Freiamt
Das lokale Nachtleben: Zum «eis go trinke» sehr gut, zum Tanzen schlecht

Wohlen Die az-Freiamt-Praktikantin Lisa Stutz (19) und der az-Stagiaire Dominic Kobelt haben im grossen Test des Freiämter Nachtlebens Clubs und Bars unter die Lupe genommen.

Lisa Stutz und Dominic Kobelt
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Im «Ibarus» trafen sich die einen auf einen Kaffee, die anderen auf Wodka/Redbull.
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Pumpenvolle «Flora», kontaktfreudige Gäste.
In der Zanzibar trauten sich zwei alleine aufs Tanzparkett.
Das Picadilly Pub wird der Bezeichnung «Irish Pub» gerecht.
Club «Revolution»
Das Nachleben im Freiamt

Im «Ibarus» trafen sich die einen auf einen Kaffee, die anderen auf Wodka/Redbull.

Werden wir uns zur neusten Klubmusik die Füsse wundtanzen? Oder in einem kleinen, urchigen Pub sitzend am meisten Spass haben? Feiern wir ohne Halt bis in den Samstagmorgen hinein? Oder gehen wir schon um 24 Uhr nach Hause, weil in Wohlen so gar nicht der Bär steppt? Noch ist alles offen, der Abend jung. Als Start für den grossen Test des lokalen Nachtlebens haben wir die Bar Ibarus ausgesucht.

Um punkt zehn Uhr treffen wir uns, im Lokal befinden sich knapp ein Dutzend weitere Gäste. Wir trinken Bier, Eve und Eistee. Im Hintergrund läuft leise Musik, um uns herum sind rege Gespräche im Gange. Am Tisch vis-à-vis wird Kaffee getrunken, an dem daneben Wodka/Redbull. Einen solchen Kontrast an Getränken sieht man im Ausgang nicht häufig. Hier gastieren zwei Arten von Leuten: Die einen lassen im Ibarus den Freitagabend ausklingen, die anderen nippen hier am ersten Drink, um nachher weiterzuziehen. Für beides ist das Ibarus bestens geeignet. Heute Abend entscheiden wir uns natürlich für Letzteres: Nach dem Bezahlen (alles zusammen macht 14 Franken) begeben wir uns in das gegenüberliegende Piccadilly Pub.

Bier in 15 verschiedenen Sorten

Hier sind wir schon ein bisschen mehr «im Ausgang». Viele, vor allem jüngere, Leute sitzen zusammen, lachen laut und trinken etwas. Wie im «Ibarus» steht auch hier die Musik nicht im Mittelpunkt. «Smoke on the Water» läuft leise im Hintergrund. Das Ambiente entspricht absolut einem «Irish Pub». Es werden 15 verschiedene Sorten Bier angeboten, auch die Auswahl an Whiskeys ist gross. Neben unserer Sitznische hängt ein Blatt an der Wand, auf dem der «Kafi Schneehäsli» (Café, Caramelwodka und Rahm) angepriesen wird. Wir entscheiden uns dann aber doch für Cuba Libre, Baileys und Bier. In der Karte entdecken wir, dass man am Wochenende bis 1 Uhr morgens warm essen kann – ein grosser Pluspunkt. Im oberen Stock des Lokals befindet sich ein Raucher-Raum, in dem oft Fussballmatchs übertragen werden. Heute läuft aber keiner. Als wir aufbrechen, würden wir gerne noch länger im «Pic», wie das Piccadilly Pub im Dorf genannt wird, bleiben. Inzwischen ist jedoch 23 Uhr. Die nächste Station heisst «Flora».

Keine Hunde am Freitagabend

Ein Zettel an der Eingangstüre stellt klar: «Freitagabend keine Hunde erlaubt». Gut zu wissen, wir schmunzeln und treten ein. Die «Flora» ist pumpenvoll. An der Bar und an Tischen haben es sich viele ältere und junge Leute gemütlich gemacht. Die lauten Stimmen und das Gejohle lassen erahnen, dass heute Abend schon eine Menge Alkohol geflossen ist. Der geräumige Raucherraum erinnert an eine Art verrauchte Spielhölle. Die Dartscheibe und der Flipperkasten werden rege genutzt. An der Wand hängen viele gerahmte Bilder, ein Harley-Davidson-Foto befindet sich gleich neben der Abbildung von Winnie the Pooh. Die Musik ist etwas lauter, aber getanzt wird nicht. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Bars kommt es einem hier vor, als würden sich alle Gäste kennen. Erstmals an diesem Abend kommen wir mit anderem «Ausgangsvolk» in Kontakt, die Besucher der «Flora» haben offensichtlich keine Hemmungen, fremde Leute anzusprechen. Als Nächstes gehen wir in die Shisha-Bar El Hale beim Bahnhof.

Shishas vom Personal serviert

Das kleine Lokal ist arabisch eingerichtet. Auf den Tischen stehen Wasserpfeifen, die vom Personal serviert werden. Man kann sich zwischen zwölf verschiedenen Tabaksorten entscheiden. Auch hier hält das Ambiente, was die Bezeichnung der Bar verspricht. Wir fühlen uns ein wenig in den Orient versetzt, auch die anderen Gäste erinnern an ferne Länder. Das schummrige Licht trägt zu einer entspannten Atmosphäre bei, wir sitzen gemütlich auf weichen Kissen. Nach einer Weile, es ist nun halb eins, bekommen wir Lust auf Tanzen. Zum Glück ist der Club Revolution (früher Don Paco) nicht weit entfernt.

Schon die wenigen Jacken in der Garderobe beim Eingang lassen es vermuten: Hier hat es fast keine Gäste. Als wir die grosse Treppe hinuntergehen, die zur Bar und zur Tanzfläche führt, erwarten uns zwar eine Lichtshow und ein engagierter DJ, aber leider auch gähnende Leere. Nur zwei etwa 18-jährige Jungs tanzen vor dem DJ-Pult – sie scheinen sich nicht davon irritieren lassen, dass sie fast alleine im Club sind. In der Raucherlounge befinden sich nochmals zwei Männer. Wir fühlen uns etwas unbehaglich: Eigentlich wollten wir tanzen, aber mit so wenig anderen Leuten kommt bei uns trotz lauter Musik und Disco-Licht keine Stimmung auf. Schade, dass hier nichts läuft, denken wir, denn das «Revolution» ist der einzige richtige Club in Wohlen. Nach kurzer Zeit kommt der Betreiber des Lokals auf uns zu. Er erklärt: «Wir haben gerade erst neu eröffnet, nun haben wir halt eine schwierige Anfangsphase.» Ausserdem habe sein Vorbesitzer dem Club einen sehr schlechten Ruf verschafft. «Bald wird der ‹Revolution›-Club durchstarten», ist er sicher. Nachdem wir ihm alles Gute für seine Disco wünschen, ziehen wir weiter. Es ist nun ein Uhr. Unsere nächste Destination heisst: Zanzibar.

Ein Nickerchen im Lokal

Hier hat es zwar schon mehr Gäste, aber von vollem Haus kann auch nicht die Rede sein. Die House-Musik ist so laut, dass man sich nicht in normaler Lautstärke unterhalten kann. Tanzen tut aber auch niemand. Die meisten Gäste sitzen an der Bar, wo sie etwas trinken oder miteinander schwatzen. Eine Gruppe Jugendlicher hat es sich auf einem der grossen Sofas gemütlich gemacht. Wir trinken Wodka/Redbull und Bier. Mich überkommt das Gefühl, dass hier schon irgendwie die Luft raus ist. Dass auf der Couch gegenüber gerade einer eingenickt ist, bestätigt diesen Gedanken. Wir lachen und stossen auf unseren Ausgangtest-Abend an. Um 1.50 Uhr beginnt das Personal, die Stühle auf die Tische zu befördern und die Bar zu putzen. Um 2 Uhr stellt die Musik ab, alle müssen nach Hause. Denn viel anderes kann man in Wohlen um zwei Uhr in der Nacht nicht mehr machen.

Für jeden eine Bar im Angebot

Auf dem Heimweg lassen wir den Abend Revue passieren. Unser Fazit: Wohlen hat ein paar wirklich gute Bars und Kneipen anzubieten, wovon für jeden, ob älter oder jünger, ob Biertrinker, «Gsprützte-Wisse»-Trinker oder Shisha-Raucher, etwas dabei ist. Diese Angebote werden von den ausgangsfreudigen Wohler und Wohlerinnen auch rege genutzt. Woran es aber hapert, sind Orte, wo man sich die Seele aus dem Leib tanzen kann. Wo man zur Musik mitsingen kann und dafür nicht von anderen Gästen komisch beäugt wird. Es fehlt eine In-Disco, die an jedem Wochenende zu einem beliebten und gut besuchten Treffpunkt wird. Davon träumen wir nach der Ausgangsnacht.