Gespannt sehen die Schüler zu, was der Lehrer auf die Tafel schreibt - keine gewöhnliche Tafel, sondern ein Art riesiges Touchscreen. Indem er auf ein Bild drückt, startet er eine Animation, er markiert, zoomt oder ruft Dateien aus dem Internet auf. Aufgaben schickt er den Schülern direkt auf ihre Laptops. Auf seinem Bildschirm überwacht er die Schüler und erlaubt oder verbietet ihnen Programme und Internetseiten.

Wer den besten Lösungsweg gefunden hat, muss nicht extra nach vorne kommen. Per Mausklick kann der Bildschirm des Schülers direkt auf die Wandtafel übertragen werden. Wem die interaktive Lektion zu schnell voran ging, der kann sich den gesamten Inhalt auf einen USB-Stick speichern und zu Hause nochmals durchgehen.

Auf Prüfungsresultate müssen die Schüler nicht mehr wochenlang warten. Mathematikprüfungen wertet das System innert Sekunden aus. Der Lehrer sieht, bei welchen Aufgaben die Lernenden besondere Mühe bekundeten und erklärt die entsprechenden Lösungswege. So könnte die alltägliche Zukunft in den Klassenzimmern aussehen - in Sarmenstorf ist dies bereits Realität. Dank des Projektes «Classroom in a Box» profitieren die Schüler von den digitalen Vorteilen. Am Dienstagabend waren Behördenvertreter eingeladen, das Klassenzimmer der Zukunft zu testen.

Technisches Wissen ist gefragt

«Für mich war immer klar, dass die Schüler den Umgang mit Computern lernen müssen», erklärt der Lehrer Stefan Peterhans seine Motivation. Er unterrichtet Abschlussklassen und stellt deshalb die Vorbereitung auf das Berufsleben in den Mittelpunkt. «Die Schüler sind der Schule teilweise weit voraus, wir müssen uns vorwärts bewegen», ist Peterhans überzeugt.

Er spielt damit auf die digitale Welt an, in der sich die Jugendlichen vor und nach dem Unterricht bewegen. «Für sie ist vieles normal, mit dem wir uns schwer tun.» Den richtigen Umgang mit den neuen Medien zu vermitteln sei wichtig, meint Peterhans und bringt eine treffende Anekdote: «Wenn ein Kind nahe am Meer wohnt, muss man ihm schwimmen beibringen, und nicht eine Schutzmauer rund ums Haus bauen - denn irgendwann lernt es klettern.»

Für die Schüler sei das neue interaktive Whiteboard auch kein Fremdkörper im Schulzimmer gewesen. «Sie gingen sofort darauf zu und begannen damit zu arbeiten. Bald schon zeigten sie mir Funktionen, die ich selber noch nicht kannte.» Eine Einarbeitungszeit sei nötig gewesen, nun spare er aber Zeit.

«Ich brauche kein Videogerät, keinen Fernseher und keinen Hellraumprojektor mehr.» Er hält aber auch fest: «Schlechter Unterricht wird damit nicht zum guten Unterricht - aber wenn wir die Hilfsmittel sinnvoll einsetzen, sind wir viel näher bei den Schülern.»

Lehrer müssen sich weiterbilden

Dass die Technik nur ein Hilfsmittel und kein Unterrichtsersatz ist, betont auch Zorica Savovic, Sprecherin der Firma Nova, die die Produkte als Paket verkauft. «Es genügt nicht, ein Smartboard ins Klassenzimmer zu stellen. Es braucht Training.» Dem stimmen auch die Lehrer zu. Zwar sei die interaktive Wandtafel einfach zu benutzen - wenn man aber alle Funktionen ausreizen möchte, sei eine Schulung unumgänglich.

Peter Mathis unterrichtet in Affoltern am Albis, arbeitet seit Jahren mit dem «interactive whiteboard» und bildet für Novia auch andere Lehrer auf den Geräten aus. Er hat vor Jahren im Ausland die neue Technik erlebt und sich darauf hin aus eigenen Mitteln das erste Smartbord der Schule finanziert. Diese habe dann doch bezahlt, weil sie den Nutzen erkannt habe. «Unterricht muss vielseitig und zeitgemäss sein. Um die Schüler auf das lebenslange Lernen vorzubereiten, braucht es moderne Technik», sagt Mathis. Viele Schüler hätten dadurch wieder mehr Freude am Unterricht.

«Das Wissen entwickelt sich so schnell weiter, und ich soll mit 30-jährigen Büchern arbeiten?» fragt er. Und der Lehrer geht noch weiter: «Wer sich dem verwehrt und unterrichtet wie im letzten Jahrhundert, sollte besser damit aufhören.» Anhand einer Probelektion zeigt Mathis, wie sein Unterricht aussieht. Bewegte Bilder und interaktive Aufgaben, aber auch eine grosse Mitarbeit der Lernenden unterscheiden die Lehrmethode vom gewöhnlichen Frontalunterricht. Einen Teil müssen die Schüler aber doch noch auf Papier schreiben. «Eine schöne Schrift ist wichtig», meint Mathis.