Tag des Schweizer Biers
Das meiste Freiämter Bier wird in der Stadt Zürich getrunken

Kleinbrauereien haben es nicht einfach in der Region. Um gegen die grosse Konkurrenz wie Feldschlösschen und Eichhof bestehen zu können, muss die Nachfrage nach lokalen Produkten angeheizt werden. Die Braumeister sehen erheblichen Aufholbedarf.

Dominic Kobelt
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Otto Sorg von der Brauerei Erusbacher in Villmergen macht den grössten Absatz in Zürich.

Otto Sorg von der Brauerei Erusbacher in Villmergen macht den grössten Absatz in Zürich.

Dominic Kobelt

Das Freiamt hat zwei Bezirke und drei Brauereien. Eigentlich nicht schlecht, möchte man meinen. «Man redet zwar davon, dass Kleinbrauereien im Trend sind, aber im Freiamt spüren wir das nicht», sagt Robert Wettstein von der Brauerei Lindenberg Bräu.

«Wir haben guten Erfolg mit Events wie Brauereibesichtigungen, der Absatz dagegen stagniert. Würden wir nur Bier verkaufen, hätten wir schon lange schliessen müssen.»

Die Freiämter Brauerei am Lindenberg ist im 8. Betriebsjahr. Wettstein schätzt, dass der Markt für regionale Produkte im Freiamt generell schwierig sei. «Auch von lokalen Gemüse- oder Käseproduzenten habe ich schon ähnliche Probleme gehört. In anderen Gebieten reissen die Kunden den Produzenten regionale Produkte fast aus der Hand.»

In der Gastronomie gebe es grosse Unterschiede, sagt Wettstein. «Wenn ein Wirt Freude am Bier hat und auch im Service arbeitet, dann klappt das.» Das Problem: Die Zapfhähne gehören meist den grossen Brauereien.

«Wir liefern unser Bier in Flaschen. Wenn ein Gast eine Stange bestellt, dann bekommt er Offenausschrank. Wenn die Bedienung nicht aktiv auf die Alternative hinweist, versauern die Flaschen in der Theke.»

Tischsteller, Plakate, Bierdeckel mit den verschiedenen Sorten – der Brauereibetrieb hat schon vieles probiert, um Werbung zu machen, mit mässigem Erfolg. «Nichts hat merklich genützt.» Erfolgreich sei nur die mündliche Werbung des Servierpersonals.

Auch über den Detailhandel ist der Absatz nicht einfacher. «Im Volg in Muri verkaufen wir gut, wir hätten deshalb gerne an alle Volg-Läden in der Region geliefert.» Das sei aber abgelehnt worden.

«Die Landi hat halt ein Eigenprodukt, das Farmerbier», sagt Wettstein und vermutet, dass die Landi ihr Eigenprodukt nicht zu stark konkurrenzieren will.

Mehr oder weniger Sorten?

Weil der Absatz stagniert, ist man mit der Anzahl Sorten zurückgefahren, von ursprünglich neun auf mittlerweile vier.

Den umgekehrten Weg geht Otto Sorg von der Brauerei Erusbacher in Villmergen. «Es sind spezielle Biersorten gefragt, nicht das 08/15-Bier – das Hauptargument ist der Geschmack. Es ist eine neue Schicht Biertrinker entstanden.»

Demgegenüber meint Wettstein: «Leider muss für viele Konsumenten ein Bier schmecken wie Feldschlösschen oder Eichhof.»

Einig sind sich die beiden Brauer darin, dass in der Region ein «erheblicher Nachholbedarf» besteht: «Unser Hauptabsatzgebiet ist die Stadt Zürich. Allerdings ist es auch hier in den letzten Jahren besser geworden», sagt Sorg. Er sei insgesamt sehr zufrieden, die Villmerger Brauerei wachse seit Jahren.

Martin Schindler, Braumeister bei der Starrest GmbH, die die regionalen Bierspezialitäten Seis Bier und Lonzi Bier herstellt, sieht kleine Brauereien im Kommen. Im Gegensatz zu den anderen Brauereien ist Starrest eine Lohnbrauerei, die Biere für Kunden produziert.

Auch Schindler stellt aber fest, dass es für die kleinen Brauereien schwierig ist, einem Gastronomiebetrieb Bier für den Offenausschrank zu liefern. «Die Beizer haben meistens Verträge mit den grossen Brauereien. Diese könnten sie eigentlich künden, aber oft laufen die Verträge stillschweigend weiter.»

Trotzdem sieht er eine positive Tendenz: «Die grossen Brauereien versuchen die Wirte mit diesen Verträgen auch möglichst zu binden, weil sie merken, dass wir aufholen», ist er überzeugt.

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