Fischbach-Göslikon
Das Geheimnisdes weissen Betons

Der Neubau des Gemeindehauses kommt trotz einiger Herausforderungen gut voran

Dominic Kobelt
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Architekt Joos Gredig (links) zusammen mit den Bauleitern Marcel Eichenberger und Stefan Eichenberger (links) stehen in der zukünftigen Schalterhalle. Dominic Kobelt

Architekt Joos Gredig (links) zusammen mit den Bauleitern Marcel Eichenberger und Stefan Eichenberger (links) stehen in der zukünftigen Schalterhalle. Dominic Kobelt

Dominic Kobelt

Am 27. Mai setzten die Schaufeln erstmals an, da, wo später ein tiefes Loch entstand. Mittlerweile wächst aus diesem Loch langsam aber stetig das Gebäudeskelett von «Ursus», dem neuen Gemeindehaus in Fischbach-Göslikon. Die Decke über dem Kellergeschoss ist geschlossen. Zurzeit werden die Wände für den Schalterraum und die ersten Wände der Gebäudehülle betoniert. Etwa die Hälfte des Rohbaus steht bereits, bis Ende Januar soll er fertig sein.

So soll die Schalterhalle dereinst aussehen.

So soll die Schalterhalle dereinst aussehen.

Zur Verfügung gestellt

«Dann folgen die Dämmung und schliesslich die Sichtbetonfassade. Der Sichtbeton im Innen- und Aussenbereich stellt eine der grössten Herausforderungen an diesem Bau dar», erklärt Stefan Eichenberger, der zusammen mit Marcel Eichenberger die Bauleitung innehat.

Gemeindehaus: «Ursus» hats nur knapp geschafft

Bereits 2010 war das Gemeindehaus Thema in Fischbach-Göslikon – ein Dorfzentrumsvorhaben mit neuem Gemeindehaus, Dorfladen und Alterswohnungen scheiterte aber. Der zweite Anlauf beschränkte sich auf ein neues Gemeindehaus. Aber auch das Projekt «Ursus», das den Projektwettbewerb gewann, war nicht unumstritten: An der Gemeindeversammlung stimmten 45 Personen für, 45 gegen einen Rückweisungsantrag, der den Neubau beerdigt hätte – damit kam keine Mehrheit zustande. Dafür beschloss die Versammlung, dass das neue Gemeindehaus samt Bauamt so weit wie möglich in nördliche Richtung verschoben werden soll, damit das alte Gebäude erst abgebrochen werden muss, wenn das neue steht. So konnte man auf die Provisorien verzichten. Gestrichen wurde auch die 400 000 Franken teure Tiefgarage, in der 16 Parkplätze hätten untergebracht werden sollen. Das
Untergeschoss mit Werkhof und entsprechender Zufahrt ist davon nicht betroffen. Der 5,76 Millionen Franken teure Neubau wird voraussichtlich im November 2017 bezugs-
bereit sein. (kob)

Da, wo künftig die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Kunden bedienen, erklärt Stefan Eichenberger, warum das so ist. Durch die Verschalungen, die mit Beton ausgegossen wird, verlaufen Leitungen. «Die müssen alle am richtigen Ort sein, das kann man nicht mehr korrigieren», so Eichenberger. «Zudem muss alles zusammenspielen, um die gewünschte Qualität zu erreichen.» Damit der Beton eine gleichmässige Färbung bekommt, spielen Temperatur und Luftfeuchtigkeit eine grosse Rolle. «Je nachdem, wie nass oder trocken es ist, bekommt die Wand einen anderen Farbton. Deshalb braucht es einen erfahrenen Polier, der weiss, wie lange die Wand eingeschalt sein muss.»

Leichte Verzögerung

Der Spezialbeton, der Pigmente enthält und dadurch eine warme, weisse, fast schon beige Färbung erhält, wird nicht in allen Bereichen eingesetzt. So wird in der Werkstatt oder im Technikraum der günstigere, ungefärbte Beton verwendet.

Die Sichtbetonfassade wird erst betoniert, sobald die Innenwände stehen. «Es ist fast unmöglich, diese gleichzeitig mit der tragenden Betonwand hochzuziehen, da es bei den Schalarbeiten zu grossen Distanzen zwischen Gerüst und Betondecke käme. Die Absturzsicherheit wäre in gewissen Phasen des Arbeitens so nicht mehr gewährleistet oder nur mittels teuren und zeitaufwändigen Massnahmen sicherzustellen», erklärt Stefan Eichenberger.

Daraus ergeben sich jedoch Bauverzögerungen. Anders als beim ursprünglichen Projekt soll deshalb die Dachkonstruktion nicht in Beton, sondern mit Holzbauelementen erstellt werden. Damit kann die aktuelle Bauverzögerung wieder etwas aufgeholt werden. Marcel Eichenberger hält fest: «Bisher sind die Arbeiten unfallfrei verlaufen und es ist zu keinen Überraschungen gekommen.»

Durch Bauernhäuser inspiriert

Architekt Joos Gredig freut sich über die Fortschritte bei «seinem» Gemeindehaus. «Jede Baustelle ist anders, bei jeder gibt es wieder neue Herausforderungen.» Was unterscheidet das Gemeindehaus in Fischbach-Göslikon von anderen Gemeindehäusern? «Nur schon der Ort, an dem es steht, es hat sehr viel Präsenz, auch durch die Form. Und das Gebäude lebt von der Empfangshalle», beschreibt Gredig. Die einprägsame Gebäudeform ist durch die alten Bauernhäuser der Region inspiriert. Die zweigeschossige zentrale Halle verbindet die beiden Geschosse räumlich zu einer Einheit.

Auf dem Erdgeschoss werden sich einst die Schalter der Gemeindekanzlei und der Abteilung Steuern/Finanzen befinden. Über eine breite Treppe gelangt man ins Obergeschoss, wo das kleine Sitzungszimmer, der Aufenthaltsraum, die Reservebüros und die Archivräume galerieartig erschlossen sind. Der Raum unter dem steilen Dach ist für Sitzungen oder für andere Veranstaltungen wie Seminare oder Apéros nutzbar. Im Untergeschoss befinden sich der Technikraum und die Räumlichkeiten des Bauamtes.

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