Wohlen

Das Getränk der Piraten und Sklaven ist wieder im Trend

Wer seinen Freunden etwas über Rum erzählen will, der lernt Wissenswertes an einem Seminar.

Wer seinen Freunden etwas über Rum erzählen will, der lernt Wissenswertes an einem Seminar.

Er kommt aus tropischen Gefilden und wärmt in kalten Jahreszeiten Körper und Geist: der Rum. Lange wurde er verschmäht, ist nun aber so beliebt, dass sogar Seminare angeboten werden. Aber warum eigentlich?

Für die kommenden Tage sind drastische Temperatureinbrüche prognostiziert. Damit macht sich so langsam eine vorweihnachtliche Stimmung breit. Zum kalten Wetter passt ein hochprozentiges Getränk ganz besonders: der Rum. Nicht nur im Tee oder zum Backen von Weihnachtsgebäck, wie Lidwina Weh von der Schüwo AG in Wohlen sagt: «Rum ist momentan sehr im Trend. Wer an der Bar einen guten Rum bestellt, zeigt damit, dass er Ahnung hat.» Weh leitet das einzige Rum-Seminar, das im Freiamt angeboten wird.

Der Schnaps wird aus Melasse gewonnen, ein brauner, zähflüssiger Sirup, der bei der Zuckerherstellung aus Zuckerrohr übrig bleibt. Die Melasse wird verdünnt und mit Hefe versetzt, die anschliessende Gärung dauert von einem bis zehn Tage. Nach der Destillation reift er im tropischen Klima in alten, gebrauchten Eichenfässern, bis zu 25 Jahren.

Rum zur Belohnung

Im 16. Jahrhundert wurde fleissig Zuckerrohr angebaut, mithilfe von Sklaven. Auf den karibischen Inseln fand ein teilweise recht aufwendiger Zuckerrohr-Anbau statt, es herrschten optimale Bedingungen. Bald erkannten die Kolonialherren, dass bei der Vermengung der Zuckerrohrfasern mit Wasser eine Gärung stattfand. Den daraus gewonnenen Zuckerrohrwein verabreichte man den Sklaven als Belohnung oder zur Stärkung.

In Europa stellte man durch Destillation später Brände her. Sogenannte Kupferbrennblasen wurden zu Beginn des 17. Jahrhunderts in die Karibik exportiert. Dort begann man, die Zuckerrohr-Reste vor Ort zu brennen. Der Rum war nicht nur bei den Sklaven, sondern bald auch bei den Seeleuten beliebt. Der Vorteil war, dass er lange haltbar war und so während der langen Fahrten nicht verdarb. Zum Teil wurde dem Rum etwas Zitronensaft beigemischt – quasi ein Vorläufer des heute beliebten Cuba Libre – was dann gleichzeitig Skorbut vorbeugte.

Zurück in Wohlen: Nachdem der Rum zeitweise fast schon als Billiggetränk verschrien wurde, hat er heute wieder seine Anhänger. Das Rum-Seminar erfreut sich grosser Beliebtheit. Es ist ausgebucht und die Teilnehmer riechen an ihren Gläsern, lassen sich einen Tropfen Rum auf der Zunge zergehen und versuchen, verschiedene Aromen herauszuspüren – Caramel, Banane, Zimt, geröstete Nüsse, Honig, Marzipan und dutzende andere Aromen sind möglich. (kob)

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