Stiftung
Das kulturelle Rückgrat Bremgartens

Vor 25 Jahren wurde in Bremgarten die Kulturstiftung Dora und Dr. Hans Weissenbach gegründet. Ein Geschenk für die Stadt aus Dankbarkeit.

Christian Breitschmid
Drucken
Teilen
Dora Weissenbach zeigt ihr Erinnerungsfoto vom Tag der Stiftungsgründung: am 20. März 1993, mit Sohn und Ehemann vor dem Zeughaussaal in Bremgarten.

Dora Weissenbach zeigt ihr Erinnerungsfoto vom Tag der Stiftungsgründung: am 20. März 1993, mit Sohn und Ehemann vor dem Zeughaussaal in Bremgarten.

Christian Breitschmid

Der Name Weissenbach gehört zu Bremgarten wie der Spittelturm; und die Symbolkraft des historischen Baus spiegelt sich wider im Wirken der Verlegerfamilie, deren Wurzeln mindestens so weit in die Stadtgeschichte zurückreichen wie jene des Turms. Der Turm war einst ein Teil der Stadtbefestigung und das Eingangstor zur Oberstadt. Wer ihn passierte, hatte es geschafft – Stadtluft macht frei. An die Südseite des Turms schmiegte sich das Spital, der Ort, an dem den Bürgern der Stadt geholfen wurde, wenn sie von Krankheiten oder vom Leben schlechthin gebeutelt waren.

«Wir wollten dieser Stadt und ihren Menschen etwas zurückgeben», erinnert sich Stiftungsgründerin und -rätin Dora Weissenbach. «Es geschah aus Dankbarkeit dafür, dass wir unsere Zeitung und die Druckerei im richtigen Moment verkaufen konnten. Ein halbes Jahr später stürzte die Börse total ab.» Ob die Idee, eine Kulturstiftung zu gründen, von ihrem Mann oder von ihr selber kam, das weiss Dora Weissenbach nicht mehr mit Sicherheit. Dafür wird sie nie mehr vergessen, wie alles begann: «Die Wurzeln unserer Stiftung gehen auf die erste Begegnung mit meinem Mann zurück, anlässlich eines kulturellen Anlasses in unserer Stadt, nämlich einer Bildervernissage in der Galerie Marie und Erich Russenberger. Wir beide waren treue Besucher dieser Kulturstätte. Da wir die ersten Besucher dieses Anlasses waren, hatte Frau Russenberger Zeit, uns einander vorzustellen. Gemäss meiner spontanen Art, wandte ich mich mit folgenden Worten an meinen späteren Ehemann: ‹Herr Doktor, Sie sind gut angezogen!› Er trug ein rotes Hemd, eine weisse Krawatte und einen dunkelblauen Samtveston.»

Dreiklang der Künste

Aus dieser ersten Begegnung mit Hans Weissenbach, dem Erben der Buchdruckerei und des Verlages des «Bremgarter Bezirks-Anzeigers» entwickelte sich eine Liebe, die mit der Hochzeit, 1977, und der Geburt des gemeinsamen Sohnes, 1983, gekrönt wurde. Eines, wenn nicht das verbindende Element ihrer Beziehung, war die gemeinsame Liebe zu den Künsten. Hans Weissenbach war Mitglied des Orchestervereins Bremgarten und ein ausgezeichneter Geiger. Dieses Talent hat er offensichtlich an seinen Sohn weitervererbt. Ferdinand spielt in verschiedenen Orchestern auf professionellem Niveau Violine. Daneben studiert er Politologie und arbeitet als Journalist, unter anderem für den Bremgarter Bezirks-Anzeiger. Gemeinsam mit ihren beiden Männern trat Dora Weissenbach auch gerne im Trio auf. Sie spielt Blockflöte und als Kolumnistin auch sehr gerne mit Worten: «In meiner Studienzeit an der Sorbonne habe ich gelernt, dass die Position eines Wortes in einem Satz die Aussage massgebend beeinflusst, egal ob das Französisch ist oder Deutsch.»

Auftrag an nächste Generation

Sie besuchten zusammen Theater, Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und schufen selbst Beiträge zur Kultur. 2002 verstarb Hans Weissenbach. Aber die 1993 im Bremgarter Zeughaussaal gegründete Kulturstiftung Dora und Dr. Hans Weissenbach lebte weiter. Dora und Sohn Ferdinand sind im Stiftungsrat. Zusammen mit fünf weiteren Räten bestimmen sie, welche kulturellen Anlässe oder Organisationen in Bremgarten, mit welcher Summe unterstützt werden. «Dafür kommen nur Veranstalter aus Bremgarten infrage», bekräftigt Dora Weissenbach. «Anträge anderer Anbieter werden abgelehnt.» Sehr wichtig ist der 72-Jährigen der direkte Kontakt mit den Kulturschaffenden. Etwa mit ihren Nachbarn, den Leuten vom KuZeB: «Wenn ich im Garten Blumen schneide, bringe ich gerne mal einen Strauss rüber und spreche mit ihnen über ihre Arbeit. Es ist toll, was die alles machen.» Nun hofft sie, dass ihr Sohn den Stiftungsauftrag auch in den nächsten 25 Jahren mit Freude erfüllt.