben ursprünglich einen Manager mit Erfahrung in einer sozialen Institution gesucht», räumt Schmid ein. Aber jemanden zu finden, der alles zu 100 Prozent abdeckt, habe sich als praktisch unmöglich erwiesen. «Jetzt haben wir einen Manager mit einer starken sozialen Ader», zeigt sie sich zufrieden. Däpp weiss aus Erfahrung, dass es beides braucht: Managementqualitäten und soziale Kompetenzen. «Das Murimoos hat sich zu einem Betrieb entwickelt, der personalintensiv ist und sehr hohe Anforderungen an die Geschäftsleitung stellt: Betreuung der Klienten, Wirtschaftlichkeit der Produktionsbetriebe, Führung der Mitarbeitenden, Entwicklung von Zukunftsstrategien, sich verändernde Rahmenbedingungen», nennt er als Stichworte.

Betrieb stark gewachsen

Das war vor 15 Jahren, als Hans Däpp von Fritz Schmid die Führung des Murimoos übernahm, nicht grundsätzlich anders: «Eine Person war für die Fürsorge und die gesamte Betreuung der Klienten zuständig, das genügte klar nicht und entsprach auch nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen», erinnert er sich. Die Einführung des Betreuungsgesetzes stellte das Murimoos vor eine sehr grosse Aufgabe: «Jeder Kanton hat ein eigenes Betreuungsgesetz mit der entsprechenden Verordnung erlassen. Es war schwierig, mit diesen Rahmenbedingungen klarzukommen und alles mit Klienten aus zehn verschiedenen Kantonen unter einen Hut zu bringen.»

Stark entwickelt haben sich in dieser Zeit die Produktionsbetriebe und die Direktvermarktung. «Allein die Holzproduktion hat den Ausstoss vervierfacht, weil die Nachfrage nach individuell gestalteten Spielplätzen stark zugenommen hat.» Schliesslich prägten die Öffnung des Murimoos nach aussen und die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen die vergangenen Jahre. Das Murimoos ist als Ausflugsziel sehr beliebt geworden, nicht nur, weil es hier viel zu sehen gibt und Tiere hautnah zu erleben sind. Im September wurde zum 85-Jahr-Jubiläum der Institution ein neuer Spielplatz eingeweiht. Der alte erfüllte mit seinen 20 Jahren nicht mehr die heutigen Anforderungen und liegt zu nahe am Wohnbereich der Klienten. Wegen seiner grossen Beliebtheit begann er das Ruhebedürfnis der Klienten zu stören.

Konsolidierung notwendig

Mit neuen Rahmenbedingungen wird sich auch Michael Dubach herumschlagen müssen. Die Stossrichtung des Kantons beispielsweise, Menschen mit besonderen Bedürfnissen weniger in zentralen Institutionen unterzubringen, sondern sie in der normalen Gesellschaft zu integrieren und zu betreuen, wird die Institution Murimoos werken und wohnen weiter herausfordern.

Zudem ist Dubach überzeugt, dass durch das starke Wachstum der Produktionsbetriebe «eine gewisse Konsolidierung notwendig ist und ebenso eine Verstärkung der jetzt schon guten Strukturen.» Er will den Mitarbeitenden, die sich in 26 verschiedene Berufsgattungen aufteilen, zeigen, dass die anstehenden Aufgaben eine Chance für alle sind, dass es sich lohnt, die Institution gemeinschaftlich und gesamtheitlich weiterzuentwickeln. «Das alles ist hoch spannend und macht Spass, sich darauf einzulassen.»

Extern wohnen

Anders als früher ist auch, dass der neue Geschäftsleiter nicht im Murimoos wohnt. «Bei mir war das noch Gegenstand meines Anstellungsvertrages, vor 15 Jahren war es unvorstellbar, dass der Direktor nicht im Murimoos wohnt», sagt Däpp. Er findet es allerdings richtig und gut, dass diese Pflicht wegfällt. «Wenn man hier wohnt, ist man irgendwie ständig in der Arbeit. Ich habe eine gewisse Distanz zum Betrieb manchmal schon vermisst.»

Komme hinzu, dass heute das Murimoos für alle wichtigen Bereiche über Pikettdienste verfügt, sodass die permanente Anwesenheit des Geschäftsleiters nicht nötig ist. Für Dubach sind genau diese Erfahrungen der Grund, ausserhalb des Betriebs ein Haus für seine Familie und sich zu suchen. «Mit den heutigen Kommunikationsmitteln ist man zudem immer und überall erreichbar.» Bei der Wohnungssuche in der Region ist er jetzt «auf der Zielgeraden», wie er lachend sagt.

Was mit dem Wohnhaus geschieht, das bisher vom Direktor bewohnt wurde, ist noch nicht geklärt. «Es bestehen verschiedene Ideen für die zukünftige Nutzung», erklärt Heidi Schmid. Eine externe Vermietung komme aber eher nicht infrage.