Nach einer zweieinhalbstündigen Informationsflut über die Badanlage waren die 120 Zuhörenden im Casino erschöpft. Gut 50 Folien hatten Stadtammann Raymond Tellenbach und der ressortverantwortliche Stadtrat Stefan Achermann präsentiert, detaillierte Faktenberge, Anmerkungen und Zahlenkolonnen.

Der Hintergrund der üppigen Informationskampagne: Am 14. Juni muss sich die Gemeindeversammlung Bremgarten für eines von zwei kostspieligen Badi-Bauprojekten entscheiden, für die Sanierungsvariante oder die Radikalvariante. Die Sanierungsvariante umfasst einen Anbau beim Hallenbad und die Erneuerung der Technik für 9,1 Mio. Franken. Die Radikalvariante sieht die Schliessung und den Abbruch des Hallenbads sowie den Bau eines neuen Freibadgebäudes für 4,3 Mio. Franken vor.

Folgen der Hallenbad-Schliessung

Sollte Bremgarten sich für die Radikalvariante entscheiden, würde das Reussstädtchen nationale Schlagzeilen als erste Gemeinde des Landes machen, die ihr Hallenbad dem Erdboden gleichmacht. Ein Szenario mit zünftigem Imageverlust-Potenzial. Stadtammann Raymond Tellenbach: «Das Hallenbad steht unserer Zentrumsgemeinde gut an. Leute aus der ganzen Region nutzen das Bad als Freizeit-, Gesundheits- oder Sportstätte.» Trotz eines jährlichen Betriebsdefizits von mehr als 200000 Franken werde das Hallenbad rege benützt. Die Eintrittszahlen liegen bei rund 80000 im Jahr.

Eine Schliessung würde das Ende des Schwimmclubs Region Bremgarten mit seinen 110 Aktiven bedeuten. Auch die beiden Schwimmschulen sind aufs Hallenbad angewiesen, genau so die Heilpädagogische Schule der St. Josef-Stiftung, weitere Vereine und Institutionen sowie die Leiterin der gut besuchten Aquafit-Kurse.

Teure Technik, wenig Luxus

Zur Sanierungsvariante. Ein grosser Brocken bei dieser Variante, die den Weiterbetrieb von Hallenbad und Freibad gewährleistet, stellt die Badi-Technik dar. Lüftungserneuerung, Elektrik-Sanierung, neue Sanitärleitungen, vernünftige Unterbringung der Chemikalien, Wasseraufbereitung etc. kosten laut Generalplaner Peter David Weber rund 4 Millionen. Die Technik bleibe dann 15 bis 20 Jahre funktionstüchtig, ehe man sie erneut überholen müsse.

Mit 5 Millionen Franken schlägt der geplante Anbau ans Hallenbad zu Buche. Dieser Anbau beherbergt gemeinsame Dusch-, Garderoben- und Toilettenanlagen für Hallenbad- und Freibadgäste. Stadtrat Stefan Achermann: «Es handelt sich um eine zweckmässige Lösung mit wenig Luxus.» Nicht gerade Luxus, aber etwas Komfort versprechen eine geplante Cafeteria im Obergeschoss samt Terrasse mit Aussicht aufs Freibadgelände und die vorgesehene Verschiebung der Glasfront nach aussen im Hallenbad. So entstehen am Hauptbecken einige Sitzgelegenheiten.

Umliegende Gemeinden können nicht zur Mitfinanzierung der teuren Sanierungsvariante verpflichtet werden. Bremgarten muss die 9,1 Millionen alleine stemmen. Dies soll über eine Sondersteuer geschehen, über eine Steuerfusserhöhung um 5 oder 6 Prozentpunkte.