Dottikon
Das Herz dieses Töffgurus schlägt für die alten Engländer

Der Dottiker Hans Hartmann hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und sich auf englische Motorräder spezialisiert. Die Kundschaft des British-Bike-Doctors stammt keineswegs nur aus der Deutsch- und Westschweiz.

Tommy Richner/Loredana Di Fronzo
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Hans Hartmann präsentiert selig seinen grossen Stolz.

Hans Hartmann präsentiert selig seinen grossen Stolz.

Tommy Richner

Wer die Liegenschaft von Hans Hartmann in Dottikon betritt, der sieht hier als erstes rund ein Dutzend Motorräder stehen. Aus der grossen Werkstatt sind Fräsgeräusche Geräusche zu hören. An den Wänden dort hängen die Schilder von verschiedensten Töffmarken und viele Bilder seiner selber konstruierten und gebauten Motorräder. Genauso, wie man sich die Werkstatt eines angefressenen Bikers eben vorstellt. Mit seinem 2001 gegründeten Unternehmen hat Hans Hartmann sein Hobby zum Beruf gemacht.

250 Kubikzentimeter gross...

...ist der Motor seiner Norton Commando. Die Maschine hatte ab Werk 56 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 191km/h. Die Maschine mit Jahrgang 1972 restaurierte Hartmann in aufwendiger Arbeit und sie ist sein ganzer Stolz.

Der British-Bike-Doctor, wie er sich nennt, hat sich damit einen Jugendtraum erfüllt. «Blättert man alte Fotoalben von mir durch, posiere ich bereits als Kleinkind auf einem Motorrad. Diese Leidenschaft hat mir mein Vater vererbt», erzählte Hartmann. Bevor er sein Geschäft eröffnete, arbeitete der Motorradfan 20 Jahre auf dem Bau. Nebenbei reparierte er seine eigenen Bikes und die seiner Kollegen. Mit den Jahren kamen immer mehr Kollegen dazu, die ihm Motorräder zur Reparatur brachten. Irgendwann konnte Hartmann sich vor Arbeit nicht mehr retten und hatte neben seinem Vollzeitjob schlichtweg keine Zeit, sich um alle Projekte zu kümmern.

Auf Oldtimer spezialisiert

Als passionierter Motorradfan repariert und restauriert er hauptsächlich englische Klassiker aus den 60er- und 70er-Jahren. Mittlerweile stammt seine Kundschaft nicht mehr nur aus der Deutsch- und Westschweiz, sondern auch aus Ländern wie Italien, Österreich, Deutschland und Holland. Werbung macht Hartmann nur an den Motocross-Events in Wohlen und Muri. Er verfügt bereits über viele Stammkunden stets kommen wieder neue hinzu. «Meine Werbung funktioniert hauptsächlich über Mund-zu-Mund-Propaganda meiner Kunden. Und die wirkt mehr als genug. Noch mehr Arbeit könnte ich gar nicht bewältigen.»

Bau von Eigenkonstruktionen

Neben dem Schrauben an Kundenmaschinen konstruiert der Töffguru auch mit grosser Leidenschaft Motocrossmaschinen, die er auf der Basis von englischen Motorrädern aus den 50er-Jahren von Grund auf neu konstruiert. «Das Selberbauen ist für mich deutlich reizvoller als einen Töff reparieren. Wenn eine solche Maschine dann zuverlässiger und schneller ist als ein Modell ab Stange, erfüllt mich das mit grossem Stolz.»

Die Eigenkonstruktionen nehmen aber nur etwa 10 Prozent seiner gesamten Arbeitszeit ein, denn meist ist Hartmann mit den Unterhaltsarbeiten an Motorrädern beschäftigt. Seine Leidenschaft für Maschinen der Marken Norton und BSA ist sehr ausgeprägt. Hartmanns Lieblingstöff ist eine schwarze Norton Commando 750 aus den 50er-Jahren, die er selber restauriert hat. Sie ist für ihn von unschätzbarem Wert und unverkäuflich. «Das Bike steht aber meistens nur herum, denn ich arbeite lieber an den Motorrädern als sie zu fahren», gesteht Hartmann.

Jeden zweiten Donnerstagabend veranstalten er und seine Frau Doris einen «Höck» für Kunden und andere Motorradbegeisterte. Dabei wird gegrillt und gefachsimpelt. Die oftmals 25 bis 30 Personen geniessen die Zeit unter Gleichgesinnten. Diese Treffen finden jeweils vom Mai bis September statt.