Mühlau
Das Kirchenarchiv bietet spannende Einblicke in die Vergangenheit

Der Historiker Josef Kunz hat Dokumente aus dem Kirchenarchiv in Mühlau gesichtet und geordnet. Die älteste Urkunde stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Verena Schmidtke
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Viele Zuhörerinnen und Zuhörer am Vortrag von Josef Kunz.

Viele Zuhörerinnen und Zuhörer am Vortrag von Josef Kunz.

Verena Schmidtke

Ein leises Raunen geht durch den Gemeindesaal in Mühlau, als Historiker und Archivar Josef Kunz die früheste Urkunde des Kirchenarchivs vorstellt. Diese ist aus dem Jahr 1662 zur Konsekration, also Weihung der St. Anna Kirche und damit ein wertvolles Stück Gemeindegeschichte. Wer denkt, Archive und Geschichte sind staubtrocken, der irrt.

Der Weg zum geordneten Archiv

Wie es zur Aufarbeitung des Kirchenarchivs kam, berichtete Claudia Burkard-Theiler, die Präsidentin der Kirchenpflege. Seit 2015 gelte eine neue Archivverordnung, wonach Unterlagen sachgerecht nach einem bestimmten System zu ordnen seien. «Dafür gibt es auch eine 24 Seiten umfassende Anleitung», führte sie aus, «aber für einen Laien ist es dennoch etwas schwierig.»

Umso glücklicher sei die Kirchengemeinde, dass sie Dr. Josef Kunz aus Villmergen für diese Aufgabe gewinnen konnte. Zusammen mit Pius Affolter, der das Sekretariat des Pfarramtes betreut, machte sich der Historiker im November 2017 ans Werk. Nach bestimmten Vorgaben sortierten und ordneten sie die Dokumente, die nun in speziellen säurefreien Schachteln im Pfarrhaus verwahrt sind. Ein übersichtliches Register hilft bei der Suche nach Unterlagen.

Ein Stück Erinnerungskultur

Am Dienstagabend präsentierte Josef Kunz kurzweilig Geschichtliches aus dem Archiv und betonte dessen Wichtigkeit. «Die Dokumente zeigen die Entwicklung der Pfarrei. Wie die Zeiten sich ändern, wird sichtbar», erklärt er. Es gehe dabei auch um Erinnerungskultur und Wurzeln, schliesslich könne so ein Archiv hilfreich bei der Familienforschung sein. Im Archiv gebe es Ehe- und Totenbücher ab dem Jahr 1880.

Auch für die Kirchengemeinde selbst sind die Einblicke in die Geschichte interessant. Bis weit ins 19. Jahrhunderte gehörte Mühlau zur Pfarrei Sins, erst nach vielen Verhandlungen, Protesten und Klagen erfolgte 1880 die Trennung. All dies ist dokumentiert. Genauso wie die unterschiedlichen Kirchbauten im Laufe der Jahrhunderte, die heutige Kirche im Stil des Historismus konnte 1856 eingeweiht werden, nach und nach erfolgte der Innenausbau.

Ebenfalls ein wichtiges Erinnerungsgut ist die bereits erwähnte Urkunde aus dem Jahr 1662, darin wird die Weihung der St. Anna Kirche durch den Bischof festgehalten. Josef Kunz zeigt in seiner Präsentation Bilder des Dokumentes und die Transkription, denn die Schrift des 17. Jahrhunderts ist schwer zu entziffern.

Nach dem Vortrag erklärte Pius Affolter, wie lehrreich und interessant die Zusammenarbeit für ihn gewesen sei. «Wir waren ein gutes Team», stellt er fest. Neuere Akten könne er nun ohne Probleme in das erstellte Register einpflegen. Zum Abschluss dankte Kunz besonders Pfarrer Danam Yammani: «Wenn er den Eindruck hatte, dass wir allzu staubbedeckt waren, lud er uns zu einem Kaffee ein.»