Fischbach-Göslikon

Das letzte grosse Bauernhaus – hier wird die «Ruine» dem Erdboden gleichgemacht

Der Abrissbagger frisst das letzte grosse Bauernhaus in Fischbach-Göslikon.

Der Abrissbagger frisst das letzte grosse Bauernhaus in Fischbach-Göslikon.

Es war einst ein stolzes Bauernhaus, das über die Jahrzehnte aber immer mehr verfallen ist. Jetzt wird der Schandfleck von Fischbach-Göslikon beseitigt.

«Als wir vor 36 Jahren ins Dorf gezogen sind, hat auf dem Dach ein Ziegel gefehlt, etwas später waren es dann drei und schliesslich verfiel die Liegenschaft immer mehr», erzählt eine Nachbarin. Sie hat den Verfall der «Ruine», wie das einst stattliche Bauernhaus in Fischbach-Göslikon in den letzten Jahren genannt wurde, hautnah miterlebt.

«Irgendwie finde ich es schade, dass das Gebäude jetzt abgebrochen wird. Aber es muss sein. Immer wieder haben sich dort Jugendliche aufgehalten und gefestet. Sie waren sich der Gefahren des morschen Hauses wohl nicht bewusst», sagt die Nachbarin weiter. Schön finde sie, dass Roman Stierli, der letzte Bewohner, bis zu seinem Tod vor einem Jahr hier habe leben dürfen. «Er hat sich immer gewünscht, hier zu sterben.»

Dafür hat Stierli, der knapp 80 Jahre alt geworden ist, einiges auf sich genommen: «Im Haus gibt es seit ein paar Jahren keinen Strom mehr. Er wurde abgestellt, weil wegen des undichten und teilweise eingestürzten Dachs die Gefahr eines Kurzschlusses zu hoch gewesen ist», weiss Walter Stierli, ebenfalls Nachbar und ehemaliger Gemeindeammann.

Ältestes Gebäude im Dorf

Das 1593 erbaute Gebäude war der letzte grosse Bauernhof im Dorf. Laut Walter Stierli ist es auch das letzte Haus, das an die alte Sage vom verspielten Wald erinnert:

Danach lebten im heutigen Dorfteil Fischbach früher lediglich die drei Brüder Seiler. Joachim, der Älteste, wettete mit Ratsherren aus Bremgarten um sein Bauernhaus und die Waldung. Wer ihm innert dreier Stunden Silberpfennige aus Zürich bringe, bekomme seinen Besitz. Die Ratsherren machten Joachim betrunken und schickten sofort einen Reiter. Als Joachim wieder nüchtern war, stand der Gesandte mit den Silberpfennigen vor ihm. Die Wette und somit auch der Fischbacher Wald waren verloren. Was Joachim nicht wusste: Die Ratsherren hatten, während er schlief, seine Uhr zurückgestellt.

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Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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