Boswil
Das Kloster Muri war Hauptkunde der Wyssebacher Sagi

Am Schweizer Mühlentag lässt der Boswiler Säger Martin Köchli für die Öffentlichkeit das Sägeblatt sausen. Die Wyssebacher Sagi wurde vor gut zehn Jahren renoviert.

von eddy schambron
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Martin Köchli sägt in der Wyssebacher Sagi wie in früheren Zeiten Holzstämme.

Martin Köchli sägt in der Wyssebacher Sagi wie in früheren Zeiten Holzstämme.

zvg

Über 100 historische Mühlen öffnen am Samstag ihre Pforten zum Schweizer Mühlentag, eine davon im Freiamt. Die Wyssebacher Sagi Boswil zeigt, wie früher mit Wasserkraft Holz gesägt wurde. Von 9 bis 16 Uhr werden Führungen angeboten, bei denen man dem Säger Martin Köchli über die Schultern blicken kann. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Fachgerecht renoviert

Die Wyssebacher Säge ist in den Jahren 1999 bis 2003 vom Verein Wyssebacher Sagi mit Unterstützung der kantonalen Denkmalpflege und einer grossen Zahl von Gönnern und Sponsoren fachgerecht renoviert worden. Sie steht heute als Industriedenkmal von nationaler Bedeutung unter Schutz. Sie ist der Öffentlichkeit zugänglich und wird regelmässig betrieben. Erstmals urkundlich erwähnt wurde eine Mühle am Weissenbach vor ungefähr 600 Jahren. Ihr angeschlossen war, wie in jenen Zeiten oft üblich, eine Säge.

Da die Mühle im Jahresverlauf unterschiedlich ausgelastet war, konnten mit der Säge flauen Zeiten überbrückt, das heisst die Arbeitskräfte auf dem Betrieb und die Wasserkraft besser genutzt werden. Der Mühlenbetrieb wurde vor mehr als 100 Jahren aufgegeben und die Einrichtungen abgebaut. Die Säge aber blieb in Betrieb. Von der ehemaligen Mühle zeugen heute noch Spuren am und im ehemaligen Mühlengebäude unterhalb der Säge.

Verein gegründet

Bis vor ungefähr fünfzehn Jahren war die Sagi ein Nebengewerbe des historischen Mühlenhofes. Gebäude und Einrichtungen waren aber baufällig geworden, sodass die Säge stillgelegt werden musste. Eine Reparatur kam aus wirtschaftlichen Gründen nicht infrage. Um aber dieses gewerbliche Kulturprojekt aus vorindustrieller Zeit der Nachwelt zu erhalten, suchte die Eigentümerfamilie Martin Köchli-Bernet nach neuen Wegen. Daraus resultierte die Gründung des Vereins Wyssebacher Sagi, der die Renovation der Sagi schliesslich möglich machte.

Für interessierte Gruppen führt der Verein regelmässig Führungen und Vorführungen der mit einem Wasserrad angetriebenen Sagi durch. Gesägt wird nicht nur bei den Vorführungen, sondern auch im Lohnauftrag. Der Erlös aus diesen Aufträgen wird für den Unterhalt der Wyssebacher Sagi verwendet.

Kloster Muri mit grösseren Posten

Die Wyssebacher Sagi schnitt in früheren Zeiten für die Bauern der näheren und ferneren Umgebung Nutz- und Bauholz. Der bedeutendste Kunde war das Kloster Muri. Aus den Zinsbüchern geht hervor, dass grössere Posten nicht nur gesägt, sondern zum Teil auch in den Klosterwaldungen gerüstet, auf die Säge geführt und aufgrund von Holzlisten der Klosterverwaltung gesägt wurden.

Sagi Wyssebach, Boswil, Samstag, 31. Mai, 9 bis 16 Uhr Führungen und Sägebetrieb, mit Verpflegung.