Zugegeben, die Gründungsversammlung, gleichsam die erste Generalversammlung des Kirchenchors Bremgarten, der damals noch «löbliche Kirchenmusikgesellschaft Bremgarten» hiess, fand am 1. September 1868 statt. In den Statuten wurde der 22. November, Gedenktag der Heiligen Cäcilia, Schutzpatronin der Kirchenmusik, als Festtag der Gesellschaft festgelegt. «An diesem Tage soll eine feierliche Musik während des Gottesdienstes und abends ein öffentliches Konzert nebst gesellschaftlichem Abendessen nach Bestimmung und Beschluss der Gesellschaft stattfinden», wurde statutarisch festgelegt. Nebst anderen Aktivitäten hatte am Tag der jungfräulichen Märtyrerin auch die Generalversammlung der Kirchenmusikgesellschaft stattzufinden. Streng genommen ist der heutige Kirchenchor also noch nicht exakt 150 Jahre alt.

Aber das Datum für die GV ist ja nicht das einzige, was sich in den vergangenen 150 Jahren geändert hat. Allein schon der Vereinsname wechselte in dieser Zeit des Öfteren. Schon beim ersten Konzert wurde er mit «Musikgesellschaft Bremgarten» betitelt, später «katholische Kirchenmusikgesellschaft», dann «Cäcilienverein Bremgarten», auch «Katholischer Kirchenchor», weiter «Katholische Kirchenmusikgesellschaft Cäcilia Bremgarten 6», schliesslich «Kirchenchor Cäcilia Bremgarten» und seit dem 20. November 2010 heisst der Verein schlicht «Kirchenchor Bremgarten».

Viel jugendlicher Elan

Die Generalversammlung wird, gemäss geltendem Statut, nach Möglichkeit im Januar durchgeführt, fand im Jubiläumsjahr aber am 10. März statt. Im Rahmen dieser GV wies Chorleiter Christian Alpiger einmal mehr darauf hin, wie wichtig Gastsänger sind, und zwar für jedes Projekt des Chors, selbst für «kleinere» Gottesdienste. «Jedermann ist herzlich willkommen und kann jederzeit einsteigen», betonte Alpiger und fügte mit einem Lächeln im Knopfloch hinzu: «Alle unter 70 Jahren zählen hier als jung.» Eine solche Anspielung auf das hohe Durchschnittsalter der Vereinsmitglieder durfte sich der junge Dirigent durchaus leisten, denn er weiss, wie viel jugendlicher Elan und Schaffenskraft in jeder und jedem einzelnen seiner 26 Sängerinnen und Sänger steckt.

Der Rückblick auf das Vereinsjahr 2017 machte denn auch deutlich, zu welchen Leistungen der Kirchenchor in seiner aktuellen Besetzung immer noch fähig ist. Nach dem Rücktritt von Chorleiter Hiram Santos sprang kurzfristig Christian Alpiger ein und konnte im September angestellt werden, nachdem er seine Stelle als Chorleiter und Organist in Wädenswil zugunsten von Bremgarten gekündigt hatte. Alpiger ist ausgebildeter Chorleiter, Organist, Cembalist und Sänger. Ausserdem unterrichtet er als Gymnasiallehrer Musik sowie Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT).

Neue Co-Präsidentin gewählt

Unter seiner Leitung sang der Kirchenchor in der Osternacht das «Te Deum» von Jan Dismas Zelenka. Ein grossartiges Werk, das den Chor mit seinen polyfon frei geführten Stimmen auch sehr gefordert hat. Schlag auf Schlag ging es weiter mit der Pfingstvesper und dem traditionellen Gottesdienst mit Prozession zu Fronleichnam. Stimmungsvoll auch der Gottesdienst zu Maria Himmelfahrt in der St. Josef-Stiftung. Das Synesius-Fest im Oktober wurde gefeiert mit dem «Psalm 84» von Joseph Röösli. Anschliessend ging es mit Volldampf in die Proben für den Festgottesdienst vom 3. Dezember zur 30-Jahr-Feier der Wiedereinweihung der Stadtkirche nach dem grossen Brand von 1984. Nach dem Rorategottesdienst fand das Vereinsjahr am Weihnachtsmorgen seinen klingenden Abschluss mit dem süffig-romantischen «Oratorio de Noël» von Camille Saint-Saëns.

Co-Präsident Erwin Wagenhofer hatte zwar die schmerzliche Pflicht, Präsidiumskollege Javier Mendoza aus dem Vorstand zu verabschieden, freute sich aber darüber, in Silvia Küng eine willige und würdige Nachfolgerin als Co-Präsidentin vorstellen zu dürfen. Ihr wurde von der Versammlung denn auch einstimmig das Vertrauen ausgesprochen.

Grosses Jubiläumskonzert

Das Jubiläumsjahr 2018 wird wieder ein ausgefülltes und erlebnisreiches. Christian Alpiger und der Vorstand planen ein Jubiläumskonzert, das zusammen mit dem Cäcilienchor Villmergen im Oktober zweimal aufgeführt werden soll, einmal in Bremgarten, einmal in Villmergen. Zur Aufführung gelangen die B-Dur-Messe von Franz Schubert, ein «Te Deum» von Franz Joseph Haydn sowie dessen «Salve Regina» mit Orgelsolo, das dann auch im Synesius-Gottesdienst nochmals zu hören sein wird. Für diese Konzerte ist der Kirchenchor wieder auf Gastsänger angewiesen – und natürlich auch auf Sponsoren. Beiderlei Interessierte dürfen sich jederzeit gerne bewerben. Entweder über die Website des Vereins, www.kirchenchor-bremgarten.ch, oder direkt via Telefon 056 641 91 54 bei Chorleiter Christian Alpiger. Eine gute Gelegenheit, gratis zu Gesangsstunden zu kommen.