Oberlunkhofen

Das ist Musik, die man hören und sehen muss

Die Showband.ch bei einem Auftritt an der Tour de Suisse 2018 in Frauenfeld. Patrick Feisthammel

Die Showband.ch bei einem Auftritt an der Tour de Suisse 2018 in Frauenfeld. Patrick Feisthammel

Eine Freiämter Familie engagiert sich an verschiedenen Fronten für die Showband.ch

Fünf Flöten, drei Klarinetten, zehn Saxofone, elf Trompeten, zwei Euphonien, zwei Waldhörner, fünf Posaunen, ein Fagott, drei Sousafone und ein siebenköpfiges Drummerkorps – ein gewaltiges Orchester mit ebenso gewaltigem Sound. Rund 50 junge Musikerinnen und Musiker im Alter von 16 bis 23 Jahren bilden zusammen mit fünf Tänzerinnen die Showband.ch, eine Projektband, die sich ganz der Marschmusik verschieben hat. Nicht jener herkömmlichen Marschmusik allerdings, bei der sich die Akteure im Stechschritt vorwärts bewegen, den stieren Blick streng zum Horizont gerichtet.

Die Showband.ch bewegt sich rückwärts und seitwärts oder im Kreis, streckt die Trompeten gen Himmel, die Posaunen zum Boden und verneigt sich mit den Sousafonen zum Publikum. Die Bewegungen sind allerdings nicht zufällig, sondern folgen einer exakten Choreografie, die Jahr für Jahr neu erarbeitet und dem jeweiligen Repertoire angepasst wird.

Hier sehen Sie die Showband in Action:

Musik soll Publikum mitreissen

Speziell sind nicht nur Show und Paraden, speziell ist auch die Musik. Die Showband.ch hat sich schon zu Ozzy Osbournes Crazy Train bewegt, zu Bon Jovis Runaway und schon zu aktuellen Hits von Trauffer. «Es kann aber durchaus auch einmal ein Stück von Udo Jürgens sein. Hauptsache ist, die Musik fegt und reisst das Publikum mit», sagt Patrick Wüthrich, künstlerischer Leiter und Drummajor der Band. Wüthrich kommt aus Oberlunkhofen und dort, im Kelleramt, ist auch die Bandmanagerin zu Hause: Susanne Brunner, Patricks Mutter, zieht die logistischen Fäden, organisiert die verschiedenen Probeweekends, an denen Musik und Choreografie eingeübt wird und sorgt dafür, dass an den Auftritten alles rund läuft. Kein einfacher und vor allem ein sehr zeitintensiver Job bei einer so grossen Band, deren Mitglieder aus der ganzen Deutschschweiz zu Proben und Auftritten anreisen.

Apropos Auftritte: Die Showband.ch hört (und sieht) man dieses Jahr nicht nur an der Parade vom Basel Tattoo, am Waldenburg Tattoo bei Ravensburg (D) und bei verschiedenen Auftritten am Schweizer Jugendmusikfest in Burgdorf. Höhepunkte in diesem Jahr sind die Teilnahmen am Tattoo on Stage im KKL Luzern im September sowie am Berlin Tattoo im November.

Susanne Brunner reist stets mit, wird zuhause dann aber kaum vermisst. Denn auch Tochter Sina ist als Saxofonistin mit von der Partie. Und Sohn Kenny hat in der Band ebenfalls ein paar Jahre Saxofon gespielt, ist jetzt aber Mitglied der Freiämter Blasband Brässkalation.

Mit der hat die musikalisch ganz anders gelagerte Showband.ch eines gemeinsam: In beiden Formationen wird ohne Noten gespielt. «Die Musikstücke auswendig zu beherrschen ist zwingend. Nur so können wir uns in der Show möglichst frei bewegen», erklärt Patrick Wüthrich. Was gespielt wird, bestimmt ein Team, das mit ihm die künstlerische Leitung bildet, zusammen mit dem musikalischen Leiter Thomas Gmünder. Wer dann bei welchem Ton wo steht oder was für eine Bewegung macht, ist in einem Skript festgehalten. Eingeübt wird dieses vorerst auf einem mit Koordinatennetz markierten Boden. An den Auftritten müssen dann ein paar einfache Orientierungspunkte am Bühnen- oder Platzrand reichen.

Crowdfunding geplant

Showband.ch sieht sich keineswegs als Konkurrenz der traditionellen Blasmusiken, sondern als Ergänzung: «Wir wollen den Musikvereinen nicht den Nachwuchs abwerben, sondern diesem mit unserem Projekt eine Abwechslung bieten», hält Patrick Wüthrich fest.

Finanziell ist die Showband.ch anfänglich vom Bundesamt für Kultur unterstützt worden. Weil sie ihre Aktivitäten aus logistischen Gründen nicht auf die Romandie, den rätoromanischen Raum und das Tessin ausweiten kann, gibt es jetzt aber kein Geld mehr. Um das Überleben des Projekts dennoch zu sichern, ist deshalb eine Crowdfundig-Aktion auf Lokalhelden.ch geplant. Allfällige Spenden sind willkommen.

Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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