Unterlunkhofen
Das Kelleramt rückt mit der neuen Buslinie näher an Zürich

Seit gestern Morgen ist man in 30 Minuten am Bahnhof Enge – ein Meilenstein.

Malte Aeberli
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Roger Cébe nimmt für einmal hinter dem Steuer der neuen Linie 333 nach Oberwil-Lieli Platz: «Wenn der Bus fährt, muss ich leider hinten sitzen.»Malte Aeberli

Roger Cébe nimmt für einmal hinter dem Steuer der neuen Linie 333 nach Oberwil-Lieli Platz: «Wenn der Bus fährt, muss ich leider hinten sitzen.»Malte Aeberli

Malte Aeberli

Montagmorgen, 6 Uhr früh. Es ist stockfinster und eiskalt. In der Dunkelheit begrüssen Gemeindeammann Roger Cébe und Chauffeur Thomas Wicki die ersten Fahrgäste auf der neuen Buslinie 333 von Unterlunkhofen nach Oberwil-Lieli.

Die Reihen sind nur spärlich besetzt. Dennoch: «Die Stimmung auf der Jungfernfahrt war gut und pünktlich waren wir auch», sagt Thomas Wicki. Auch Roger Cébe hat die erste Fahrt gefallen. «Ich fahre sonst nie öV, aber wenn ich fahre, dann schwarz», sagt er mit einem Augenzwinkern. Trotz allem, das Angebot wird an diesem Morgen nur von einer Handvoll Passagieren genutzt.

Damit hatten die Verantwortlichen allerdings gerechnet. «Die neue Linie ist wohl bei vielen noch nicht präsent», sagt Cébe. Die Testphase laufe aber bis im Dezember 2017. Es bleibe also genug Zeit für die Menschen im Kelleramt, auf das neue Angebot umzusteigen.

Während diesen rund drei Jahren müssten sie aber beweisen, dass der Bedarf für diese Buslinie tatsächlich bestehe. Erst dann würde die Linie ins kantonale Angebot aufgenommen. Sollte das Kelleramt den Beweis dafür schuldig bleiben, könnte die neue Linie im Dezember 2017 bereits wieder verschwinden.

Gemeinsam am selben Strang

Finanziert wird die Testphase von den Gemeinden Unterlunkhofen und Oberwil-Lieli zu gleichen Teilen. Die Gemeinde Unterlunkhofen profitiert allerdings überproportional. Das stört den Gemeindeammann von Oberwil-Lieli, Andreas Glarner, überhaupt nicht: «Vor allem die Pendler aus unserem Unterdorf werden froh sein, um die zusätzliche Anbindung an den Schnellbus nach Zürich.»

Die Haltestellen sind bisher nur als Provisorien eingerichtet. Auch der Mercedes-Sprinter mit seinen 16 Steh- und Sitzplätzen ist nur eine Übergangslösung und fährt mit einer Basellandschäftler Autonummer: «Daran sind die beiden Gemeinden schuld, weil sie es mit der Umsetzung des Projekts so eilig hatten», sagt Andreas Zingg, Leiter Postauto Nordostschweiz.

Der «richtige» neue Bus für die Linie 333 musste erst bestellt werden. «Bei Lieferfristen von sechs bis neun Monaten für ein neues Fahrzeug, waren wir für diese rasche Umsetzung schlicht überfordert», ergänzt er. Er hoffe, dass man den neuen Bus mit vergleichbarer Transport-Kapazität im Sommer dieses Jahres in Betrieb nehmen könne.

In der Tat haben Oberwil-Lieli und Unterlunkhofen die neue Buslinie zusammen mit der Postauto AG im Rekordtempo realisiert: Im September 2014 offeriert; im Februar 2015 realisiert. In nur sechs Monaten zur eigenen Buslinie.

Robert Cébe erklärt die schnelle Umsetzung vor allem mit der hervorragenden Zusammenarbeit: «Zu viele Köche verderben den Brei.» Es sei schon so, dass in einer kleinen Gemeinde wie Unterlunkhofen eine zielführende Lösung schneller verwirklicht werden könne als in einer grossen Stadt.

In neue Sphären

Die Gemeinde Unterlunkhofen verfüge dank der neuen Linie 333 und dem damit verbundenen Anschluss an den Schnellbus 444 nach Zürich natürlich auch über einen zusätzlichen Standortvorteil.

Patrick Zingg präzisiert: «Von Wohlen nach Zürich braucht man 36 Minuten, von Aarau 29 Minuten und von Unterlunkhofen 30 Minuten. Das Kelleramt spielt nun in der Liga der Grossen.»

Der Bus verkehrt von 6 Uhr bis 9 Uhr ab Unterlunkhofen Käppeli und von 16.15 bis 20.45 Uhr zurück ab Oberwil-Lieli Post. Dies im Halbstundentakt, in nur 10-minütiger Fahrt. «Wir haben ausserdem eine Pufferzone von vier Minuten eingebaut», sagt Patrick Zingg. So werde der Bus auch zur Erntezeit, mit erhöhtem Traktor-Vorkommen pünktlich sein.

Na dann: Gute Fahrt!

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