Oberwil-Lieli
Das grösste Vermögen, der tiefste Steuerfuss

1965 zählte Oberwil-Lieli an der Grenze zum Kanton Zürich mit dem kantonsweit höchsten Steuerfuss von 190 Prozent zu den ärmsten Gemeinden im Aargau. Heute führt es die Rangliste in umgekehrter Reihenfolge an.

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Gemeindeammann Andreas Glarner in Oberwil.

Gemeindeammann Andreas Glarner in Oberwil.

Sandra Ardizzone

Oberwil-Lieli hat den kantonsweit niedrigsten Steuerfuss von 60 Prozent. Dieser ist allerdings aufgrund eines Referendums noch nicht rechtskräftig. Der Streit beim Referendum geht darum, ob die Gemeinde Asylbewerber aufnehmen oder die massiv erhöhte Ersatzabgabe zahlen soll.

Mit dem tiefen Steuerfuss konnte die Gemeinde einige sehr gute Steuerzahler halten, neue kamen dazu. Das kommt nicht von ungefähr. 2006 hat sich der Gemeinderat das Ziel gesetzt, steuergünstigste Gemeinde zu werden, sagt Gemeindeammann Andreas Glarner. Das ist erreicht und mit knapp 14 000 Franken pro Person weist die Gemeinde auch das höchste Vermögen aus. Wie wurde das möglich?
Wieder Glarner: «Wir nehmen viel ein und geben moderat aus. Das zeigt sich auch am jüngsten Rechnungsabschluss, der deutlich besser ausfiel als erwartet.» Die Höhe des Vermögens täusche aber, mahnt Glarner. Schliesslich wurden bzw. werden in der Gemeinde ein neues Schulhaus für 7 Millionen Franken, ein Kindergarten und Alterswohnungen für 4 Millionen Franken erstellt. Das sei noch nicht alles abgerechnet. Er erwartet zudem, dass der neue Finanzausgleich, der ab 2017 gelten soll, «für Oberwil-Lieli ruinös wird».

Im Weiteren werde die Gemeinde «durch hohe Pflegekosten und die jetzt deutlich höhere Asylabgabe oder dann durch in fünf bis sieben Jahren kommende massive Sozialhilfekosten für zugewiesene Asylbewerber belastet». Heute habe man fünf Sozialhilfefälle im Dorf, das würde sich dann ändern, so Glarner.

Klar, die Gemeinde profitiert von ihrer guten Lage, von der Nähe zu Zürich, zum Flughafen und von der guten verkehrlichen Erschliessung. Dafür könne Oberwil-Lieli nichts, sagt Glarner, dafür sei man dankbar. Die Bevölkerung schätze, «dass wir eine schlanke Verwaltung haben, mit dem Geld sehr haushälterisch umgehen und überall auf dem Schlauch stehen». (MKU)